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Arbeitszeiterfassung als Pflicht: Homeoffice und Überstunden – Was sich ändert

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Von: Alina Schröder

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Im Job muss die geleistete Arbeitszeit erfasst werden – das sieht ein neues Gesetz vor. Was das für Homeoffice, Überstunden und Pausen bedeutet.

Frankfurt – Im September 2022 hat das Bundesarbeitsgericht beschlossen, dass Beschäftigte in Deutschland ihre komplette Arbeitszeit aufzeichnen müssen. Demnach sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ein entsprechendes System zur Erfassung einzuführen. Das sieht Paragraf 3 des Arbeitschutzgesetzes vor.

Von der Änderung betroffen ist auch das Homeoffice, in dem sich seit der Corona-Pandemie eine Vielzahl der Arbeitnehmenden regelmäßig befindet. Doch welche Auswirkungen hat die Pflicht zur Arbeitszeiterfassung dort und wie geht es mit Überstunden, Pausen und der Vertrauensarbeit weiter? Alles Wichtige hier im Überblick.

Pflicht zur Arbeitszeiterfassung
Beschlossen vom:Bundesarbeitsgericht
Wann:13. September 2022
Was erfasst werden muss:Beginn, Pausen, Ende inkl. Überstunden

Pflicht zur Arbeitszeiterfassung: Was ändert sich jetzt im Homeoffice?

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, arbeitete beinahe ein Viertel der Angestellten im Jahr 2021 von zu Hause. Ein neuer Rekord. Viele Arbeitgeber bieten weiterhin mobiles Arbeiten sowie Homeoffice an, allerdings muss auch hier die Arbeitszeit dokumentiert werden. Die Art und Weise, wie dies vonstattengehen soll, bleibt den Arbeitgebern überlassen und erfolgt nach Absprache.

Pflicht zur Arbeitszeiterfassung: Auch die Arbeitszeit im Homeoffice muss dokumentiert werden. (Symbolbild)
Pflicht zur Arbeitszeiterfassung: Auch die Arbeitszeit im Homeoffice muss dokumentiert werden. (Symbolbild) © Uwe Anspach/dpa

Zum einen ermöglichen sogenannte Stempelsysteme und Stechuhren die digitale Erfassung. Verfügt das Unternehmen über keins dieser Systeme, können Beschäftigte beispielsweise Beginn, Pausen und Ende der Arbeitszeit in einer App oder ganz klassisch in einem Dokument sowie Blatt Papier eintragen. Darüber informiert Hermann Gloistein, Anwalt für Arbeitsrecht, gegenüber mdr.de. Die Dokumentation wird dem Arbeitgeber einsehbar zur Verfügung gestellt, unterliegt aber den strengen Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO).

Zahlreiche Beschäftigte häufen pro Woche Überstunden an. Auch diese müssen jetzt erfasst werden. (Symbolbild)
Zahlreiche Beschäftigte häufen pro Woche Überstunden an. Auch diese müssen jetzt erfasst werden. (Symbolbild) © Emma Innocenti/Imago

Arbeitszeiterfassung für Beschäftigte: Ist Vertrauensarbeitszeit noch möglich?

Zuletzt ging der Trend in Richtung Vertrauensarbeitszeit. Das bedeutet, dass grundsätzlich die Erledigung bestimmter Aufgaben im Vordergrund steht und weniger die Arbeitszeit. Festgelegt wird dieses Modell im Arbeitsvertrag. Arbeitnehmende können dadurch eigenverantwortlich, häufig auch im Homeoffice, ihrer Tätigkeit flexibel nachgehen, ohne kontrolliert zu werden. Viele Beschäftigte fragen sich durch die Einführung der Pflicht zur Arbeitszeiterfassung nun, ob diese Art der Arbeit überhaupt noch möglich ist. Doch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales beantwortet das mit einem deutlichen Ja.

„Eine Dokumentation der Arbeitszeit steht einer solchen Vereinbarung nicht im Wege“, heißt es auf der Website des Ministeriums. Die neuen Vorgaben des öffentlich-rechtlichen Arbeitszeitschutzes dienen demnach lediglich der „Sicherheit und dem Gesundheitsschutz [...] und sind auch bei Vertrauensarbeitszeit heute schon einzuhalten.“

Arbeitszeiterfassung ist Pflicht: Überstunden und Pausen

Einer Analyse der Agentur Compensation Partner zufolge arbeiten über die Hälfte aller Angestellten in Deutschland mehr, als vertraglich vereinbart. Demnach kommen sie im Schnitt auf rund drei Überstunden pro Woche, die bei fehlender Dokumentation oftmals nicht ausgeglichen werden. Das könnte sich jetzt aber durch die neue Rechtssprechung zur Erfassung der Arbeitszeit ändern. Sofern der Arbeitsvertrag keine etwaige Regelung für Überstunden vorsieht, müssen diese bezahlt oder abgebaut werden. Das regelt das Arbeitszeitgesetz. Die Arbeitszeiterfassung hilft Beschäftigten also dabei, von diesem Recht Gebrauch machen zu können.

Neben Beginn und Ende der Beschäftigung, müssen zudem Pausen registriert werden. Dazu zählen auch Raucherpausen. Diese gehören schließlich nicht zur Arbeitszeit und werden daher nicht vergütet – es sei denn, dies wurde im Vertrag festgelegt.

Arbeitszeiterfassung: Wer ist von der neuen Regelung ausgenommen?

Ausgenommen von der Erfassung der Arbeitszeit scheinen leitende Angestellte. Diese sind auch vom deutschen Arbeitszeitgesetz nicht betroffen. Das ist jedoch noch nicht endgültig geklärt: Das Bundesarbeitsgericht hat mit der Einführung der Pflicht das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bekräftigt. Der europarechtliche Arbeitnehmerbegriff umfasst wiederum auch leitende Angestellte und geschäftsführende Personen. Darüber hinaus sind laut Arbeitszeitrichtlinie Personen von der Regelung ausgenommen, deren Arbeitszeit aufgrund besonderer Merkmale nicht bemessen und vorherbestimmt werden kann. Darunter fallen beispielsweise Ärztinnen und Ärzte in einem Krankenhaus. (asc)

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