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Anleger schöpfen im HRE-Prozess Hoffnung

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Von: Thomas Magenheim-Hörmann

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Im HRE-Musterverfahren zeichnet sich eine Wende zu Gunsten der Kläger ab.
Im HRE-Musterverfahren zeichnet sich eine Wende zu Gunsten der Kläger ab. © dpa

Frühere Aktionäre der verstaatlichten Hypo Real Estate fordern rund 1,2 Milliarden Euro Schadenersatz. Während sie bisher alle Klagen verloren haben, zeichnet sich nun erstmals eine Wende zu Gunsten der Kläger ab.

Es beginnt mit einem Paukenschlag. Nachdem Richter Guido Kotschy seine vorläufige Rechtsauffassung im Musterprozess gegen die Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) verkündet hat, ist es still im Sitzungssaal des Münchner Landgerichts. Seine Ausführungen seien möglicherweise unerwartet gewesen, sagt der Jurist und gibt den Parteien eine Besprechungspause.

Es geht um viel. Frühere HRE-Aktionäre fordern rund 1,2 Milliarden Euro Schadenersatz. Bisherige Klagen, mit denen sie um höhere Abfindungen nach der Verstaatlichung der Bank gestritten hatten, gingen alle verloren. Nun zeichnet sich erstmals eine Wende zu Gunsten der Kläger ab.

Die HRE und ihr damaliger Chef Georg Funke haben es im November 2007 versäumt, Anleger und Kapitalmärkte von Risiken im Umfang von rund 150 Millionen Euro zu informieren, meint Kotschy. „Der Senat erwägt ernsthaft, darin eine Unterlassung zu sehen“, erklärt er. Erst am 15. Januar 2008 und damit Monate zu spät habe die Bank die Kapitalmärkte unterrichtet und Riskopapiere abgeschrieben.

Kläger haben berechtigte Hoffnung auf Schadenersatz

Wie überraschend Anfang 2008 die Bekanntgabe plötzlich notwendiger Abschreibungen in der Finanzwelt kam, verdeutlicht der folgende Kurssturz von 35 Prozent binnen Tagesfrist. Die rund 40 Kläger, die hinter dem Musterverfahren stehen, können sich nun berechtigte Hoffnung auf Schadenersatz in vorerst noch offener Höhe machen.

„Wir sehen das so wie das Gericht“, sagt Klägeranwalt Andreas Tilp sichtlich zufrieden. Der Prozess hat aus seiner Sicht besser als erwartet begonnen. „Es gab kein Informationsdefizit“, entgegnet dagegen ein HRE-Anwalt, der um Fassung bemüht ist. Schon am ersten Prozesstag wird Kotschy seinem Ruf gerecht, mit Banken nicht zimperlich zu sein. Er verhandelt parallel den Schadenersatzprozess der Erben des verstorbenen Pleitiers Leo Kirch gegen die Deutsche Bank.

Nach kurzem Disput mit einem HRE-Anwalt über die mutmaßlich unterlassene Warnmitteilung wird Kotschy noch deutlicher. „Das war von wirtschaftlicher Bedeutung, darüber kann kein Zweifel bestehen.“

Im Musterprozess wird kein Urteil über die Höhe des Schadenersatzes gesprochen. Diese Instanz stellt nur Tatsachen fest, die über Schadenersatz urteilende Richter dann ohne weitere Prüfung übernehmen können.

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