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Apple-Jünger in ihrem Element.

Iphone-Hersteller Apple

Apple setzt auf Größe

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Apple muss darum kämpfen, auf dem Smartphone-Markt nicht abgehängt zu werden. Dafür will das Unternehmen aus Cupertino mit verschiedenen Modellen so viele Konsumenten wie möglich erreichen.

Für den deutschen Markt wurde einst die Bezeichnung Handy erfunden. Handy bedeutet so viel wie handlich. Ein Mobilfunkgerät mit einer Bildschirm-Diagonale von 15,2 Zentimeter ist aber nicht mehr wirklich handlich. Gleichwohl sind Geräte dieser Dimension insbesondere bei Nutzern in Asien beliebt. Deshalb kommt das neuen Top-Gerät von Apple im Gardemaß daher, das iPhone XS Max.

Das Gerät liegt knapp über den Konkurrenzprodukten von Samsung und Huawei. Apple verfolgt mit der Novität, die zum Weihnachtsgeschäft weltweit in die Läden kommen soll, eine bewährte Strategie: Größer, teurer, leistungsstärker. Das soll die Absatzzahlen wieder in die Höhe schieben. Denn Apple hat ein Problem: Das Wachstum auf dem Gerätemarkt verlangsamt sich zusehends. Zuwächse gibt es vor allem noch in China. Doch da war Apple zuletzt ziemlich bescheiden unterwegs. Das schlug auch auf den globalen Absatz durch, der im zweiten Quartal bei 44,7 Millionen Geräten stagnierte. Huawei, die neue Nummer zwei in der Mobilfunkwelt, ist mit einem Vorsprung von rund fünf Millionen verkauften Smartphones an den Amerikanern vorbeigezogen.

Apple muss mehr Leistung und Qualität bieten

Rückblick: Vor einem Jahr wurde das iPhone X präsentiert. Branchenkenner waren skeptisch, ob es an den Mann und an die Frau gebracht werden kann – wegen seines stolzen Preises jenseits der 1000-Euro-Marke. Aber das Gerät verkaufte sich zunächst erstaunlich gut. Doch bald ging es umso steiler bergab. Die Nachfrage nach dem iPhone X sei schneller zurückgegangen als bei Vorgängermodellen, konstatiert Anshul Gupta vom Marktforschungsunternehmen Gartner. Als Grund dafür nennt er die chinesischen Konkurrenten, die ein günstigeres Preis-Leistungsverhältnis böten. Allen voran Huawei. Aber auch Xaomi kommt immer näher. Apple sei massiv unter Druck geraten, mehr Leistung und Qualität zu bieten, so Gupta.

Das XS Max soll die Antwort sein. Wobei die Strategen des US-Konzerns offensichtlich davon ausgehen, dass ein noch deutlich höherer Preis durchsetzbar ist, wohl auch weil Riesen-Mobiltelefone mehr denn je Statussymbole sind. Das neue Spitzenmodell soll jedenfalls mit seinem üppigen 512-Gigbyte-Speicher, seinem hochwertigen Bildschirm aus organischen Leuchtdioden und seinem schnelleren Prozessor knapp 1650 Euro kosten. Nach der Nomenklatur der Branche handelt es sich um ein Phablet, eine Mischung aus einem Smartphone und einem Tablet. Phablets ersetzen zunehmend nicht nur Tafel-Computer, sondern auch Laptops. So macht der neue iPhone-Prozessor namens A12 Funktionen möglich, die es bislang nur auf veritablen Computern gab.

Apple agiert mehrgleisig

Doch Cook und seine Kollegen agieren mehrgleisig. Sie schicken zudem die kleineren Modelle XS und XR ins Rennen. Letzteres ist ein abermaliger Versuch, eine zweite, billigere Gerätekategorie durchzusetzen. Das XR soll deutlich weniger als 1000 Euro kosten, ist dafür aber nur mit einem LCD-Display und einer einfacheren Kamera ausgestattet. Man wolle so viele Konsumenten wie möglich erreichen, sagte Cook bei der Präsentation der neuen Geräte in der Nacht zum Donnerstag. Dahinter steckt, dass Apple auch versucht, seine Nutzerbasis zu verbreitern.

Auch das hat mit dem verlangsamten Wachstum auf dem Gerätemarkt zu tun. Noch erwirtschaftet Appel zwei Drittel der Erlöse mit iPhones. Doch Cook hat schon vor geraumer Zeit erklärt, dass er die Abhängigkeit von Hardwareverkäufen verringern und das Service-Geschäft ausbauen will. Etwa mittels des Abo-Dienstes iCloud, mit dem Daten in großen Mengen gespeichert werden können oder mit dem Streaming-Portal Apple Music. Cook konnte denn auch in der jüngeren Vergangenheit enorme Zuwächse im Service-Geschäft verkünden. Von Börsianern gab es dafür Applaus. Apple war vor einigen Wochen der erste Konzern, der einen Börsenwert von 1000 Milliarden Dollar überschritt.

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