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Atomkraft ist auch in Frankreich bei vielen unbeliebt: Dieser Demonstrant erinnerte im März an das Unglück von Fukushima.
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Atomkraft ist auch in Frankreich bei vielen unbeliebt: Dieser Demonstrant erinnerte im März an das Unglück von Fukushima.

Atomkraft in Frankreich

Flamanville: Frankreichs Pannen-AKW

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Es ist das Prestigeobjekt der französischen Atomindustrie. Doch im neuen AKW in der Normandie läuft immer wieder etwas schief.

Der „Europäische Druckwasserreaktor“, kurz EPR, sollte das Prestigeprojekt der französischen Atomindustrie werden und die Renaissance der Atomkraft in Europa einleiten. Doch das EPR-Projekt des staatlichen Stromkonzerns EDF in Flamanville in der Normandie wird immer mehr zum Fiasko. Die Inbetriebnahme der Anlage verzögert sich erneut und die Kosten steigen weiter an, wie in dieser Woche bekannt wurde. Für die Kernkraftoffensive von Präsident Emmanuel Macron ist das ein großer Dämpfer.

Der französische Reaktor der neuen Generation, der seit den 1990er-Jahren vom Siemens-Konzern mitentwickelt wurde, wird in Flamanville seit 2007 gebaut. Er sollte ursprünglich 2012 ans Netz gehen. Zuletzt hieß es, die Anlage solle Ende 2022 erstmals mit Brennstoff beladen werden. Nun teilte EDF mit, der Termin seit auf das zweite Quartal 2023 verschoben worden. Ein Datum für die Inbetriebnahme wurde nicht bekannt gegeben. Bisher war Mitte 2023 als Termin dafür genannt worden, was bedeuten könnte, dass der Beginn der Stromproduktion auf 2024 verschoben wird. Das würde eine Verspätung um zwölf Jahre bedeuten.

Renaissance der Atomkraft in Frankreich: Greenpeace fordert Baustopp

Vom EPR-Typ gibt es bisher sechs Anlagen, je eine in Frankreich und Finnland sowie je zwei in China und Großbritannien. Bereits am Netz sind die Reaktoren in China und Finnland.

Als Grund für die neuerliche Verzögerung in Flamanville gab EDF an, es müssten noch mehrere Schweißnähte am Kühlkreislauf des Reaktors repariert werden. Zudem sollten die Probleme mit einem anderen EPR berücksichtigt werden. Einer der beiden Reaktoren im chinesischen Taishan musste im vergangenen Sommer wegen technischer Probleme vom Netz genommen werden. Laut EDF ging es um ein „Phänomen mechanischer Abnutzung einiger Bauteile“.

Dieses Problem sei auch bei anderen französischen AKW bereits aufgetreten und gelöst worden, es stelle den EPR-Reaktortyp nicht infrage. Greenpeace Frankreich hingegen vermutet, es handele sich um einen Konstruktionsfehler des Reaktordruckbehälters, und forderte einen Baustopp in Flamanville und eine unabhängige Bewertung der Sicherheit der EPR-Reaktoren.

Frankreich: Kosten für Atomkraftwerk steigen immer weiter

Die Kosten für Flamanville steigen laut EDF durch die weitere Verzögerung um 300 Millionen auf 12,7 Milliarden Euro. Ursprünglich waren für Flamanville 3,3 Milliarden Euro veranschlagt worden. Der französische Rechnungshof veranschlagt Flamanville sogar auf mehr als 19 Milliarden. Eine ähnliche Kostenexplosion war bei dem finnischen Co-Projekt in Olkiluoto zu verzeichnen, wo der erste EPR errichtet worden ist. Der Reaktor kostete statt 3,2 am Ende neun Milliarden Euro. Er ging im Dezember 2021 in Betrieb, nach einer Bauzeitüberschreitung von über zwölf Jahren. Macron hatte im November den Bau weiterer Atomreaktoren angekündigt, um die Stromversorgung zu sichern und Klimaschutz zu betreiben, allerdings ohne sich auf eine Anzahl festzulegen.

Für EDF haben diese und weitere Nachrichten Auswirkungen. Die Aktie des mehrheitlich in Staatshand befindlichen Stromversorgers verlor am Freitag bis zu 20 Prozent ihres Werts. Zum einen wurden Mängel an einem weiteren AKW bekannt. Zum anderen hatte Frankreichs Regierung am Donnerstag angekündigt, die Strompreise stark zu deckeln, was den Gewinn von EDF stark schmälern dürfte. (Joachim Wille)

Inzwischen ist klar, dass künftige Energiesysteme auf Basis erneuerbarer Energien der Nuklear-Option überlegen sind.

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