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Atomkraft

Atomkraftwerk in China: Berichte über mögliches Leck – US-Regierung eingeschaltet

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Fachleute rätseln über einen Vorfall im chinesischen Atomkraftwerk in Taishan. Der französische Betreiber schaltet sogar die US-Regierung ein.

Taishan – Der „Europäische Druckwasserreaktor“ (EPR) ist ein neuer AKW-Typ, der besonders sicher sein soll. Die ersten beiden Anlagen dieser in Frankreich entwickelten Bauart werden im südchinesischen Taishan nahe Hongkong betrieben. Sie versorgen unter anderem die wichtigste Sonderwirtschaftszone des Landes, Shenzhen. Dort hat es offenbar einen Vorfall gegeben, der zumindest sicherheitsrelevant sein könnte.

Bekannt wurde der Vorfall durch einen Bericht des US-Senders CNN. Darin war von einem seit Wochen bestehenden möglichen Leck in einem der beiden AKW-Blöcke die Rede. Der französische Energiekonzern EDF, dessen Tochter Framatome die Reaktoren mitgebaut hatte, teilte daraufhin mit: Es gebe dort ein „Leistungsproblem“. In dem Reaktor sei ein Anstieg der Konzentration „bestimmter Edelgase im Primärkreislauf“ gemessen worden. Als Ursache wurden defekte Brennelemente angegeben.

Atomkraftwerk in Taishan: Spekulationen über Austritt von Edelgas

EDF beeilte sich jedoch, Entwarnung zu geben. Bei dem Edelgas-Austritt handele es sich um ein „bekanntes Phänomen“, hieß es in der Mitteilung der Franzosen, die das AKW zusammen mit der China General Nuclear Power Group“ (CGN) betreiben. Nach den verfügbaren Daten arbeite die Anlage innerhalb der Sicherheitsvorgaben, CGN wiederum wies Spekulationen über mögliche radioaktive Verseuchungen zurück. Die Umweltdaten im Werk und in der Umgebung seien normal.

Auslöser der Berichterstattung war ein Brief von Framatome an das US-Energieministerium gewesen, wonach in dem AKW Strahlung auszutreten drohe. Die Gefahr werde von der chinesische Seite indes heruntergespielt. So seien die Strahlen-Grenzwerte vorsorglich hochgesetzt worden, um den Reaktor nicht herunterfahren zu müssen.

Vorfall in Atomkraftwerk: Auch US-Regierung eingeschaltet

CNN zufolge kam die US-Regierung um Präsident Joe Biden nach einwöchiger Prüfung zu dem Schluss, die Anlage laufe bisher nicht auf „Krisenniveau“. In dem Zusammenhang habe es auch direkte Gespräche mit Paris und Peking gegeben. Dass der französische Konzern sich überhaupt an das US-Ministerium wandte, hängt offenbar damit zusammen, dass CGN auf der schwarzen Liste der US-Regierung steht. Framatome habe um „amerikanische technologische Unterstützung“ für die Untersuchung des Vorfalls ersucht und dafür eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Diese kann nach US-Bestimmungen erteilt werden, falls eine „unmittelbare radiologische Bedrohung“ vorliegt.

Das Atomkraftwerk in Taishan während des Baus 2013.

Darüber, wie bedenklich der Vorfall ist, wird in Fachkreisen spekuliert. Defekte Brennstäbe im Reaktorkern lassen radioaktive Edelgas-Nuklide wie Krypton 90 und Xenon 139 entweichen. Sind solche Defekte größer, muss das AKW vorzeitig vom Netz genommen werden, CNN zitierte die pensionierte US-Nuklearwissenschaftlerin Cheryl Rofer mit der Warnung, dass ein Gasleck in dem Reaktor durchaus auf größere Probleme hinweisen könnte. „Möglicherweise sind einige der Brennelemente gebrochen“, sagte sie, „das wäre ein Grund, den Reaktor abzuschalten, und ihn neu zu beladen.“ Dabei müsse das Entfernen der Brennelemente sehr sorgfältig erfolgen.

Atomkraftwerk in Taishan: Ähnliche Anlagen werden in Europa gebaut

Die EPR-Anlagen in Taishan sind 2018 und 2019 in Betrieb gegangen. Weitere EPR sind in Frankreich, Finnland und Großbritannien im Bau, dort allerdings mit gewaltigen Zeit- und Kostenüberschreitungen. Pläne gibt es auch für Indien.

China produziert rund fünf Prozent seines Stroms in den derzeit dort betriebenen 41 Reaktoren mit insgesamt 51 Gigawatt (GW) Leistung. Die Nuklearkapazität soll jedoch stark ausgebaut werden. 2030 will Peking 130 GW erreichen, 2050 dann 340 GW. Ziel: Ein Viertel des Stroms soll Atomstrom sein. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © AFP

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