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Die Deutsche Bank steckt mitten in einem Umbau. Und nun kommt auch noch Corona dazu.  

Bankbranche

Angst vor dem großen Taumeln

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Die Banken erhöhen ihre Vorsorge für ausfallgefährdete Kredite deutlich. 

Vom Krisengewinnler zum Sorgenkind? Ganz unwahrscheinlich ist diese Entwicklung für die europäischen Banken in Corona-Zeiten nicht. Schließlich wird immer heftiger über die Gefahren einer Schuldenkrise diskutiert. Diese lassen sich an einer Zahl in der Bilanz der Deutschen Bank für das erste Quartal ablesen: 506 Millionen Euro. So viel haben die Manager zur Seite gelegt, um sich gegen Zahlungsausfälle von Krediten abzusichern. Etwas mehr als die Hälfte davon steht im Zusammenhang mit Covid-19. Vor einem Jahr waren es insgesamt nur 140 Millionen Euro gewesen.

Gleichwohl legte die Aktie des Geldhauses am Mittwoch bis zum Nachmittag um gut 5,5 Prozent zu. Bei einer Reihe von Kennziffern hat die größte hiesige Privatbank die Erwartungen der Branchenkenner übertroffen. Just das Investmentbanking, das zusammengestutzt werden soll, lief in den ersten drei Monaten überraschend gut. Die Erträge lagen im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent höher. Auch dabei spielt die Pandemie eine Hauptrolle.

Vor allem im März, als immer deutlicher wurde, wie heftig Corona die Wirtschaft beuteln wird, machte sich enorme Nervosität an den Finanzmärkten breit, die an manchen Tagen in Panik umschlug. Bei Wertpapieren aller Art und auch bei Devisen ging es zeitweise ungebremst in die Tiefe - und am nächsten Tag wieder nach oben. Es gab Umsätze auf Rekordniveau. Die Banken profitierten davon in Form von Gebühren für ihre Transaktionen. Bei der Deutschen Bank handelte es sich dabei um Anleihen und Transaktionen mit Währungen. Aber auch am Platzieren von neuen Anleihen verdiente das Institut viel Geld – Unternehmen beschafften sich frisches Kapital, um ihre Liquidität zu verbessern. Besonders geschickt waren hier die großen US-Banken wie Goldman Sachs, die ihre Geschäfte mit den Festverzinslichen und Devisen vielfach sogar um mehr als ein Drittel steigern konnten.

In jüngster Zeit haben sich die Finanzmärkte wieder spürbar beruhigt. Branchenkenner und auch die Strategen der Deutschen Bank gehen davon aus, dass es in den nächsten Monaten etwas gemächlicher wird, was auch die Geschäfte der Investmentbanker schmälern dürfte. Dafür werden andere Mechanismen in den Vordergrund treten. Die Unternehmen müssen weltweit eine der mutmaßlich schwersten Rezessionen der vergangenen Jahrzehnte durchstehen. Sie brauchen dringend Kredite. Das wird zwar das Geschäftsvolumen der Kreditinstitute erhöhen. Aber zugleich wachsen für Banken die Gefahren in puncto Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer, obwohl in Deutschland und anderswo riesige Programme aufgelegt wurden, bei denen die Staaten für einen Großteil des verliehenen Geldes geradestehen.

Deshalb haben neben der Deutschen viele andere europäische Großbanken ihre sogenannte Risikovorsorge deutlich aufgestockt. Vieles wird davon abhängen, wie die Regierungen der großen Industrienationen und die Brüsseler Kommission für die EU die sogenannte Phase 2 der Pandemie managen. Gefahren würden massiv steigen, wenn die Staaten zu wenig Hilfen für Unternehmen bereitstellten, so die Experten des Finanzdienstleisters Bloomberg. Die Folge: Pleiten, Jobverluste und Kreditausfälle, die dann Banken ins Taumeln bringen könnten. Immerhin: die Europäische Zentralbank stellt billiges Geld in rauen Mengen zur Verfügung, das Geldhäuser auch nutzen können, um sich selbst zu stabilisieren. Hinzu kommt, dass die EU-Kommission gerade vorgeschlagen hat, die Regelwerke für die Institute weiter zu lockern.

Dennoch: „Die globale Bankenbranche dürfte in 2020 durch die weltweite Rezession infolge der Covid-19-Pandemie hart getroffen werden“, heißt es im Zwischenbericht der Deutschen Bank. Insgesamt schlug in den drei Monaten zwar ein Profit von 66 Millionen Euro zu Buche. Davon müssen allerdings noch Zinszahlungen für Anleihen abgezogen werden, was letztlich einen Verlust von 43 Millionen Euro ergibt. Ob es zu den angestrebten schwarzen Zahlen für das Gesamtjahr reichen wird, ist zunehmend unwahrscheinlich.

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