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Japan

Die Anspannung steigt

Die Notenbank und die Regierung richten auch gemeinsam wenig gegen den starken Yen aus. Doch der Premierminister hält die letzten Trümpfe noch zurück.

Von Martin Fritz

Eine konzertierte Aktion von Notenbank und Regierung in Japan gegen die Yen-Aufwertung ist gescheitert. Auf einer Dringlichkeitssitzung beschloss die Bank von Japan, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. Zugleich brachte das Kabinett ein neues Konjunkturpaket auf den Weg. Mit ihrem ersten persönlichen Treffen unterstrichen Premierminister Naoto Kan und Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa ihren Willen, gemeinsam Japans Ausfuhren zu stützen und die Deflation zu bekämpfen.

Dennoch holte der Yen seine Anfangsverluste im Tagesverlauf komplett auf. Auch der Nikkei gab die Hälfte seiner Gewinne wieder ab. Am Finanzmarkt hieß es, die Maßnahmen seien erwartet worden und daher bereits eingepreist. Der Yen-Kurs hänge mehr vom Zustand der US-Wirtschaft als von der Geldpolitik ab, erklärte Analyst Yunosuke Ikeda vom Brokerhaus Nomura. Sollte er weiter steigen, wachse die Wahrscheinlichkeit, dass Japan am Devisenmarkt eingreife.

Industrie macht Druck

Die Bank von Japan bietet den Geschäftsbanken zusätzlich zehn Billionen Yen (93 Milliarden Euro) für bis zu sechs Monate zum Niedrigzins von 0,1 Prozent an. Damit wird der Kredittopf von bislang 20 Billionen Yen bereits zum zweiten Mal ausgebaut. Die Währungshüter reagierten mit diesem Schritt auf den Druck aus Politik und Wirtschaft, den Yen zu schwächen.

Die Exportunternehmen klagen seit Wochen darüber, dass die starke Währung ihre Produktion in Japan verteuert. Dadurch können sie preislich weniger gut mit der Konkurrenz aus China und Korea mithalten. Laut einer Umfrage des japanischen Wirtschaftsministeriums erwägen inzwischen 40 Prozent der Hersteller, wegen des Yen mehr im Ausland zu produzieren.

Aufgrund der Unsicherheit über die Entwicklung der US-Wirtschaft achte man verstärkt auf die Abwärtsrisiken für Preise und Konjunktur, begründeten die Währungshüter ihr Vorgehen. Dennoch hielt Notenbankchef Shirakawa an der Einschätzung fest, dass sich die japanische Wirtschaft auf einem gemäßigten Erholungskurs befinde. Offensichtlich will sich Shirakawa sein Pulver für einen Einbruch der Konjunktur trockenhalten.

Auch Premierminister Kan hat noch nicht alle Trümpfe gespielt. Er machte zwar die Notfallreserve im laufenden Haushalt von 920 Milliarden Yen (8,5 Milliarden Euro) für ein Mini-Konjunkturpaket locker. Mit dem Geld will man die Jobsuche von Studenten durch die Einstellung von mehr Vermittlern unterstützen sowie kleinen Firmen unter die Arme greifen. Doch Kan behielt 800 Milliarden Yen aus dem vorigen Haushalt in Reserve und könnte weitere Schulden machen.

Auch Kan scheint vor allem aus politischen Gründen in den Kampf gegen die Yen-Aufwertung gezogen zu sein. Noch vor einer Woche hatte ihm ein Telefonat mit Shirakawa ausgereicht. Doch seitdem sein innerparteilicher Widersacher Ichiro Ozawa Mitte September gegen ihn als Parteichef kandidieren will, ist Kan aufgewacht. Er kündigte „entscheidende Schritte“ gegen die Yen-Aufwertung sowie das Treffen mit Shirakawa an und verabschiedete das Konjunkturpaket früher als geplant.

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