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Zusätzlicher Schutz kann auch Mängel haben.

Restschuldversicherung

Aus Angst vor der Schuldenfalle

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Viele Verbraucher lassen sich bei der Aufnahme eines Kredits von dem Anbieter auch gleich eine Restschuldversicherung unterjubeln. Experten bewerten diese als häufig mangelhaft.

Wer einen Kredit aufnimmt, ist in der Verantwortung, ihn auch zurückzuzahlen. Kann er das nicht, tappt er schnell in eine Schuldenfalle, aus der sich häufig nur mühsam wieder ein Ausweg finden lässt. Ganz abgesehen von negativen Schufa-Einträgen, die künftige Vertragsabschlüsse beeinflussen. Doch ist das Leben voller Unwägbarkeiten. Eine unerwartete Kündigung des Arbeitsverhältnisses infolge dessen die Zahlungskraft sinkt, ist kaum vorhersehbar. Auch mit einer Arbeitsunfähigkeit rechnet wohl kaum jemand, bevor sie wirklich eintritt.

Versicherer haben dies deshalb schon lange als Geschäftsfeld erkannt und bieten in Zusammenhang mit Verbraucherkrediten eine Restschuldversicherung an. Die sichert den Verbraucher ab, sollte er in bestimmten Fällen zahlungsunfähig werden, etwa auch im Todesfall, wenn ansonsten im Zweifel Verwandte für die weitere Rückzahlung aufkommen müssten.

Was von der Idee her nach einer guten Sache klingt, ist in der Umsetzung mangelhaft, urteilen Verbraucherschützer schon lange. „Restschuldversicherungen sind überteuerte Produkte mit einem lückenhaften Versicherungsschutz, die teilweise in einem zweifelhaften Verkaufskontext vertrieben werden“, heißt es in einem Positionspapier des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Zuletzt hat auch die Bundesregierung angekündigt, die Versicherer zum Nachbessern zu verpflichten.

Das steckt hinter der Kritik: Für den Abschluss einer Restschuldversicherung reicht häufig ein kleines Kreuzchen im Kreditvertrag aus. Doch obwohl dieser Zusatz freiwillig ist, werde häufig suggeriert, dass der Kreditvertrag ohne die Absicherung nicht zustande komme, bemängelt der vzbv. „Verbrauchern ist vielfach nicht hinreichend bewusst, dass sie mit dem Verbraucherkredit und der Restschuldversicherung zwei unterschiedliche Verträge abschließen“, sagt Lars Gatschke vom vzbv.

„Das Produkt bietet außerdem generell nur einen sehr lückenhaften Versicherungsschutz“, so Gatschke weiter. Beispielsweise bezieht sich die Todesfallleistung nur auf Erkrankungen, die nach Vertragsabschluss eintreten. Auch die Absicherung von Arbeitslosigkeit greift nicht immer. Nicht etwa bei von vornherein befristeten Verträgen. Und auch bei Kündigung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses tritt der Versicherungsschutz in den meisten Fällen erst nach sechs Monaten in Kraft und ist stellenweise an die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes I gekoppelt – wird also nur befristet gezahlt.

Bei Arbeitsunfähigkeit sind psychische Gründe vielfach ausgeklammert. Hier kann eine klassische Arbeitsunfähigkeitsversicherung womöglich eine bessere Alternative sein. Für Leistungen im Todesfall kann auch eine Risikolebensversicherung herangezogen werden. „Eine Restschuldversicherung würde ich nur dann in Erwägung ziehen, wenn ich aufgrund einer Vorerkrankung keine Risikolebensversicherungspolice bekomme“, rät Gatschke. Zwar zahlt diese bei Vorerkrankungen auch nicht, zumindest aber bei später auftretenden Krankheiten. „Das wäre für mich die einzige Konstellation, eine Restschuldversicherung in Erwägung zu ziehen“, sagt er. Und auch nur dann, wenn es sich um eine sehr hohe Versicherungssumme handele.

„In den wenigsten Fällen ist der Todesfall oder die Arbeitslosigkeit der Grund, weswegen ein Kredit nicht mehr beglichen werden kann“, sagt Gatschke. Viel häufiger seien es persönliche Gründe, wie eine Scheidung, infolgedessen das Haushaltseinkommen sinkt und damit die Zahlungsfähigkeit. „Und dieses Risiko deckt keine Versicherung ab.“

Neben dem Leistungsumfang von Restschuldversicherungen, wird die Höhe der Provision, die vom Versicherungsbetrag an den Vermittler fließt, als zu hoch kritisiert. Der vzbv spricht von Fällen, in denen die Prämie bei 50 Prozent, im Einzelfall sogar mal bei 80 Prozent lag, das Landgericht Nürnberg hatte vor Jahren eine Restschuldversicherung von 15,6 Prozent bereits als „bedenklich hoch“ bezeichnet.

Hinzu kommt, dass die Höhe der tatsächlichen Kosten häufig im Unklaren bleiben. Denn der Versicherungsbetrag wird zwar als Einmalzahlung beglichen, aber in der Regel der Versicherungssumme hinzugerechnet. Für die Bank stellt das eine attraktive Variante dar, weil der Einmalbetrag die Kreditsumme erhöht und der Bank zusätzliche Zinseinnahmen entstehen, die der Kunde ebenfalls tragen muss.

Die Bundesregierung will hier zumindest nachbessern und künftig die Abschlussprovision auf maximal 2,5 Prozent der versicherten Summe begrenzen. So steht es in einem Entwurf des Bundesfinanzministeriums. Bereits gesetzlich verankert ist die Pflicht der Versicherer, Verbrauchern eine Woche nach Abschluss einer Restschuldversicherung ein Hinweisblatt zuzusenden, in dem sie auf das kostenlose Widerrufsrecht hingewiesen werden.

Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) hat vor zwei Wochen eine Selbstverpflichtung ausgerufen, in dem sich die Institute zu mehr Transparenz bei den Kosten aussprechen. „Wir sind überzeugt, dass diese Maßnahmen geeignet sind, die Restkreditversicherung in vielen Aspekten zu verbessern und bestmöglichen Verbraucherschutz zu bieten, ohne dass es hierfür einer neuen gesetzlichen Regelung bedarf“, sagte Andreas Krautscheid, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, der derzeit dem DK vorsitzt. Die Versicherungsbranche aber wehrt sich. Und Gatschke geht davon aus, dass „die Katze das Mausen nicht lassen wird“ – selbst mit dem Provisionsdeckel nicht, wenn er denn kommt.

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