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Apple wartet auf neue Innovationen

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Nicht viel Neues in der Hand: Apple-Chef Tim Cook bei einer früheren iPhone-Präsentation.
Nicht viel Neues in der Hand: Apple-Chef Tim Cook bei einer früheren iPhone-Präsentation. © rtr

Apple präsentiert in dieser Woche das neue iPhone – doch mit der Dominanz bei Smartphones ist es wohl vorbei. Die Branche sucht nach bahnbrechenden Neuerungen.

Jetzt reden immer mehr Experten von der Post-Smartphone-Ära. Ist das nicht übertrieben? Schließlich wird in der Welt der Mini-Computer, die es seit 20 Jahren gibt, demnächst etwas Neues erwartet. Apple präsentiert am Mittwoch die siebte Version seines iPhones. Doch was bislang an Neuerungen bekannt ist, hört sich nicht gerade revolutionär an. Die Äußerlichkeiten werden sich kaum verändern. Die gewöhnlich gut informierten Analysten und Journalisten in den USA berichten übereinstimmend, dass es bei zwei Modellen mit einem 4,7- und einem 5,5-Zoll großen Bildschirm bleiben wird. Auf der Rückseite dürfte es zumindest beim größeren Gerät bald eine neue Doppelkamera geben, die für schärfere Bilder bei ungünstigen Lichtverhältnissen sorgen soll.

Der maximale Speicherplatz soll mit 256 Gigabyte verdoppelt werden. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird in dem Gerät ein neuer Prozessor werkeln, der seine Arbeit noch schneller als seine Vorgänger erledigen wird. Der Home-Button wird kein mechanischer Knopf mehr sein, sondern nur noch eine Fläche unten auf dem Display, die auf Druck reagiert.

Immerhin gibt es aber zumindest ein Thema, das in diversen Blogs mit Leidenschaft diskutiert wird: Der analoge Kopfhörerausgang mit der 3,5-Millimeter-Klinke wird wohl verschwinden. Das schafft Platz für einen zweiten Lautsprecher. Kopfhörer werden dann entweder kabellos über Bluetooth funktionieren oder über den Eingang fürs Ladekabel an das Gerät angeschlossen.

All das hat wenig mit den Forderungen von Branchenkennern zu tun, die von Apple-Chef Tim Cook etwas Bahnbrechendes fordern – zumindest, dass das iPhone künftig wasserdicht ist. Etwas ganz Neues könnte denn auch die Nachfrage nach dem Gerät, das 2007 den Smartphone-Boom auslöste und für zwei Drittel der Apple-Umsätze steht, wieder steigern. Denn nach neun Jahren mit kontinuierlich wachsenden Absatzzahlen, werden die Verkäufe 2016 wohl erstmals hinter denen des Vorjahres zurückbleiben.

Die Lage des Pioniers Apple, der mit der Touchscreen die Grundform des Smartphones definierte, ist indes symptomatisch für die Branche. Zwar steigt der Absatz weltweit noch immer. Doch die Zuwachsraten nehmen stetig ab. Im zweiten Quartal wurden nach Berechnungen des US-Marktforschers Gartner noch 344 Millionen Geräte verkauft. Das sind zwar rund vier Prozent mehr als im Vorjahr. Das Plus wird aber ausschließlich von der hohen Nachfrage in Schwellenländern getragen. In den Industriestaaten ging der Absatz zwischen April und Juni nach Angaben von Gartner-Analyst Anshul Gupta um fast fünf Prozent zurück.

Ben Bajarin vom US-Marktforschungsunternehmen Creative Strategies sieht denn auch im Smartphone-Geschäft eine Sättigungsgrenze nahen. Rund zwei Milliarden Menschen seien inzwischen weltweit mit den Mini-Computern ausgestattet. Für die Kunden gehe es immer mehr um Ersatzbeschaffungen statt um den Kauf neuer innovativer Produkte. Das hat mit der technischen Entwicklung zu tun. Brandneue Hardware sei erst einmal nicht zu erwarten, stattdessen würden viele Komponenten evolutionär verbessert und verfeinert, so Bajarin.

Das erinnert an das Schicksal des PC. Vor gut fünf Jahren verlangsamte sich die technologische Entwicklung. Es war nicht mehr nötig, in recht kurzen Abständen immer neue Geräte zu kaufen, um die wichtigen Anwendungen laufen zu lassen. Seither geht es kontinuierlich mit den Absatzzahlen nach unten – was Unternehmen wie HP und Microsoft in tiefe Krisen gestürzt hat.

Künstliche Intelligenz im Fokus

Droht den Smartphone-Herstellern mit Samsung und Apple als Marktführer nun ein ähnliches Schicksal? Cook will davon nichts wissen. Schließlich sei das Smartphone inzwischen fürs Leben der Menschen essenziell, sagte er kürzlich. Doch fast alle Marktforscher erwarten früher oder später eine Stagnation, die in jedem Fall verschärfte Konkurrenzkämpfe mit sich bringt. Das ist schon jetzt deutlich zu spüren. Vor allem chinesische Hersteller wie Huawei, Oppo oder Xiaomi erringen bereits mit günstigen und leistungsstarken Geräten heftig Marktanteile – worunter vor allem Apple leidet. Der iPhone-Absatz ging in der Volksrepublik im zweiten Quartal um ein Viertel zurück. Für Bajarin zeigt alle dies, dass der historische Moment für eine Art Paradigmenwechsel gekommen ist. Im Fokus stünden nicht mehr die Geräte, sondern das, was „Hardware, Betriebssysteme und Apps möglich machen“. Entscheidend sei, was auf dem Fundament dieser Plattformen aufgebaut werde.

Im Fokus von Hightech-Managern steht aktuell die künstliche Intelligenz (KI). Es ist bestimmt kein Zufall, dass Apple kürzlich den KI-Firma Turi für 200 Millionen Dollar gekauft hat. Was mit Sprachassistenten für Smartphones einst begann, soll künftig das übliche Sortiment von Apps ersetzen. Der Nutzer sagt seinem digitalen Assistenten, dass er morgen nach Rom fliegen will. Und das digitale Helferlein bucht automatisch die Flüge, mietet vielleicht sogar noch einen Wagen und erinnert daran, wenn es Zeit ist, zum Flughafen aufzubrechen.

Doch diese Funktion ist nicht mehr an ein Smartphone gebunden. Google etwa hat kürzlich ein Gerät vorgestellt, das Google Home heißt. Es sieht aus wie eine Mischung aus einer Blumenvase und einer Lautsprecherbox und soll bald im Wohnzimmer den Alltag der Bewohner organisieren – von der Regelung der Zimmertemperatur bis zur Hausaufgabenhilfe für die Kinder. Die schlaue Vase soll aber auch die Bedürfnisse der Nutzer erkennen und beispielsweise vorschlagen, wann eine gute Gelegenheit zum Wäschewaschen (wegen günstiger Strompreise) oder für den Kauf eines neuen Autos (wegen eines Rabatts auf den Wunschwagen) ist.

Marktforscher trauen indes dem Bereich Gesundheit und Fitness das größte Wachstum bei den KI-Anwendungen zu. Was mit Apps fürs Joggen begann, kann zu komplexen Fitness- und Therapieprogrammen ausgebaut werden, die ständig aufgrund der aktuellsten Ergebnisse der Nutzer aktualisiert werden – schließlich werden ständig Daten über Herzfrequenz, Atmung und andere Vitalfunktionen erhoben. Auch dafür braucht es nicht unbedingt Smartphones. Das können künftig auch schlaue Armbanduhren machen oder Geräte, die eine Mischung aus Kopfhörer und Hörgerät sind und die sich der Nutzer ins Ohr steckt. Apple jedenfalls hat in jüngster Zeit mehrere ausgewiesene Fachleute für digitale Gesundheitsanwendungen angeheuert.

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