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Müll wird in China verladen.

Müll

Asiens Krieg gegen den Abfall

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China will unseren Müll nicht mehr annehmen und recycelt dafür den eigenen Mist – die umliegenden Länder ziehen nach. Die Analyse.

Nass, trocken, Gefahr- oder Wertstoff? Die smarten Recycling-Mülleimer in Shanghai erkennen vier grobe Kategorien und noch einige spezielle Sorten von Abfall. Die Bürger identifizieren sich mit Chipkarten, wenn sie ihren Müll einwerfen. Sie erhalten Pluspunkte, wenn sie richtig trennen, und müssen mit einer Ermahnung rechnen, wenn nicht. So sollen die 25 Millionen Einwohner der Stadt dazu erzogen werden, ihren Müll korrekt zu entsorgen.

In ganz Asien steigt derzeit das Bewusstsein für den Umgang mit Müll. Vorreiter ist China, das eine schnelle Wende vom Plastik-Sünder zum Recycling-Vorbild versucht. Der Effekt erstreckt sich jedoch auch auf die umliegenden Länder. Da China im vergangenen Jahr die Einfuhr von Plastikmüll verboten hat, müssen die südostasiatischen Staaten reagieren. Denn die internationalen Müllhändler haben sofort versucht, den nun heimatlosen Dreck dort abzuladen.

Ende Juli haben die indonesischen Behörden acht Container mit Müll zurück nach Australien geschickt. Die Fracht war als reines Altpapier deklariert, doch hinter Stapeln mit alten Zeitungen verbargen sich Elektroschrott und Plastik. Diesen hätten die illegalen Entsorger sicher irgendwo in die Landschaft gekippt. Indonesien folgt mit seiner Aktion Kambodscha, Malaysia und den Philippinen in einem strengeren Umgang mit Müllimporten.

Der Druck auf die südasiatischen Länder geht direkt auf die Politikänderung in China zurück. Während das große Land vor zwei Jahren noch fünf Millionen Tonnen Müll zur Entsorgung aus dem Ausland angenommen hat, waren es 2018 nur noch 50 000 Tonnen, berichtet die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Im gleichen Zeitraum verdreifachte sich die Müllausfuhr nach Thailand. Der Export unseres Mülls verschob sich fast schlagartig von China nach Indien, Vietnam und Indonesien.

China hatte Anfang der Achtzigerjahre begonnen, ins Geschäft mit „Recycling“ einzusteigen. Das Angebot war ein riesiger Erfolg. Die Hälfte aller Plastikabfälle des Planeten landete im Reich der Mitte. Auch deutsche Joghurtbecher reisten nach Fernost und galten damit in der Statistik als korrekt entsorgt. Die Abnehmer kippten den schlecht sortierten Müll dort zum Teil einfach auf Müllkippen. Einen Teil übernahmen auch seriöse Entsorgungsdienstleister – doch deren Kapazitäten braucht das Land nun, um den eigenen Abfall zu verwerten. Schließlich erfassen mehr und mehr Städte und Provinzen ihn jetzt sozialistisch-säuberlich getrennt.

Die chinesische Propagandamaschine hilft mit, den Bewusstseinswandel voranzutreiben. Die Aufteilung erfolgt dabei anders als in Deutschland. Die Medien verbreiten einen lustigen Merkspruch: Wenn ein Schwein es essen kann, ist es Nassmüll. Wenn nicht, ist es Trockenmüll. Wenn das Schwein es isst und dann stirbt, ist es ein Gefahrgut.

Während China so seine geringe Recyclingrate von 20 Prozent langsam erhöhen will, befindet sich Japan mit einer Rücklaufrate von 85 Prozent von Plastikflaschen an der Weltspitze. Das Land liebt Verpackungen und Einwegflaschen. Umweltschützer und Politiker fordern nun neue Gebühren für Plastiktüten aller Art.

Der Nahrungskonzern Nestle bietet die Vierzehnerpackung seines Schokoriegels Kitkat, einem Verkaufshit in Japan, nun in einer Papierhülle an. Daraus lassen sich Origami-Tiere falten. Die Kunden sind begeistert.

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