+
Kfz-Mechatroniker sind gefragt. Azubis haben daher gute Chancen, nach dem Ende der Ausbildung übernommen zu werden.

Arbeitsmarkt

Punktsieg für die Beschäftigten

  • schließen

Der Anteil der Arbeitnehmer am Volkseinkommen ist so stark gestiegen wie seit sechs Jahren nicht mehr. 

Die Beschäftigten haben im vergangenen Jahr einen Erfolg verbucht: Sie haben im Ringen um die Verteilung der Früchte der Arbeit kräftig gepunktet. Ihr Anteil am Volkseinkommen ist gestiegen, die Unternehmen und Kapitalgeber mussten zurückstecken. Die unbereinigte Lohnquote legte um 1,1 Punkte auf 69 Prozent zu, wie aus dem Monatsbericht April des Bundesfinanzministeriums hervorgeht. Das ist der mit Abstand stärkste Anstieg seit sechs Jahren.

Die Bedeutung der Lohnquote wird deutlich, wenn man sie umrechnet in die Milliardenbeträge, um die es bei der Verteilung des Volkseinkommens geht. Diese summierte sich im vergangenen Jahr auf 2531,3 Milliarden Euro. Wenn die Arbeitnehmer also 1,1 Punkte hinzugewinnen, dann bedeutet das für sie ein zusätzliches Einkommen von 27,6 Milliarden Euro. Das sind – im Durchschnitt – 686 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer.

Die Verteilung des Volkseinkommens ist viele Jahre lang zuungunsten der Beschäftigten ausgegangen. Lag die unbereinigte Lohnquote in den 1990er Jahren im Durchschnitt bei 70,5 Prozent, so erreichte sie zur Jahrtausendwende mit 71,9 Prozent ihren Höchststand nach der Wiedervereinigung, um hernach abzufallen. 2007 fiel sie mit 63,6 Prozent auf ihren Tiefpunkt.

Dieser Niedergang war Ausdruck einer geschwächten Verhandlungsposition der Beschäftigten. Die hatte vielfältige Gründe: Die Globalisierung führte zu Standortkonkurrenz mit schlecht bezahlten Arbeitnehmern. Im Inland stärkte die hohe Arbeitslosigkeit und damit die große Kandidatenauswahl in Bewerbungsprozessen die Arbeitgeber. Auch die Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder wirkten sich zuungunsten der Beschäftigten aus. Die Erosion der Tarifbindung und strukturelle Umbrüche in der Wirtschaft erschwerten es den Gewerkschaften, die Beschäftigten zu mobilisieren und mit Arbeitskämpfen höhere Löhne zu erzwingen. 

Eine Untersuchung der Westfälischen Hochschule hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass den Beschäftigten so über die Jahre 1,39 Billionen Euro an Einkommen entgangen sind. Dazu hat der Studienautor berechnet, mit wie viel Geld die Arbeitnehmer hätten rechnen können, wenn die Lohnquote auf dem Niveau der Jahrtausendwende verharrt wäre. Führt man diese Rechnung fort, summiert sich der Verlust inzwischen auf 1,46 Billionen Euro. Schließlich liegt die derzeitige Lohnquote noch immer deutlich unter dem alten Höchststand – und auch unter dem Niveau der 1990er Jahre.

Der mehrjährige Konjunkturaufschwung hat nun die Beschäftigten wieder deutlich gestärkt. Die Unternehmen haben kräftig Personal eingestellt, die Zahl der Erwerbstätigen ist auf ein Rekordhoch geklettert und das Reservoir an noch verfügbaren Arbeitskräften ist geschrumpft.

Die Knappheit stärkt die Beschäftigten in den Lohnverhandlungen, da die Firmen nicht nur im Einstellungsgespräch bessere Konditionen bieten, sondern auch das vorhandene Personal bei Laune halten müssen. Die steigenden Gewinne der Unternehmen haben die Gewerkschaften zudem wieder hungriger gemacht: Sie gehen mit ambitionierteren Zielen in die Tarifverhandlungen als früher.

Die Nominallöhne stiegen im vergangenen Jahr um 3,1 Prozent, was der kräftigste Anstieg seit 2011 war. Nach Abzug der Preissteigerungen blieben real 1,3 Prozent mehr im Geldbeutel übrig, was manche Volkswirtschaftler angesichts der guten konjunkturellen Lage immer noch für zu wenig halten.

Von der höheren Lohnsumme haben die Beschäftigten unterschiedlich stark profitiert. Im produzierenden Gewerbe stiegen die Stundenlöhne um 3,1 Prozent, bei wirtschaftlichen Dienstleistungen wie Logistik, Information oder Versicherungen um 3,2 Prozent und bei öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen wie Verteidigung, Verwaltung, Erziehung oder Gesundheitswesen um 2,8 Prozent.

Die Frauen konnten ihre Bruttostundenlöhne um 3,1 Prozent steigern, die Männer um drei Prozent – wobei der Verdienstabstand zwischen den Geschlechtern bei 21 Prozent bleibt. Im Westen stiegen die Löhne um drei Prozent, im Osten um 3,6 Prozent. Gemessen an der Qualifikation hat sich die Lohnschere zwischen unten und oben weiter geöffnet. Arbeitnehmer in leitender Stellung konnten ihre Bruttostundenverdienste um 1,21 auf im Durchschnitt 46,30 Euro steigern. Angelernte Arbeitnehmer kamen nur auf ein Plus von 42 Cent auf 13,47 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare