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Ohne den Verkauf einzelner Sparten wird die Sanierung von Arcandor wohl nicht funktionieren.

Insolvenz

Bei Arcandor wird es ernst

Die Zerschlagung des Handelskonzerns steht bevor. Der Verkauf der Reisesparte Thomas Cook gilt als so gut wie ausgemacht. Von Jutta Maier

Von Jutta Maier

Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick will die bevorstehende Zerschlagung seines insolventen Konzerns immer noch nicht wahr haben: Er würde die Kaufhaustochter Karstadt und den Versandableger Primondo mit der Hauptmarke Quelle gerne durch eine Verschmelzung von Einkauf und IT profitabler machen. Doch die Zerschlagung steht unmittelbar bevor.

Während Eick bei Investoren um Geld für sein Konzept eines integrierten Handelskonzerns wirbt, lässt der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg von Investmentbanken längst den Einzelverkauf der Arcandor-Sparten prüfen. Ein grobes Sanierungskonzept soll nach Angaben seines Sprechers in rund zwei Wochen stehen, in der ersten Novemberhälfte wird die Gläubigerversammlung darüber abstimmen. Das Insolvenzverfahren wird voraussichtlich am 1. September eröffnet.

Thomas Cook

Der Verkauf der Reisesparte gilt als so gut wie ausgemacht. Denn Thomas Cook ist die Arcandor-Sparte, die noch schwarze Zahlen schreibt und deshalb relativ problemlos zu veräußern ist. Die drei Gläubigerbanken BayernLB, Commerzbank und Royal Bank of Scotland (RBS), an die Arcandor 43,9 Prozent seines Anteils an dem Reisekonzern als Sicherheit für Kredite verpfändet hat, wollen ihr Aktienpaket möglichst bald zu Geld machen.

Die RBS teilte mit, geprüft werde ein Verkauf der Aktien am Markt oder außerhalb der Börse sowie eine Kombination beider Optionen. Weitere acht Prozent der Cook-Anteile stehen den Gläubigern einer Umtauschanleihe zu. Die Bondholder sollen am 8. August darüber abstimmen, ob ihre Anleihe gemeinsam mit den Aktien veräußert wird oder nicht. Im Paket ließe sich ein höherer Preis erzielen. Die Touristiksparte des Rewe-Konzerns hat bereits ihr Interesse an Thomas Cook angemeldet.

Primondo/Quelle

Für den Universalversender Quelle, der sich derzeit mit einem Massekredit über Wasser hält, sieht die Zukunft düster aus: Potenzielle Käufer wie Konkurrent Otto haben lediglich Interesse an Primondo-Spezialversendern wie Baby Walz, Hessnatur, Madeleine oder Elégance. Otto-Konzernchef Hans-Otto Schrader rechnet damit, dass es ein Bieterverfahren um die einzelnen Firmen geben wird.

Karstadt

So sehr sich Karl-Gerhard Eick auch dagegen sträubt: Die Metro-Gruppe, die von Anfang an darauf aus war, ihren Kaufhof-Konzern mit Karstadt zu einer Warenhaus AG zu fusionieren, gilt immer noch als heißester Kauf-Kandidat. Metro-Chef Eckhard Cordes hatte angekündigt, rund zwei Drittel der Karstadt-Warenhäuser übernehmen zu wollen.

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