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Manche halten deutsche Aktien jetzt schon für gut bezahlt, andere trauen dem Dax auch einen Anstieg bis auf 15 000 Punkte in diesem Jahr zu.

Finanzmarkt

Anleger in Investierlaune

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Der Dax bricht immer neue Rekorde. Geht es jetzt noch weiter aufwärts oder sind die Kurse schon eher heiß gelaufen? Die Analyse.

Mit gleich mehreren Rekordhochs hat der Deutsche Aktienindex in dieser Woche die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Den höchsten Stand seiner Geschichte erreichte er am Mittwoch mit 13 758,70 Punkten. Am Donnerstag gab es dann einen Rücksetzer, eine nach einem solchen Anstieg völlig normale Verschnaufpause. Immerhin hat das Börsenbarometer mit dem kräftigen Anstieg bereits die Erwartungen mancher Analysten für das Gesamtjahr übertroffen.

Wie immer in solchen Situationen stellt sich damit die Frage, ob es weiter aufwärts gehen wird mit den Kursen. Da gehen die Meinungen der Analysten weit auseinander. Manche halten deutsche Aktien jetzt schon für gut bezahlt, andere trauen dem Dax auch einen Anstieg bis auf 15 000 Punkte in diesem Jahr zu. Zumindest kurzfristig spricht einiges dafür, dass es nochmal etwas aufwärts gehen wird. Denn ein Rekordhoch bedeutet immer, dass sogenannte charttechnische Widerstände – bis dahin schwer überwindbare kurstechnische Zonen – geknackt werden konnten, was meistens zu weiteren Käufen der Investoren führt.

Mittel- und langfristig orientierte Anleger lassen allerdings solche Effekte außer Acht und schauen auf die fundamentale Gesundheit der Unternehmen, also Faktoren wie Gewinnentwicklung, Innovationen und Wachstumspotenzial. Denn die Kurse an den Börsen sind im Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage, so formulierte es Börsenguru André Kostolany, wie Hund und Herrchen auf einem Spaziergang: Der Hund läuft vor und zurück, aber er kehrt immer zum Herrchen zurück.

Eine schnelle, wenn auch grobe Methode, um herauszufinden, ob man es mit einer Überbewertung zu tun hat, ist, den Börsenwert einer Firma durch ihren Gewinn zu teilen. Heraus kommt das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dieses liegt für alle 30 im Deutschen Aktienindex verzeichneten Konzerne im Durchschnitt aller Jahre seit 1980 bei 19. Nimmt man nur die Jahre seit 2004 liegt es bei knapp 12. Das sind die beiden Zahlen, die derzeit von Experten zitiert werden. Je nachdem, welchen Maßstab man ansetzt, haben die Aktienkurse bei einem derzeitigen KGV von 14,3 also noch Luft nach oben oder sind schon eher heiß gelaufen. Im Vergleich zum US-Index Dow Jones, dessen aktuelles KGV bei fast 22 liegt, ist der Dax wiederum günstig bewertet.

Und nochmal ganz anders sieht die Sache aus, wenn man beachtet, dass der Dax, anders als der Dow Jones, ein Performance-Index ist. Das bedeutet, dass die ausgeschütteten Dividenden der Unternehmen Jahr für Jahr in die Kurse eingerechnet werden, was zu einem quasi automatischen Anstieg des Börsenbarometers führt. Rechnet man diesen Effekt heraus, ist der Dax von seinen Höchstständen Anfang 2015 und 2018 noch ein ganzes Stück entfernt.

Das können alles Faktoren für einen weiteren Anstieg sein. Es kommt hinzu, dass aufgrund des Anlagenotstands bei Aktien eine Art Inflation stattfindet: Investoren sind bereit, mehr für Unternehmen zu bezahlen, also Renditeeinbußen hinzunehmen.

Auf der anderen Seite ist gerade für die exportlastigen deutschen Firmen die fragile weltwirtschaftliche Situation ein Risiko. Hinzu kommt, dass an der Börse Zukunftserwartungen gehandelt werden. Und da sind im Dax zahlreiche Firmen vertreten, die es versäumt haben, ihre Aktivitäten auf die neuen Megatrends auszurichten.

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