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Mehr internationaler Handel brauche mehr Schiffe, war das Mantra der Fondverkäufer. Bis es zu viele Schiffe wurden.
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Mehr internationaler Handel brauche mehr Schiffe, war das Mantra der Fondverkäufer. Bis es zu viele Schiffe wurden.

Geplatzte Anlage

Anleger verlieren Millionen mit Schiffsfonds

Jahrelang werben Banken und Fondverwalter mit Schiffsfonds. In Zeiten wachsender globaler Handelsströme eine vermeintlich sichere Geldanlage. Doch der Traum von sicheren Gewinnen platzt. Viele kleine Anleger klagen heute gegen ihre Banken.

Von Jörg Wagner

Deutschland, im Juni 2006. Es ist WM-Zeit, das „Sommermärchen“ läuft gerade an. Ein Gute-Laune-Teppich liegt über dem Land. Auch an Bord des Rhein-Schiffes, auf das die Sparkasse Köln-Bonn Dutzende Kunden geladen hat, soll die Stimmung gut gewesen sein, damals. Der richtige Ort und die passende Atmosphäre, um für eine scheinbar besonders attraktive Anlageklasse zu werben: Schiffsfonds.

Auch Monika Bauer (Name geändert) und ihrem Mann bieten die Sparkassen-Vertreter einen Fonds der Firma MPC an. An einer Flotte von 14 Containerschiffen soll sich das Paar beteiligen. Als „todsichere Anlage“ habe ihr Berater den Fonds empfohlen, erinnern sich die Bauers, die seit Anfang der 80er-Jahre Kunde der Sparkasse sind. Das sei mitentscheidend für ihren Einstieg gewesen. Schließlich habe man bei allen Anlagen die Sicherheit stets vor den Ertrag gesetzt. Vier Prozent Zinsen pro Jahr seien in Aussicht gestellt worden – nicht schlecht für ein „todsicheres“ Geschäft.

Dass die Bauers über ihren Fonds MS Santa-B Schiffe Teilhaber eines Unternehmens wurden, für das sie mit ihrem eingezahlten Geld voll haften, erwähnten die Berater nach Erinnerung des Paares nicht. Dabei verbinden sich mit dem Einstieg in eine Kommanditgesellschaft diverse Tücken. Knapp sieben Jahre später sind ihre eingezahlten 10000 Euro weg.

Hohe Provision für Sparkasse

Der Fonds steht vor der Pleite, das Schiff soll aus finanzieller Not verkauft werden, so wie die 13 Schwesterschiffe der MPC Offen Flotte. Erlöse fließen vorrangig an die mit im Boot sitzenden Banken, private Anleger gehen leer aus. Die Bauers sind mit diesem Problem nicht allein. Allein in die MPC Offen Flotte steckten Anleger rund 186 Millionen Euro.

Doch es geht bei Weitem nicht nur um ein Fondshaus. Die Deutschen sind über Schiffsbeteiligungen zu einer Seefahrernation geworden. 3750 Handelsschiffe in deutschem Besitz fahren laut Bundesregierung derzeit über die Weltmeere, die drittgrößte Flotte der Welt. Finanziert wurde diese mit Geldern privater Anleger. In Schiffsfonds stecken nach Angaben des Verbands geschlossene Fonds über 50 Milliarden Euro – mehr als in vergleichbaren deutschen Immobilienfonds. „Der Boom im Schiffsbau war früher vor allem steuerlich getrieben“, sagt Markus Feck von der NRW-Verbraucherzentrale. „Investoren konnten bis zum Dreifachen des eingesetzten Geldes als steuerliche Verluste geltend machen.“

Diese Anreize wurden Anfang der 2000er-Jahre politisch beseitigt. Doch auch danach hielt der Lauf an. Die Weltkonjunktur sollte die Flut an Handelsschiffen zur stetigen Geldquelle machen. Es kam anders: Die vielen neuen Schiffe und die stockende Konjunktur ließen den Markt zusammenbrechen.

Heute wollen Anleger nur noch den Totalverlust abwenden. Bei knapp 300 Schiffen soll laut Analystenangaben die Finanzierung unter Wasser sein, über 100 sind schon insolvent. Viele Fondshäuser hängen am Tropf der Banken – nur weil diese im Falle einer Pleite selber hohe Verluste realisieren müssten, drehen sie den Geldhahn nicht zu.

Der Kölner Anwalt Harald Jung von der Kanzlei Strauch Schuster & Partner sieht die vermittelnden Banken in der Pflicht. Er vertritt deutschlandweit 80 Investoren der MS Santa-B-Fonds. Für eine Reihe von ihnen klagt er vor dem Landgericht Köln gegen die Sparkasse Köln-Bonn wegen fehlerhafter Anlageberatung. Das Geldinstitut habe weder über das Risiko eines Totalverlustes noch über andere Risiken einer Kommandit-Beteiligung aufgeklärt. Zudem flossen 13,5 Prozent des eingezahlten Geldes an die Sparkasse als Provision. Auch dies sei verschwiegen worden. Und schließlich habe die Sparkasse an Kunden verkauft, die objektiv ungeeignet gewesen seien. Einer der Kläger war beim Kauf 70 Jahre alt – sein Geld hätte er selbst im Erfolgsfall erst im Jahr 2023 wiederbekommen, mit 87 Jahren.

Die Sparkasse könne wegen des Bankgeheimnisses zu Einzelfällen nicht Stellung nehmen, erklärte ein Sprecher. Man widerspreche aber der Vermutung, Santa-B-Anteile an Kunden verkauft zu haben, die einen anderen Bedarf gehabt hätten. Nur in Einzelfällen gebe es Gerichtsverfahren, was man sehr bedauere. „Es ist uns sehr daran gelegen, auch mit Kunden fair umzugehen, die aus heutiger Sicht ihre Anlageentscheidung anders beurteilen“.

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