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Angst vor sozialen Unruhen

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Von: Hannes Koch

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Der Risikobericht des Weltwirtschaftsforums in Davos warnt vor den Folgen der Inflation. Langfristig ist laut den Fachleuten aber ein anderes Thema problematischer.

Die Inflation sowie Versorgungsprobleme bei Energie und Lebensmitteln sind die größten weltpolitischen Risiken in diesem und im nächsten Jahr. Das ist die Ansicht von rund 1200 Fachleuten, die das Weltwirtschaftsforum von Davos im seinem aktuellen Risikobericht 2023 zusammenfasst. Insgesamt überwiegt aber die Einschätzung, dass mittel- und langfristig das Klima-Problem die größte Herausforderung darstellt.

Der Weltrisikobericht erscheint traditionell kurz vor der Eröffnung des Kongresses, der nach den Corona-Jahren erstmals am 16. Januar wieder unter mehr oder weniger normalen Bedingungen im Schweizer Bergort Davos eröffnet. In Kooperation mit der Unternehmensberatung Marsh McLennan und der Zurich-Versicherung hat das Weltwirtschaftsforschung (WEF) zahlreiche Führungspersonen aus seinen Mitgliedsunternehmen, der internationalen Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft befragt.

Im Risikoreport 2023 spielen der russische Krieg gegen die Ukraine und andere geopolitische Spannungen auf der Welt nicht die überragende Rolle, wohl aber deren ökonomische, soziale und unternehmerische Auswirkungen. Beim Thema Energie sprechen die Expertinnen und Experten konkret an, dass es derzeit schwierig und teuer ist, die früheren Energielieferungen aus Russland nach Europa zu ersetzen. Auch Firmen leiden unter den hohen Kosten und müssen sich neue Lieferanten suchen. Die Nennung der Nahrungsmittelkrise reflektiert etwa die Getreideknappheit in manchen afrikanischen Staaten nach der Verringerung der Exporte aus der Ukraine.

Dauerthema Klimawandel

Die derzeitige Verknüpfung mehrerer großer Herausforderungen sei auch für die Unternehmen „schwer zu navigieren“, sagte Marsh-Risikomanagerin Carolina Klint. Die Probleme auf den Energiemärkten seien Ende 2023 nicht vorbei, sondern würden wohl fünf Jahre anhalten.

Im Verlauf der nächsten zwei Jahre betrachten die Teilnehmer:innen der Umfrage die Steigerung der Lebenshaltungskosten als das größte Problem. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Wetterextreme, geopolitische Spannungen, wirkungslose Klimapolitik und soziale Polarisierung. Viele Fachleute befürchten, dass die sozialen Spannungen Proteste der Bevölkerung und Aufstände auslösen könnten.

Auffällig am Ranking der Risiken ist die häufige Nennung des Klima-Themas. In der Zwei-Jahres-Perspektive haben fünf der zehn Spitzenplätze etwas mit dem Klimawandel zu tun. Nach den größten Problemen innerhalb der nächsten zehn Jahre befragt, steht das „Scheitern der Klimapolitik“ ganz oben, gefolgt von „mangelhafter Anpassung an den Klimawandel“, Wetterextreme und der „Kollaps von Ökosystemen“. Geopolitische Spannungen spielen in der Zehn-Jahres-Vorausschau nur eine untergeordnete Rolle. Die internationale Wirtschafts- und Politikelite misst einer erfolgreichen Klimapolitik damit eine überragende Bedeutung bei.

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