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Arbeitsmarkt: In Europa endet der Boom

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Die Arbeitslosigkeit ist zügig gefallen, doch das Tempo lässt sich nicht halten, so Ökonomen.

Nicht nur in Deutschland nehmen die Ungewissheiten hinsichtlich der künftigen Entwicklung des Arbeitsmarktes zu, sondern auch im europäischen Ausland. Dort könnte eine der längsten Aufschwungphasen der Geschichte zu einem Ende kommen, wie die Arbeitsmarktforscher der DZ Bank in einer aktuellen Studie erwarten. „Ein Ende der Erholungsphase scheint allmählich in Sicht zu sein“, heißt es darin. Der von ihnen berechnete Indikator für die Arbeitslosenquote im Euro-Raum deute seit Monaten eine merkliche Verlangsamung des Abbaus der Arbeitslosigkeit an.

Die Arbeitslosigkeit in den Ländern mit dem Euro als Währung ist infolge der Finanz- und Staatsschuldenkrise ab 2009 erheblich gestiegen. Deutschland hat damals mit der massiven Ausweitung von Kurzarbeit und staatlicher Nachfragestützung der Krise entgegengewirkt und auf diese Weise Massenentlassungen verhindert. Auf europäischer Ebene drängte die Bundesrepublik hingegen darauf, dass die von der Staatsschuldenkrise betroffenen Länder eisern sparen, was dort zu sozialen Verwerfungen führte. Die Arbeitslosenquote für den Euro-Raum stieg in der Folge von rund 7,5 Prozent auf mehr als zwölf Prozent. Inzwischen hat sie das Vorkrisenniveau wieder erreicht – allerdings bei einer Erosion der Beschäftigungsqualität, etwa durch die gezielte Aushebelung von Tarifvertragssystemen.

Eine „beispiellose Arbeitsmarktrallye“

In großen Euro-Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien war die Erholung des Arbeitsmarktes bis zuletzt intakt, auch wenn sie mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten vorangeht. In Spanien ist die Erholung besonders kräftig. Die DZ-Bank-Experten sprechen von einer „beispiellosen Arbeitsmarktrallye“ infolge des Aufschwungs der Wirtschaft auf der iberischen Halbinsel. Inzwischen gäbe es sogar spanische Betriebe, die einen Mangel an Fachkräften beklagten. Frankreich und Italien könnten hingegen nicht mit der Entwicklung des Arbeitsmarktes im Euro-Raum mithalten. Besonders kräftig hätten in den vergangenen Jahren Deutschland, Belgien und die Niederlanden ihre Arbeitslosigkeit abbauen können.

„In den meisten Euroländern wurde der Schwellwert für die sogenannte Sockelarbeitslosigkeit unterschritten“, schreiben die DZ-Bank-Forscher. Mit der Sockelarbeitslosigkeit ist der Teil der Arbeitslosen gemeint, die es aus vielerlei Gründen besonders schwer haben, einen Arbeitsplatz zu finden. Dieser Faktor in Kombination mit einem allmählichen „Ende des aktuellen Konjunkturzyklus“ werde dazu führen, dass der Beschäftigungsaufbau sich in den kommenden Monaten verlangsam werde. Mit einem abrupten Ende oder gar einer steigenden Arbeitslosigkeit rechnen die Ökonomen aber nicht. 

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