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 Eine Frau geht mit einem kleinen Kind durch einen Tunnel am Hauptbahnhof in Hannover.
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Trotz Arbeit kaum Geld zum Leben. Besonders bei Alleinerziehenden ist das Armutsrisiko hoch. (Symbolbild)

Statistik

Armut in Deutschland: Wer trotz Arbeit zu wenig Geld hat – Millionen Menschen bedroht

  • Sophia Lother
    vonSophia Lother
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Viele Menschen sind in Deutschland von Armut bedroht – und das trotz regelmäßiger Arbeit.

  • Trotz Job von Armut bedroht – Das gilt immer noch für viele Menschen in Deutschland.
  • Wie das Statistische Bundesamt ermittelt, waren im Jahr 2019 rund 3,1 Millionen Erwerbstätige armutsgefährdet.
  • Spezifische Bevölkerungsgruppen gelten trotz Arbeit als besonders gefährdet.

Frankfurt – Armut ist in Deutschland keine Seltenheit. Trotz der wachsenden Wirtschaftskraft, gelten viele Bürger:innen als armutsgefährdet. Laut Daten des Statistischen Bundesamtes liegt die Armutsgefährdungsquote im Land bei 15 Prozent. Doch es sind nicht nur Menschen betroffen, die keine Arbeit haben, ganz im Gegenteil.

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass im Jahr 2019 acht Prozent der erwerbstätigen Menschen ab 18 Jahren als armutsgefährdet galten. Besonders besorgniserregend: Die Zahlen beziehen sich allesamt auf die Zeit vor der Corona-Krise* in Deutschland. Vor der Pandemie waren folglich bereits rund 3,1 Millionen Menschen von Armut bedroht – und das trotz Job. Bei einigen Bevölkerungsgruppen war das Armutsrisiko besonders hoch, darunter auch bei vielen Rentnern, die trotz Rente weiter arbeiten gingen.

Armut trotz Job: Wer besonders häufig gefährdet ist

Die Zahlen sind ernüchternd: Obwohl 2019 von der Corona-Pandemie und den wirtschaftlichen Folgen der Krise weit und breit noch nichts in Sicht war, galten mehr als drei Millionen Erwerbstätige als armutsgefährdet. Nach offizieller Definition droht einem Menschen dann Armut, wenn er oder sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Gesamtbevölkerung auskommen muss. Dies liegt bei Singles vor, wenn eine Person im Jahr lediglich 14.109 Euro zum Leben hat. Bei zwei Erwachsenen mit zwei Kindern unter 14 Jahren beträgt die Armutsgefährdungsgrenze laut Angaben des Statistischen Bundesamtes 29.628 Euro.

JahrSchwellenwert für Armuts­gefährdung für Alleinlebende pro Monat
2013rund 979 Euro
2015rund 1.033 Euro
2017rund 1.096 Euro
2019rund 1.176 Euro
Quelle: Statistisches Bundesamt

Mit dem Job die Rente aufbessern – 15,4 Prozent droht die Armut

Um die Frage zu beantworten, wer häufiger trotz einer regelmäßigen Arbeit von Armut bedroht ist, hat das Statistische Bundesamt seine Daten weiter aufgeschlüsselt. Aus der Auswertung geht hervor, dass im Jahr 2019 bei alleinerziehenden Menschen das Armutsrisiko besonders hoch war. 22,3 Prozent der Alleinerziehenden und damit jeder und jede fünfte, verdienten weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens in Deutschland.

Ebenfalls besonders stark betroffen sind Menschen ab einem Alter von 65 Jahren, die sich beispielsweise durch eine Arbeit ihre Rente* aufbessern wollen. 15,4 Prozent dieser Bevölkerungsgruppe waren trotz Job im Jahr 2019 armutsgefährdet. Befanden sich die Menschen bereits im Vorjahr im Ruhestand und galten als nicht erwerbstätig, sind die Zahlen des Bundesamtes sogar noch etwas höher. Von dieser Gruppe stiegt bei insgesamt 18,4 Prozent trotz Rente das Armutsrisiko.

Trotz Arbeit kaum Geld zum Leben: Befristetes Beschäftigungsverhältnis gilt als Risikofaktor

Neben den über 65-jährigen Menschen, die zumeist in Rente sind, ist auch die Gruppe der Berufsanfänger:innen und jungen Erwerbstätigen überdurchschnittlich häufig vertreten. Von den 18 bis 24-Jährigen galten 10,1 Prozent als von Armut bedroht – trotz regelmäßiger Arbeit*. Vermehrt armutsgefährdet waren im Jahr 2019 außerdem die Menschen, die allein lebten. Rund 13,5 Prozent der Menschen mit Job, die in Singlehaushalten lebten, hatten trotz Arbeit nur wenig Geld.

Zudem zeigen die Daten, dass sich die Armutsgefährdung keineswegs gleichmäßig auf die unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse verteilt. Stattdessen waren beispielsweise sogenannte atypisch Beschäftige überproportional häufig von Armut bedroht. Insgesamt 15,8 Prozent von ihnen galten als gefährdet. Unter die Gruppe mit einem atypischen Arbeitsverhältnis zählen etwa Arbeitnehmer:innen mit befristeten Arbeitsverträgen. Aber auch bei Arbeitnehmenden in Teilzeit war das Risiko hoch. Ihr Anteil lag bei 13,5 Prozent.

Besonders von Armut gefährdete Erwerbstätige (2019)
Alleinerziehende22,3 Prozent
Befristet Beschäftigte15,8 Prozent
Ab 65 Jahren15,4 Prozent
Alleine lebend13,5 Prozent
Arbeitnehmende in Teilzeit12,8 Prozent
18 bis 24-jährige10,1 Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt

Arm trotz Arbeit: Bildungsabschluss Faktor bei Armutsgefährdung

Neben der Art des Beschäftigungsverhältnisses trägt auch der Bildungsabschluss immens dazu bei, ob vom eigenen Einkommen gut gelebt werden kann oder nicht. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes sinkt die Gefahr, als arm zu gelten, mit dem Bildungsniveau. Anteilig waren Erwerbstätige, die maximal einen Realschulabschluss hatten, mehr als doppelt so häufig armutsgefährdet, als der deutsche Durchschnitt.

Beim Besuch der Oberstufe eines Gymnasiums, berufsbildender oder Weiterbildungsschulen, entsprach das Armutsgefährdungsrisiko dem deutschen Durchschnitt von acht Prozent. Auf der anderen Seite drohte Arbeitnehmer:innen mit Abitur oder einem alternativen Abschluss seltener Armut trotz Job*, ihr Anteil lag bei 4,6 Prozent.

Armutsgefährdung in Deutschland: Positiver Trend durch Corona-Krise getrübt

Im Vergleich zu 2018 (9,1 Prozent) konnte im Folgejahr das durchschnittliche Armutsgefährdungsrisiko in Deutschland bei Erwerbstätigen um gut ein Prozent gesenkt werden. Doch angesichts der Corona-Krise werden diese, zunächst positiven Nachrichten, getrübt. Denn die Wirtschaft hat in Deutschland stark unter der Pandemie gelitten. Es ist also wahrscheinlich, dass im Jahr 2020 kein positiver Trend in dieser Hinsicht zu erwarten ist. (Sophia Lother) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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