Analyse

Anker in stürmischen Zeiten

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Der Pfandbrief, vor 250 Jahren vom Alten Fritz erfunden, ist ein deutscher Exportschlager und gerade in Krisen ein gefragtes Produkt.

Es ist in diesen - gerade an den Kapitalmärkten schnelllebigen – Zeiten ein höchst erstaunliches Finanzprodukt: Der Pfandbrief spielt auch 250 Jahre nach seiner ersten Begebung aufgrund einer Kabinettsorder Friedrich des Großen immer noch eine zentrale Rolle, wenn es um Finanzierungen, Kredite und die Geldanlage geht. Am 29. August 1769 verfügte der spätere König von Preußen die Errichtung der Schlesischen Landschaft – einer Zwangsvereinigung adliger Großgrundbesitzer – als öffentlich-rechtliche Bodenkreditanstalt. Im Dezember 1770 gab sie den ersten landwirtschaftlichen Pfandbrief zur Refinanzierung heraus und legte damit den Grundstein für eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte. Mit fünf Prozent waren die Papiere damals verzinst – eine Rendite, von der Pfandbriefanleger heute nur träumen können.

Auch wenn das Jubiläum eigentlich erst in knapp drei Monaten ansteht, feiert der Branchenverband VDP das ganze Jahr über. Kein Wunder: Die preußische Finanzinnovation gilt als eine deutsche Erfolgsstory. Diente das Wertpapier zunächst nur zur Lösung von Finanzierungsfragen in der Landwirtschaft, gewann es über die Jahrhunderte zentrale Bedeutung auch für andere Bereiche. Vor allem für die Finanzierung von Kommunen, Ländern und Staaten.

Die grundsätzlichen Bedingungen des Pfandbriefs basieren auf dem Hypothekenbankgesetz von 1899. Pfandbriefe sind mündelsichere Wertpapiere: Sie unterliegen strikten gesetzlichen Vorschriften und gelten deshalb als sehr sichere Anlage, die sonst nur staatliche Emittenten bieten. Mit dem Pfandbriefgesetz von 2005 wurde es schließlich im Prinzip allen Kreditinstituten erlaubt, Pfandbriefe auszugeben.

Schon bis dahin hatte sich das Finanzinstrument dank seiner hohen Sicherheit und Transparenz zu einem Exportschlager entwickelt und legte die Basis für international ähnlich ausgestaltete Papiere, die Covered Bond, also durch Sicherheiten gedeckte Anleihen.

Die hohe Qualität des Pfandbriefs bestätigte sich in der höchst kritischen Lage an den Finanzmärkten vor elf Jahren. „Die Finanzkrise 2008 war in gewisser Weise der große Lackmustest für den Pfandbrief, den er erfreulicherweise bravourös bestand“, sagt VDP-Präsident Louis Hagen.

Allein zwischen September 2008 und Januar 2009 wurden neue Pfandbriefe im Volumen von 54 Milliarden Euro platziert. Die Bundesregierung klammerte den Pfandbrief wegen seiner hohen Sicherheit ausdrücklich von ihren Rettungsmaßnahmen aus.

Heute geben rund 80 Institute, Pfandbriefe aus. Viele hätten vor allem durch die Finanzkrise die Vorzüge des Pfandbriefs, etwa seine Funktion als Liquiditätsanker in schwierigen Zeiten entdeckt, so der VDP. Nachgefragt wird er vor allem von institutionellen Investoren. Privatanleger spielen kaum eine Rolle.

Für sie sind Pfandbriefe trotzdem wichtig, weil sich an ihren Konditionen und Renditen die Zinsen für Hypothekenkredite orientieren, wie Sigrid Herbst von der Finanzberatung FMH sagt. Denn Hypothekenbanken refinanzieren die von ihnen ausgegebenen Darlehen für den privaten Wohnungsbau wie auch den gewerblichen Bau über Pfandbriefe. Die Konditionen, die sich an den Renditen gleichlang laufender Bundesanleihen orientieren, sind Grundlage für den Baukredit. Weil die Bank ihre Kosten decken muss und auch Geld verdienen will, schlägt sie durchschnittlich 0,5 bis 0,7 Prozentpunkte drauf.

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