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Im ehemalige Salz-Bergwerk Asse wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Metallfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert.

Endlager

Die Asse als Milliardengrab

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Die Kosten für die Bergung des Atommülls aus dem ehemaligen Salzbergwerk Asselaufen aus dem Ruder. Endet das Projekt als Super-GAU? Die Analyse.

Die Asse gilt als Endlager-GAU. Das Bergwerk bei Wolfenbüttel in Niedersachsen ist das perfekte Beispiel dafür, wie man ein Atommüll-Endlager nicht bauen darf. Deswegen wurde beschlossen, den dort eingelagerten Nuklearabfall wieder herauszuholen und anderswo unterzubringen. Dass das schwierig und teuer wird, ist seit langem klar. Doch nun hat sich der Bundesrechnungshof eingeschaltet: Er warnt davor, dass alleine die Vorarbeiten bis zur Bergung mehr als fünf statt zwei Milliarden Euro kosten könnten. Das untermauert, was Kritiker längst befürchten: Die Asse wird finanziell ein Fass ohne Boden.

In das ehemalige Salz-Bergwerk wurden zwischen 1967 und 1978 rund 126.000 Metallfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert. Sie beinhalten kontaminierten Laborabfall, Bauschutt und Metallschrott, vor allem aus der AKW-Nutzung. Offiziell handelte es sich um ein „Versuchsbergwerk“, in dem die Langfrist-Lagerung des strahlenden Materials nur erprobt werden sollte. Tatsächlich wurde viele der Fässer einfach in die ausgeräumten Salzkammern abgekippt.

Zum Problemfall wurde die Asse 1988. Damals stellte der damalige Betreiber fest, dass Wasser in das Bergwerk eindringt. Bis heute hat man 350 aktive sowie derzeit wieder trockene Stellen gefunden. Das Wasser wird aufgefangen und an die Oberfläche geschafft – pro Tag im Schnitt 12,5 Kubikmeter. Ohne diese Arbeiten würde das Bergwerk absaufen. Eine Bergung der Abfälle, wie vom Bundestag 2013 beschlossen, würde unmöglich.

Der Rechnungshof sieht nun das Risiko, dass „die Gesamtausgaben für das Projekt die letztmals im Jahr 2011 geschätzten zwei Milliarden Euro erheblich übersteigen“. Die Kalkulation geht so: Bisher haben die Offenhaltung des Bergwerks und die Planung der Müll-Rückholung rund eine Milliarde gekostet. Laut der heutigen Betreibergesellschaft, der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) werden bis zum geplanten Start der Rückholung des Atommülls anno 2033 rund 3,35 Milliarden hinzukommen. Der Rechnungshof indes schätzt, dass die Kosten auch 30 Prozent höher ausfallen könnten. Die fünf Milliarden-Grenze wäre dann gerissen.

Kein Wunder, dass bei Kritikern der Praxis der Asse-Sanierung in der Region die Warnlampen angehen. Sie monieren: Es gebe kaum Fortschritte bei Vorbereitung der Rückholung, trotzdem liefen die Kosten bereits aus dem Ruder. Tatsächlich sind laut Rechnungshof-Bericht bisher nur acht Prozent des bisher eingesetzten Geldes in diesen Bereich geflossen. Der Löwenanteil ging in die Offenhaltung und Sicherung des Bergwerks. Fast sehe es so aus, als werde auf Zeit gespielt, sagte der niedersächsische Linken-Landeschef Lars Leopold. Der Verdacht: Statt der aufwendigen Entfernung der Asse-Altlasten steuere man auf eine andere, billigere Lösung zu, bei der der Müll im Bergwerk bleibt. Angesichts der Geschichte der Asse - Geheimhaltung, Trickserei, Kostenexplosion - kann man einen solchen Verdacht fast nachvollziehen.

In jedem Fall muss man darauf gefasst sein, dass die geplante Asse-Entsorgung sich am Ende tatsächlich nicht machbar entpuppt - wegen technischer und radiologischer Risiken. Der renommierte Nuklearexperte Michael Sailer hat schon 2012 gewarnt, das Projekt könne sich zur „Mission Impossible“ entwickeln. Kommt es so, ist das der Super-GAU für die Region.

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