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Atomkraft in den USA: Mehr Geld für alte Meiler

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Von: Joachim Wille

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40 Jahre alt sind die US-Reaktoren im Durchschnitt.
40 Jahre alt sind die US-Reaktoren im Durchschnitt. © imago images/DANITA DELIMONT STO

Die US-Regierung pumpt sechs Milliarden Dollar in laufende Atomkraftwerke. Ein Bericht lässt aufhorchen: In vielen AKW sollen gefälschte Bauteile verbaut sein.

Washington D.C. – Die US-Regierung will ein sechs Milliarden Dollar schweres Hilfsprogramm für die Betreiber von Atomkraftwerken auflegen, um den Weiterbetrieb der Meiler abzusichern. Das Geld – umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro – soll zur Verfügung gestellt werden, um die vorzeitige Stilllegung von Reaktoren zu verhindern, zu denen sich eine Reihe Betreiber sonst aus ökonomischen Gründen gezwungen sehen würden.

In den USA steht der weltweit größte AKW-Park, dort laufen 93 Reaktoren, die rund 20 Prozent des in dem Land verbrauchten Stroms liefern. Viele AKW-Betreiber sind seit längerem unter Druck, weil erneuerbare Energien und lange Zeit auch Erdgas-Kraftwerke den Strom billiger lieferten. Ein Faktor dabei ist, dass einige Bundesstaaten Solar- und Windstrom mit Abnahmegarantien fördern, um die Energiewende zu forcieren.

USA: Atomkraft ist wichtig für Präsident Biden

Das US-Energieministerium rechtfertigt die Hilfen damit, dass die Reaktoren rund die Hälfte der CO2-freien Stromproduktion liefern. Außerdem würden damit „Tausende von gut bezahlten Arbeitsplätzen im Bereich saubere Energie“ erhalten. „Die US-Kernkraftwerke sind für die Erreichung der Klimaziele von Präsident Biden von entscheidender Bedeutung“, sagte Energieministerin Jennifer Granholm. Die Biden-Harris-Regierung betrachte die AKW-Flotte als wichtige Ressource, um das Ziel von Netto-Null-Emissionen in der gesamten Wirtschaft bis 2050 erreichen zu können. Das Granholm-Ministerium fördert aber auch die Entwicklung von neuen Reaktorkonzepten und den Bau von Prototypen.

Die Finanzmittel sind bereits durch das im Kongress verabschiedete Gesetz zur Verbesserung der Infrastruktur bereitgestellt worden, das die Biden-Administration vorgelegt hatte.

Vereinigte Staaten haben die älteste Reaktorflotte der Welt

Die USA haben die älteste Reaktorflotte in der Welt mit einem Durchschnittsalter von rund 40 Jahren, die meisten AKW gingen vor 1985 in Betrieb. Im vergangenen Jahrzehnt sind bereits zwölf Reaktoren dauerhaft wegen veränderter Strommärkte vom Netz genommen worden. Das Granholm-Ministerium argumentiert, diese Schließungen hätten zu höheren CO2-Emissionen, schlechterer Luftqualität sowie dem Verlust Tausender Jobs beigetragen.

Ein Schlaglicht auf die Situation in der alternden AKW-Flotte hatte kurz vorher ein Report der US-Bundesaufsichtsbehörde für die Atomindustrie (NRC) geworfen. Danach wurden in mehreren AKW gefälschte oder nachgebaute Teile entdeckt, die das Risiko eines Unfalls erhöhen könnten. Die fraglichen Bauteile würfen „Fragen hinsichtlich der nuklearen Sicherheit und der Gefahrenabwehr auf, die schwerwiegende Folgen haben könnten“, heißt es in dem Bericht des NRC-Generalinspektors.

Gefälschte Bauteile in Atomkraftwerken

Laut dem Bericht zählten zu den nicht ordnungsgemäßen Teilen Temperatursensoren, die zur Erkennung von Dampfleitungs-Brüchen verwendet werden, Unterbrecherschalter, die Brände verhindern sollen, und eine Notwasserpumpen-Welle.

Der Inspekteur hatte eine Untersuchung eingeleitet, nachdem bei der NRC Berichte von Whistleblowern eingegangen waren, wonach viele, möglicherweise sogar alle US-AKW mit nachgebauten Bauteilen ausgestattet worden seien. Die Betreiber nutzen diese, um Geld zu sparen. Laut dem Report haben zudem Mitarbeiter des Energieministeriums allein im Geschäftsjahr 2021 über 100 Vorfälle mit „gefälschten, betrügerischen oder verdächtigen Teilen“ in Reaktoren festgestellt.

Kritik von Forscherinnen und Forschern

NRC-Sprecher Scott Burnell gab insofern Entwarnung, als er sagte, in dem Bericht deute nichts „auf ein unmittelbares Sicherheitsrisiko“ hin. Der Report werde gründlich geprüft, und es würden geeignete Maßnahmen ergriffen.

Weniger entspannt reagierte die kritische Wissenschaftlergruppe „Union of Concerned Scientists“. Der Bericht sei beunruhigend, meinte deren Experte für AKW-Sicherheit, Edwin Lyman. Die NRC müsse sicherstellen, dass gefälschte oder betrügerische Teile nicht in US-Kernkraftwerken eingesetzt werden. „Dazu gehört auch die Verschärfung der Anforderungen an Anlagenbesitzer, solche Probleme zu melden und zu beheben, sobald sie entdeckt werden“, sagte er. (Joachim Wille)

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