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Gemälde am Eingang der SAB in Alrode/Südafrika.
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Gemälde am Eingang der SAB in Alrode/Südafrika.

SAB und InBev

Angst um den lokalen Charme

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Südafrikas Bierkonzern SAB könnte in der Fusion mit InBev untergehen. Ein Rückblick auf die Geschichte des Traditionsunternehmens.

Schon Frank Zappa wusste es. „Ohne Fluggesellschaft und Bier kann man kein richtiges Land sein“, erklärte der US-Rocker einst: „Es hilft, wenn Du eine Art Fußballteam hast oder über Atomwaffen verfügst. Aber auf jeden Fall brauchst Du ein Bier.“

Bis heute waren die Südafrikaner auf der sicheren Seite. Mit „South African Breweries“ (SAB) hatten sie ein mächtiges Brauhaus, das sie nie auf dem Trockenen sitzen ließ. Mit „Castle“ verfügten sie über eine Bier-Marke, die sehr viel populärer als die Leistungen der schlappen „Bafana“-Kicker ist. Nun droht der außergewöhnliche Erfolg des über hundert Jahre alten Brauhauses, die nationale Errungenschaft zunichte zu machen: Mit der Vereinigung von SABMiller und AB InBev zum größten Brauhaus der Welt könnte der lokale Charme und die nationale Anbindung der Biermacher verloren gehen.

Wie es sich für Südafrika gehört, wurde das Brauhaus während des Goldrauschs geboren. Glücksritter, die Ende des 19. Jahrhunderts in der Umgebung von Johannesburg nach Nuggets gruben, mussten ihren Durst löschen: Für sie wurde 1895 die Castle Breweries aus der Taufe gehoben, schon zwei Jahre später ging das Brauhaus an die Johannesburger Börse. Die Turbulenzen der beiden Burenkriege, des 1. Weltkriegs und der großen Depression erschütterten das Unternehmen zwar, brachten es aber nicht zu Fall: Vielmehr hatte sich SAB durch den Aufkauf konkurrierender Brauhäuser bald aufs ganze Land ausgebreitet. Anfang eines aggressiven Expansionskurses, der SAB schließlich mit einem Marktanteil von über 90 Prozent zum faktischen Monopolisten über den Hopfen- und Malzsaft am Kap der Guten Hoffnung machte.

Der schwarzen Mehrheit der Bevölkerung war Alkoholkonsum lange verboten – die Bosse der Minengesellschaften fürchteten, dass die Produktivität der Kumpels weggeschwemmt werden könnte. Trotzdem kursierten in Wohnheimen der Wanderarbeiter ein von Frauen hergestelltes, fermentiertes Maisgebräu, das mit martialischen Namen wie „Stuka“ oder „Skokiaan“ belegt und von SAB mit „Chibuku Shake Shake“ nachgeahmt wurde.

Erfolg nach Ende der Apartheid

Richtigen Reibach machte SAB jedoch erst nach der Aufhebung der Prohibition für Schwarze in den 60er Jahren. In den Townships schossen inoffizielle Kneipen, sogenannte Shebeens, aus dem Boden: Heute gibt es landesweit fast 200 000 dieser meist in den Wohnzimmern der kleinen Matchbox-Häuschen untergebrachten Trinkstellen. Eigentlich waren diese Shebeens illegal, weil sie weder über eine Lizenz zum Ausschank von Alkohol verfügten noch Steuern bezahlten. Den Strategen der SAB war dieser Umstand allerdings egal, weshalb sie sich heute gerne als Feinde der Apartheid feiern lassen. Ihre Motivation war allerdings weniger von der Liberalität als vom Markt bestimmt: Shebeen-Besitzer, die in ihren Kühlschränken andere als SAB-Biere lagerten, wurden knallhart mit Boykotten belegt.

Einer Errungenschaft können sich die Johannesburger Brauer allerdings rühmen. Sie ermöglichten ehemaligen Beschäftigten, sich mit SAB-Krediten Lastwagen anzuschaffen: Auf diese Weise hatten die Bierexperten bald ein Vertriebsnetz geschaffen, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Die internationale Ächtung des Apartheidstaates brachte es allerdings mit sich, dass SAB nicht über die Landesgrenzen expandieren konnte: Ihre Profite mussten die Brauer in Kaufhäuser, in Hotelketten und in Immobilien stecken.

Erst die Wende 1994 befreite auch SAB von der Last der Geschichte. Der Konzern trennte sich schleunigst wieder von seinen unvergorenen Operationen und kaufte erst in afrikanischen, dann auch in osteuropäischen und lateinamerikanischen Staaten ein marodes Brauhaus nach dem anderen auf. Die wussten die südafrikanischen Experten flugs in profitable Unternehmen zu verwandeln. Nach dem Kauf des US-Riesen Miller war SABMiller Anfang dieses Jahrhunderts kurzzeitig der größte Brauer der Welt – und der ganze Stolz der Südafrikaner. Nun droht der Erfolg den Stolz zunichte zu machen: Die Vereinigung mit InBev könnte die südafrikanische Seele im neuen Moloch zum Verschwinden bringen, fürchten sie.

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