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Medikamente bei Amazon bestellen? Der Apothekenverband in Frankreich läuft dagegen Sturm.

„Dammbruch“

Arzneimittel via Amazon

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Frankreich will den Verkauf von Medikamenten über Internetplattformen zulassen.

Ein Damm breche, kommentierten Pariser Medien die diskrete Ankündigung der Regierung. Staatssekretär Olivier Dussopt teilte am Mittwoch nach einer Kabinettssitzung mit, dass der Verkauf von nicht rezeptpflichtigen Medikamenten vereinfacht werde - vor allem über den Handel via Internet: Er soll auch über „Sammelstellen“ abgewickelt werden können. Bedingung ist einzig, dass sie unter der Kontrolle eines Apothekers stehen.

Die französischen Apotheken haben schon heute das Recht, Bestellungen via Internet entgegenzunehmen und auszuführen. Die Arzneimittel müssen dabei aber physisch in der Apotheke vorhanden sein. Diese Hürde fällt nun: Die Apotheken können nach Vorstellung der Regierung auch andernorts gelagerte Produkte verkaufen, wenn sie nicht rezeptpflichtig sind.

Die Neuerung scheint auf den ersten Blick geringfügig. Für den Apothekerverband USPO öffnet sie aber Tür und Tor für die „Vermarktung des Medikamentenhandels“. Verbandsvorsteher Gilles Bonnefond befürchtet, dass sich Versandhändler wie Amazon mit Apothekerketten zusammenschließen könnten; damit entsprächen sie den gelockerten Voraussetzungen und könnten über ein zentrales Depot selber Medikamente vertreiben. Die Apotheken würden damit wie das Taxi-Geschäft „uberisiert“, das heißt von den eigentlichen Berufsträgern gelöst, meint Bonnefond.

Gesundheitsministerin Agnès Buzyn konterte am Mittwoch, es sei „absolut nicht vorgesehen“, dass Anbieter wie Amazon unter das Gesetz fielen. Es sei vielmehr für eine bessere Versorgung ländlicher Zonen gedacht; auch in Städten könne es wegen der hohen Immobilienpreise von Nutzen sein.

Der Apothekerverband will die Verabschiedung durch das Parlament – wo die Regierungspartei von Präsident Emmanuel Macron die Mehrheit hat – mit Protestaktionen verhindern. In einer internen Blitzumfrage haben sich 97 Prozent Apotheker dazu bereit erklärt.

Ihr Verband hält die Gesundheitspolitik der Regierung generell für widersprüchlich: Um den in Frankreich florierenden Verkauf von Schmerzmitteln zu vermindern, dürfen Apotheken selbige nicht mehr in der vordersten Auslage präsentieren. „Dafür soll man sie nun noch leichter im Internet kaufen können“, beklagt Verbandschef Bonnefond. Auch Supermärkte in Frankreich fordern, Arzneien verkaufen zu können. Ein Entscheid darüber ist noch nicht gefallen.

Bonnefond zufolge ist es kein Zufall, dass Amazon erst vor wenigen Monaten seine neue Abteilung „Pharmacy“ zum Verkauf von Medikamenten geschaffen hat. Das Misstrauen gegenüber der Regierung ist umso größer, als Macron 2014 – damals noch als Wirtschaftsminister – einen ersten Versuch unternommen hatte, das Monopol der Apotheken auf den Medikamentenverkauf zu brechen. Als viele Apotheken darauf einen Tag lang streikten, verzichtete er auf die Maßnahme.

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