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Trump sieht sich als produktiven Zerstörer.

Analyse

Argument aus Alabama

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Peter Altmaier ist in die USA gereist. Er hofft, Trump mit einem Trick bei seinen Zollplänen gegen die EU milde zu stimmen.

Der Bundeswirtschaftsminister geht seine Amerika-Reise langsam an. Peter Altmaier stoppt drei Tage in Kalifornien und arbeitet sich erst dann nach Washington vor. Tatsächlich erwartet ihn in der US-Hauptstadt wenig, worauf er sich freuen könnte. Denn die Liste der Streitthemen ist lang. Ganz oben stehen – wie immer in den vergangenen zwei Jahren – die Handelsbeziehungen.

Derzeit sieht es so aus, als stehe neuer Ärger mit Donald Trump bevor. Ende Juni hat er einen Waffenstillstand mit Chinas Präsident Xi Jinping im Handelskrieg geschlossen. Im gleichen Zuge gab Trump zum Besten, dass die EU sein Land noch schlimmer abzocke als China. Die Aufmerksamkeit des unberechenbaren US-Präsidenten schwenkt also wieder in Richtung Europa – und damit auf Deutschland, den Hauptexporteur von Produkten wie Autos.

Als zentraler Termin der aktuellen Altmaier-Reise gilt daher das Gespräch mit Robert Lighthizer, dem Handelsbeauftragten von Präsident Trump. Dieser droht den Deutschen vor allem an zwei Fronten mit Ärger: bei der Auto- und der Flugzeugindustrie. Während des akuten Konflikts mit China in den vergangenen Wochen hatte die US-Regierung geplante Fahrzeugzölle erst einmal um ein halbes Jahr verschoben. Trump kann sie jedoch jederzeit wieder ins Spiel bringen. Als Vergeltung für die Förderung des europäischen Flugzeugbauers Airbus droht Trump wiederum mit Zöllen auf Warengruppen, von denen die USA jährlich Produkte im Wert von vier Milliarden Dollar aus der EU beziehen.

Nach zweieinhalb Jahren Trump-Präsidentschaft weiß Altmaier, dass es diesem in Handelsfragen nicht so sehr um die Umsetzung eines klaren Konzepts geht, sondern darum, Unfrieden zu stiften. Trump sieht sich als produktiven Zerstörer, der die bestehenden Verhältnisse und Sicherheiten aufmischt, um Chancen aus dem entstehenden Chaos zu ziehen. Selbst wenn die Gespräche mit dem Handelsbeauftragen und dem Handelsminister also gut laufen, wird sich Trump kaum an die Memos von den Verhandlungen gebunden fühlen. Er braucht eben Gegner, an denen er sich abarbeiten kann. Harmonie und Partnerschaft sind Gift für sein Geschäftsmodell, das auf ätzenden Anfeindungen und ständiger Bewegung beruht.

Doch Altmaier wendet auf dieser Reise einen kleinen Trick an. Wie es so schön heißt, sagen Bilder mehr als tausend Worte. Deshalb wird der Wirtschaftsminister den deutschen Beitrag zur US-Wirtschaft augenfällig verdeutlichen: Gegen Ende der einwöchigen Tour besucht er noch das Mercedes-Werk in Alabama. Das soll zeigen, wie die deutschen Anbieter vor Ort produzieren und Arbeitsplätze schaffen. Tatsächlich ist Mercedes mit der Fabrik in Alabama einer der größten Exporteure von Autos aus den USA.

Doch dieses Argument hat schon von Seiten des japanischen Herstellers Toyota nicht verfangen, der sogar noch mehr Autos in den USA baut als die Deutschen. Denn Donald Trump ignoriert einfach die Zahlen und guten Argumente und tut so, als kämen all die ausländischen Autos auf den Straßen der USA als Importe aus den Heimatländern der Hersteller. Das passt offenbar besser in sein Schema. Trotzdem ist es wichtig, dass Altmaier sich in Alabama zeigt: um Trumps politischen Gegnern Munition zu geben.

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