1. Mai

Arbeit muss flexibler werden

  • Annelie Buntenbach
    vonAnnelie Buntenbach
    schließen

Wir sollten die Chancen nutzen, die die Digitalisierung bietet und mehr Flexibilität für die Beschäftigten ermöglichen. Schließlich gibt es großen Nachholbedarf.

Smartphone und Tablet machen’s möglich: Ob Zuhause, im Zug oder Café – für viele ist mobiles Arbeiten längst eine Selbstverständlichkeit. Die digitale Vernetzung der Lebens- und Arbeitswelt verspricht neue Freiheiten. Der Arbeitstag wird flexibler. Gerade für junge Beschäftigte ist der „nine-to-five-Job“ ein Relikt vergangener Tage. Zweifellos eine neue Chance, um Arbeit und Privatleben besser unter einen Hut zu bekommen. Erwartet uns also eine schöne neue Arbeitswelt?

Wir sollten die Chancen nutzen, die die Digitalisierung bietet und mehr Flexibilität für die Beschäftigten ermöglichen. Schließlich gibt es großen Nachholbedarf. Zeit ist zu einem hohen Gut geworden. Mehr Zeit für Kinder, die Pflege von Verwandten, Weiterbildung und Erholung – das ist keine Lappalie, sondern ein Grundbedürfnis, das immer wichtiger wird. Das wiederum liegt auch an der Arbeit. So müssen wir seit Jahren feststellen, dass eine Mehrheit der Beschäftigten gehetzt arbeitet, immer mehr in der gleichen Zeit schaffen muss und länger arbeitet, als eigentlich vereinbart ist – trotz oder gerade wegen der neuen, digitalen Möglichkeiten. Arbeit ist der Stressfaktor Nummer Eins und führt immer öfter zu ernsthaften Erkrankungen wie Burn-out.

Womit wir zum springenden Punkt kommen: Entscheidend ist, was in welcher Zeit geleistet werden muss und wer darüber entscheidet. Das Problem ist oft, dass die Ziele von oben diktiert werden und die Latte jedes Mal ein bisschen höher gelegt wird. Wenn nur noch das Ergebnis zählt und Zielvorgaben unerreichbar sind, schützen auch flexible Arbeitszeiten nicht vor Stress und Überforderung. Dann zieht sich der Arbeitstag schnell bis in die Nacht. Deshalb braucht auch mobile Arbeit Grenzen. Dafür müssen die Beschäftigten vor allem mitbestimmen können, welche Ziele wann und wie am besten erreichbar sind. Das schafft tatsächliche Spielräume für gute Arbeit.

Und wenn wir an mehr Flexibilität denken, dürfen diejenigen nicht vergessen werden, deren Arbeit an feste Zeiten und Orte gebunden bleibt: Zum Beispiel brauchen auch der Krankenpfleger oder die Erzieherin die Möglichkeit, die Arbeitszeit ihren persönlichen Bedürfnissen anzupassen. Die Arbeit der Zukunft muss also gestaltet werden – digital und analog.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare