Deutsches Gesundheitssystem

Asklepios-Kliniken wachsen

  • schließen

Unternehmen will in Digitalisierung und OP-Robotik investieren.

Kai Hankeln ist über das Umfeld alles andere als glücklich. „Die Bürokratie grassiert immer weiter, statt dass sie abgebaut wird“, sagt er, in der Hand ein DIN A4 Blatt mit einer Grafik über die Beteiligten und Regelungen im deutschen Gesundheitssystem, die Details sind selbst mit einer Lupe kaum zu erkennen.

„Die Rahmenbedingungen verschärfen sich immer weiter“, sagt der Chef von Asklepios, Deutschlands zweitgrößtem Betreiber privater Krankenhäuser. Die Strategie des Konzerns: Alle Prozesse, die digitalisiert werden können, sollen digitalisiert werden, um Ärzte und Pflegekräfte von bürokratischen Arbeiten zu entlasten und die Versorgung der Patienten zu verbessern. 44 Prozent der Arbeitszeit der Ärzte entfalle auf die Bürokratie, so Hankeln, 36 Prozent beim Pflegepersonal. Bis 2024 will Asklepios für Digitalisierung bis zu einer halben Milliarde Euro ausgeben. Insgesamt soll eine Milliarde investiert werden, in eigenes Wachstum, aber möglicherweise auch in den Kauf von Kliniken.

Ärger über Tarifforderung 

Es geht unter anderem um die digitale Patientenakte, die Entwicklung einer Plattform für online gestützte Entlassung und digitale Gesundheitsangebote etwa für die Betreuung psychiatrischer Patienten, sagte Hankeln am Mittwoch auf der Jahres-Pressekonferenz in Frankfurt. Auch die ambulante Betreuung soll intensiviert werden ebenso wie die Robotik in den Operationssälen. Die finanziellen Ressourcen dafür habe das Familienunternehmen, ist Hankeln überzeugt. 2018 kletterte der Umsatz um 4,5 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn rutschte jedoch um knapp zwölf Prozent auf 171 Millionen Euro ab. Grund dafür seien hohe Investitionen unter anderem in Digitalisierung und Abschreibungen, sagt Finanzchef Hafid Rifi. Allein in den vergangenen drei Jahren habe man knapp 900 Millionen Euro investiert, 70 Prozent davon aus eigenen Mitteln.

Zu den schwierigen Bedingungen zählt der Asklepios-Chef auch die mangelnde Unterstützung durch die Politik: „Sie lässt die Klinikbetreiber im Stich.“ Hankeln nennt aber auch „überzogene“ Tarifforderungen. In einzelnen der rund 160 Kliniken gab es in den vergangenen Tagen Protestaktionen von Beschäftigten. Hankeln betont, man wolle die rund 47 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter stärken. Die Gewerkschaft Verdi wirft dem Konzern hingegen vor, ein „aggressiver Lohndrücker“ zu sein, der die Gewinne auf Kosten der Belegschaft steigern wolle.

Hankeln würde gerne vor allem weitere Pflegekräfte einstellen. 800 habe Asklepios bereits auf den Philippinen, Indonesien und Mexiko angeworben, in eigenen Zentren ausgebildet und auf Leben und Sprache in Deutschland vorbereitet. Es handele sich um erfahrene Pflegekräfte. Allerdings sind erst 30 in Deutschland angekommen. Das liege vor allem daran, dass Visa von den deutschen Botschaften viel zu zögerlich erteilt würden. Das dauere bis zu 18 Monate. Hankeln hat das Thema mehrfach in Berlin angesprochen – bislang ohne Erfolg.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare