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Davos am Abend: Richtig idyllisch da in der Schweiz.

Der Anstrich stimmt

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Facebook wirbt für Datenschutz und ein Ölkonzern für Klimaschutz - willkommen in Davos!

Die Fassade von Salesforce an der Promenade in Davos ist schön gestaltet. Das US-Unternehmen, das unter anderem die Kundenbeziehungen von anderen Firmen managed, hat die Straßenseite seines temporären Bistros mit Unterwasseraufnahmen anmalen lassen. Da tummeln sich Fischschwärme und Meeresschildkröten auf blauem Hintergrund. Groß prangt darüber die eindringliche Warnung: „2050 könnte mehr Plastik als Fische im Ozean sein.“

Das ist in den Tagen des Weltwirtschaftsforums (WEF) von Davos nichts Außergewöhnliches. Weltumspannende Konzerne mieten sich vorübergehend in normale Geschäfte ein, funktionieren sie zu einem Café oder einer Lounge um und senden von dort wohlklingende Botschaften an das WEF-Publikum.

Direkt gegenüber des Bistros von Salesforce läuft das ebenso: Da geht es um die gleichen Rechte von Frauen und Männern. „Home of Female Equality“ heißt der Laden nun. Gesponsert wird er von Google, dem Software-Unternehmen SAP, der Arzneimittelfirma Pfizer und einigen weiteren.

An der Oberfläche ist das Weltwirtschaftsforum eine einzige Werbeshow für Konzerne. Dabei stellen sie nicht ihre eigentlichen Geschäfte in den Mittelpunkt, sondern irgendwelche Anliegen, die sympathischer sind als der schnöde Mammon. Salesforce ist für Meeresschutz, Facebook für Datenschutz und ein Ölkonzern für Klimaschutz.

Bevor das Forum begann, schrieb die Wirtschaftsagentur Bloomberg: „Die Davos-Männer sind so reich wie nie zuvor.“ Auf der Liste mit den Namen von zwölf bekannten WEF-Gästen steht auch der von Marc Benioff, dem Salesforce-Chef. Sein Kapital sei zwischen 2009 und 2019 von 700 Millionen auf 6,5 Milliarden US-Dollar gestiegen. Das Plus betrug knapp 900 Prozent.

Auch das ist einer der Widersprüche von Davos. Da treten haufenweise Unternehmer auf, die ihre Firmen schönreden und trotzdem viel Geld einsacken, ohne den Gesellschaften, die ihnen dies ermöglichen, einen angemessenen Teil abzugeben. Unlängst klärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) darüber auf, dass die Steuern für Unternehmen weltweit sinken. Ja, viele Regierungen helfen der Wirtschaft beim Steuernsparen. Aber das macht die Sache nicht besser.

Auch das Weltwirtschaftsforum ist daran nicht unbeteiligt. Im Programm des Kongresses finden sich kaum Veranstaltungen, die beispielsweise eine gerechtigkeitsorientierte Steuerpolitik thematisieren. So lange sich das nicht ändert, ist der Ruf nach sozialer Gleichheit, der in Davos oft zu hören ist, nicht mehr als ein Fassadenspruch.

Hannes Koch berichtet für die Frankfurter Rundschau vom Weltwirtschaftsforum in Davos.

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