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Apple bricht alle Rekorde

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Nutzer behalten ihre Smartphones immer länger, bevor sie ein neues Gerät kaufen. Doch darauf hat sich der iPhone-Konzern mittlerweile eingestellt. Die Analyse.

Kommt nach dem Rückschlag gleich der nächste Boom? Vieles spricht dafür, dass es im Geschäft mit den Smartphones in diesem Jahr wieder nach oben geht – trotz Fährnissen durch den Coronavirus. Hauptprofiteur könnte Apple werden. Der iPhone-Konzern hat im Weihnachtsgeschäft schon einmal alle Rekorde gebrochen.

Rund 22 Milliarden Dollar, das entspricht 20 Milliarden Euro: So hoch waren nicht die Einnahmen, sondern die Profite, die Apple in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres eingefahren hat. Ein Umsatz von 56 Milliarden der insgesamt knapp 92 Milliarden Dollar (plus neun Prozent) wurde dabei allein mit dem iPhone erzielt. Apple hat es mit seinem Smartphone abermals geschafft, die Erwartungen der Branchenexperten zu übertreffen. Als Hauptgrund nennen diese nun den Erfolg des neuen iPhones 11, das mindestens 799 Euro kostet.

Mit den aktuellen Geschäftszahlen werden Kritiker widerlegt, die mutmaßten, dass der US-Konzern es mit seiner neuen Handy-Generation in punkto Preis überzogen hat. Allerdings kommt dem Unternehmen auch eine jähe Renaissance zugute. Noch 2019 sah es weitgehend finster aus. Die Verkäufe gingen nach Berechnungen der US-Beratungs- und Marktforschungsfirma Gartner auf das Gesamtjahr gerechnet erstmals seit 2008 zurück, und zwar um zwei Prozent auf rund 1,52 Milliarden Geräte. Hauptgrund: Nutzer behalten ihre Mini-Computer mit Telefonfunktion immer länger, das führte im vorigen Jahr zu einem Überangebot.

Doch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft setzte eine Art iPhone-11-Effekt ein. Das war offensichtlich schon ein Vorbote für die Trendwende. Gartner-Expertin Annette Zimmerman geht davon aus, dass der weltweite Markt 2020 um drei Prozent zulegt. 1,57 Milliarden Mobiltelefone sollen dann abgesetzt werden. „Wir gehen auch davon aus“, so Zimmermann, „dass Nutzer, die ihre Smartphone-Käufe in Erwartung von Preissenkungen bis 2020 verschoben haben, wieder Geräte kaufen werden.“ Hinzu komme, dass die neue Übertragungstechnik 5G in weiteren Ländern eingeführt werde, was neue Nachfrage erzeugt.

Apple wird sein 5G-Phone wohl im September präsentieren. Schon ab März will das Unternehmen eine neues Billig-Modell offerieren, das neue Kunden anlocken und die wachsende Nachfrage nach Mobiltelefonen mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis bedienen soll. Das Management kalkuliert für die ersten drei Monate mit einem Gesamtumsatz von 63 bis 67 Milliarden Dollar. Damit werden Erwartungen der Analysten abermals deutlich übertroffen. Und Beschränkungen durch den Coronavirus sind da schon berücksichtigt.

Die forschen Vorgaben werden von einer neuen Strategie getragen. Das Management hat erkannt, dass die Nutzungszyklen der iPhones länger werden – drei bis fünf Jahre werden inzwischen einkalkuliert. In der Zwischenzeit sollen die Nutzer verstärkt für Dienste wie iCloud und Apple Music bezahlen und möglichst viele Accessoires wie die iPod-Kopfhörer kaufen. Apple kann sich dabei auf eine globale Nutzungsbasis von etwa 1,5 Milliarden Geräten verlassen. Und beim Handy-Kauf kommt ein „Lock-in-Effekt“ zum Tragen. Wer einmal Fotos und Musik in der Apple-Infrastruktur abgelegt hat, wechselt nur selten den Anbieter, das würde enorm viel Mühe und Ärger bedeuten.

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