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Das wird es erneut nicht zu sehen geben: Feuerwerk am Main vor der Frankfurter Skyline.
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Das wird es erneut nicht zu sehen geben: Feuerwerk am Main vor der Frankfurter Skyline.

Silvester ohne Feuerwerk

Angst vor dem Ende

  • VonWolfgang Mulke
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Es ist besiegelt: Auch in diesem Jahr darf kein Feuerwerk verkauft werden. Die Hersteller befürchten „den Todesstoß“ für ihre Branche.

Der Bundesrat hat es am Freitag durch seine Zustimmung besiegelt: In Deutschland darf auch in diesem Jahr kein Silvesterfeuerwerk verkauft werden. Die Verordnung regelt aber nur das Verkaufsverbot - das Anzünden von Feuerwerkskörpern ist davon nicht erfasst. Ein solches regeln Länder und Kommunen in Eigenregie für bestimmte Gebiete – etwa den Alexanderplatz in Berlin.

Bei den Herstellern von Knallern und Raketen herrscht Schockstarre. Das Unternehmen Weco aus dem Rhein-Sieg-Kreis hat schon unter dem Verkaufsverbot des vergangenen Jahres schwer gelitten und nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag verloren. Ein Werk im sächsischen Freiberg musste geschlossen werden. 100 Jobs gingen verloren. Nun geht auch bei den verbliebenen 350 Beschäftigten die Angst vor der Schließung um. „Wir sind maßlos enttäuscht“, sagt Geschäftsführer Thomas Schreiber. Erst aus den Medien habe man vor wenigen Wochen vom geplanten Verbot erfahren.

Dieses trifft die Branche hart. Denn in den Tagen vor Silvester werden bis zu 95 Prozent des Umsatzes erzielt. Einen dreistelligen Millionenbetrag jagen die Deutschen normalerweise zum Jahreswechsel in die Luft. Das dürfen sie in begrenztem Umfang auch in diesem Jahr. Nur der Verkauf wird untersagt. Was noch im Regal liegt, darf verballert werden, sofern die jeweilige Kommune kein generelles Verbot ausspricht. Das ist aber vielerorts der Fall. „Das Feuerwerksverbot bedeutet mit aller Wahrscheinlichkeit den Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland und damit auch die Arbeitslosigkeit von 3000 Beschäftigten“, befürchtet Klaus Gotzen, Sprecher des Verbands der pyrotechnischen Industrie (VPI).

Obacht vor gefährlichen Böllern aus dem Ausland

Auch im Norden sind die Branchenfirmen empört. Der Online-Händler Pyroland aus Niedersachsen will das Verbot rechtlich aushebeln. Gemeinsam mit anderen Firmen und Verbänden habe man dafür gute Argumente gesammelt, teilt das Unternehmen mit. Noch verpackt und versendet der Händler die bestellten Feuerwerkskörper wie gewohnt. Und kann sich vor Anfragen nach eigener Aussage nicht retten. Das Geschäft wird also zumindest teilweise vorgezogen.

Gute Laune herrscht dagegen in der polnischen Grenzstadt Slubice. Ein örtlicher Händler musste zu Wochenbeginn sogar schließen, um mehr Kapazitäten für die Abholung der Böller und Batterien durch die Kundschaft aus Deutschland zu schaffen. Dabei warnen Fachleute gerade vor dem Einkauf in Polen, weil manche Knallkörper mit hoher Sprengkraft in Deutschland verboten sind und als gefährlich eingestuft werden.

Auch deshalb hält Weco das Verbot für Unfug. Es bewirke das Gegenteil vom erwünschten Effekt. „Nämlich, dass viele Menschen illegale und lebensgefährliche Feuerwerkskörper im Ausland oder sogar auf dem Schwarzmarkt kaufen oder im schlimmsten Fall sogar selbst basteln“, warnt Geschäftsführer Schreiber.

Feuerwerk wird nicht schlecht

Damit trifft er einen wunden Punkt. Bund und Länder begründen das Verkaufsverbot damit, dass die ohnehin stark belasteten Krankenhäuser rund um Silvester nicht noch zusätzlich mit Böllerunfällen belastet werden. Das Argument sei haltlos, kritisiert Schreiber. Die wenigsten Krankenhausbesuche zum Jahreswechsel stünden in Zusammenhang mit Feuerwerk. Auch der VPI sieht eher Alkoholmissbrauch oder Schlägereien als Ursache für die vollen Notaufnahmen an Silvester.

Doch am Verkaufsverbot wird wohl nicht mehr gerüttelt. Daher pocht die Branche auf weitere staatliche Hilfen. Das Feuerwerk wird zwar nicht „schlecht“ und kann für den Verkauf im kommenden Jahr eingelagert werden. Doch Lager- oder Finanzierungskosten belasten die Unternehmen. So fordert Weco-Sprecher Oliver Gerstmeier eine Schadensregulierung über die üblichen Corona-Hilfen hinaus durch den Bund.

Des einen Leid ist auch hier des anderen Freud‘. So begrüßt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) das Verkaufsverbot. „Gerade für Asthmatiker, vulnerable Gruppen, aber ebenso viele Haus- und Wildtiere und die Umwelt insgesamt ist das eine große Entlastung“, sagt DUH-Chef Jürgen Resch. Er fordert schon eine Ausweitung des Verbots auf die nächsten Jahre.

Erfreut sind auch die Kommunalen Entsorgungsunternehmen. Denn ohne Böller und Raketen reduziert sich das Müllaufkommen zum Jahreswechsel erheblich. Nach Angaben des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) fallen allein in den fünf größten deutschen Städten jährlich zwischen 134 und 183 Tonnen Silvestermüll an. Im vergangenen Jahr – also wegen Corona ohne viel Knallerei – kam gerade einmal ein Drittel des Mülls zusammen.

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