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Im Frankfurter Ostend entsteht die neue EZB. Nahe der Bustelle warten jeden Morgen Männer, die nach Arbeit suchen. (Archivbild)
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Im Frankfurter Ostend entsteht die neue EZB. Nahe der Bustelle warten jeden Morgen Männer, die nach Arbeit suchen. (Archivbild)

Jobs

Auf dem „Arbeiterstrich“

  • Pitt von Bebenburg
    VonPitt von Bebenburg
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Weil sich viele Menschen nichts darunter vorstellen können, was Leiharbeit und Niedriglohn-Arbeit bedeutet, gibt der DGB anschauliche Beispiele - unter anderem vom "Arbeiterstrich" in der Nähe der EZB-Baustelle in Frankfurt.

Weil sich viele Menschen nichts darunter vorstellen können, was Leiharbeit und Niedriglohn-Arbeit bedeutet, gibt der DGB anschauliche Beispiele - unter anderem vom "Arbeiterstrich" in der Nähe der EZB-Baustelle in Frankfurt.

Der 34-jährige Rumäne Ionusz nimmt jeden Job an, der ihm in Frankfurt angeboten wird. Trockenbau, Laminat verlegen, Holzarbeiten. In der Hoffnung auf einen Job für ein paar Tage steht er morgens wie viele andere Männer im Frankfurter Ostend nahe der Baustelle für die Europäische Zentralbank (EZB).

Von Ionusz und dem „Arbeiterstrich“, an dem er seine Fähigkeiten anbietet, erzählen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hessen-Thüringen und die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) Hessen sehr anschaulich in einer Broschüre, die sie am Donnerstag vorstellten. Berichtet wird von den Bauunternehmern, die sich die Billiglöhner an der Sonnemannstraße holen, und von den Kämpfen, die die Arbeitswilligen teilweise blutig ausfechten, wenn ein Job winkt.

Viele Menschen könnten sich gar nichts darunter vorstellen, wenn in der politischen Debatte über Leiharbeiter und Niedriglöhner gesprochen werde, sagte die hessische FES-Büroleiterin Nicole Nestler. „Es braucht Beispiele, damit Bürgerinnen und Bürger einen Eindruck bekommen, was schlechte Arbeit heißt“, beschreibt sie das Heft. Die Stiftung wolle es etwa für die Bildungsarbeit mit Schülern nutzen.

DGB: Werkverträge melden

Von der „Not der Beschäftigten, die ausgenutzt wird von vielen skrupellosen Unternehmern“ spricht auch Mihai Balan. Der Soziologe berät Betroffene in den Anlaufstellen des Europäischen Vereins für Wanderarbeiterfragen. Viele Ausländer, die Werkverträge abschlössen oder als „formal Selbstständige“ für Aufträge in Deutschland angeworben würden, fänden sich „in Ausbeutungsverhältnissen“ wieder, sagt er. Innerhalb eines Jahres hätten etwa 900 Menschen deshalb Rat bei seinem Verein gesucht. Dabei gebe es nicht nur viele Fälle am Bau, sondern auch in der Fleischwirtschaft, der Pflege, bei Paketzustellern oder der Industrie. Immer wieder komme es vor, „dass Unternehmer einfach abhauen mit den Löhnen“, so Balan.

Der Fachmann forderte daher genau so wie der DGB-Bezirksvorsitzende Stefan Körzell, dass Werkverträge gemeldet werden müssten. Bisher gebe es nur Schätzungen, die auf etwa 600 000 solcher Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland hinausliefen. Genaue Zahlen besitze niemand – während etwa in Österreich eine Meldepflicht bestehe. Körzell bekannte sich zum Ziel, „atypische Beschäftigung in allen Bereichen zurückzudrängen“. Der statistische Rückgang prekärer Arbeit 2012 sei zu begrüßen. Allerdings würden die Werkverträge dabei mangels Zahlen nicht berücksichtigt.

Rückendeckung erhielt der DGB von SPD und Linken. Die Bau-Gewerkschafterin Bärbel Feltrini, die in einer SPD-geführten hessischen Regierung als Arbeitsministerin vorgesehen ist, sagte: „Die Beispiele in dem Buch belegen, dass es Dumpinglöhne gibt, die schlicht menschenverachtend sind.“ Politik müsse eingreifen.

Hessens Linken-Fraktionschefin Janine Wissler sagte, ihre Partei unterstütze die Ziele der Gewerkschaften, „den Arbeitsmarkt so zu regulieren, dass gute Arbeitsbedingungen für alle gelten und Leiharbeit und Lohndumping bekämpft werden“.

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