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Lockruf des Apfels: In Florida warten Kunden vor einem Apple Store auf Einlass.

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Die Angst vor einer neuen Hightechblase

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Bald ist Apple eine Billion Dollar wert, auch andere Internetkonzerne prosperieren. Was für die Anteilseigner Grund zum Jubel ist, macht vielen Händlern Angst.

Eine Billion. Das ist eine schwer vorstellbare Zahl: 1000 Milliarden. Wenn alles nach den Erwartungen der Börsianer läuft, wird der US-Konzern Apple ganz bald eine Billion Dollar wert sein. Eine magische Grenze, die bislang kein an der Börse notiertes Unternehmen erreicht hat. Apple hat gerade Geschäftszahlen vorgelegt, die über allen Erwartungen lagen. Der Kurs der Aktie muss nur noch um etwa sechs Dollar auf 203 Dollar steigen. Apple würde damit das Wettrennen um die Billion gewinnen, das Börsianer seit Wochen mit großer Spannung verfolgen. Der Onlinehandelsgigant Amazon ist der iPhone-Firma ganz nah auf den Fersen.

Andere Hightechkonzerne haben hingegen in den vergangenen Tagen eine dreistellige Milliardensumme vernichtet. Was da an den US-Börsen geschieht, ist auch Händlern nicht mehr geheuer. Die Nervosität steigt. Die Angst vor einer neuen Hightechblase geht um. Nach einer Phase großer Euphorie werde nun die Spreu vom Weizen getrennt, heißt es. Die Kurse seien viel zu schnell viel zu hoch geschossen. „Die Stimmung kippt ins Verdrießliche“, sagte Michael Antonelli vom Vermögensverwalter Robert W. Baird der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Die US-Technologiebörse Nasdaq werde auf den Boden zurückgeholt.

Über einen langen Zeitraum haben die Aktien des sogenannten FAANMG-Blocks einen gewaltigen Höhenflug hingelegt. Gemeint sind damit die wichtigsten Aktien der IT- und Internetbranche: Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft und Google.

Bei den Technologie-Werten im S&P-500-Index wurden an drei Tagen Ende voriger und Anfang dieser Woche durch Kurseinbrüche rund 350 Milliarden Dollar vernichtet. Dass Anleger die Papiere gar nicht schnell genug loswerden konnten, hat mit einem mehrfachen Schock zu tun.

Gleich drei wichtige Unternehmen (Netflix, Twitter und Facebook) legten enttäuschende Zahlen vor und publizierten eher düstere Erwartungen für die Zukunft. Allen drei ist gemeinsam, dass sich das Wachstum der Nutzerzahlen nicht in dem Maße entwickelte, wie Branchenkenner und Börsianer es eigentlich erwartet hatten.

Am heftigsten hat es Facebook erwischt. Der Einbruch der Aktie um rund 20 Prozent brachte mit einem Minus von 150 Milliarden Dollar den größten Verlust an Marktwert für ein Unternehmen in der Geschichte der US-amerikanischen Börsen. Dabei gilt das Prinzip: Wer hoch fliegt, fällt auch tief. Die Facebook-Aktie bewegt sich noch immer in astronomischen Höhen. Das Unternehmen ist noch immer etwa sieben Mal so viel wert wie der weltgrößte Autobauer Volkswagen.

Alles weit überzogen? Einerseits stürzen sich Anleger wegen des niedrigen Zinsniveaus seit geraumer Zeit auf Aktien. Das ließ die Kurse klettern. Die Steuererleichterungen der US-Regierung wirken zudem wie ein Turbo für die Anteilsscheine. Das hat zusätzliche Nachfrage erzeugt, vor allem für Papiere aus dem FAANMG-Block, für die Investmentbanker und Analysten ein Narrativ konstruierten, das überzeugt hat. Es handelt von Disruption und monopolistischen Strukturen und globaler Hegemonie. Mit Disruption ist gemeint, dass ein Unternehmen die Kraft hat, ganze Branchen zu zersprengen. So wie Amazon es mit dem stationären Buchhandel geschafft hat.

Um Monopole zu illustrieren, kann Google gut herhalten. Die Suchmaschine des Konzerns hat beispielsweise hierzulande einen Marktanteil von 95 Prozent.

Monopole garantieren enorme Gewinne und Aktionären hohe Dividenden und Kursgewinne. Und im FAANMG-Block sah es lange so aus, als seien die Unternehmen schnurstracks in diese Richtung unterwegs. Das konnte man an extrem hohen Renditen (Gewinn im Verhältnis zum Umsatz) erkennen. Bei 47 Prozent lag diese Kennziffer für Facebook noch vor einem Jahr. Das zeugt von extremer Dynamik, die nur in der Internetbranche möglich ist, weil diese Unternehmen im Vergleich etwa zur Industrie keine Rohstoffe (wie Kohle) oder Vorprodukte (Stahl) teuer einkaufen müssen. Den wichtigsten Rohstoff gibt es kostenlos: die Daten der Kunden. Doch genau da könnte es nun hapern. Aus der enttäuschenden Entwicklung der Nutzerzahlen haben Anleger die Schlussfolgerung gezogen, dass Potenziale ausgeschöpft sind, dass die Geschäftsmodelle des Streamingdienstes (Netflix), des Kurznachrichtendienstes (Twitter) und des sozialen Netzwerks (Facebook), die allesamt auf schiere Größe angelegt sind, an ihre Grenzen geraten. In den USA und in vielen anderen Industriestaaten wächst die Zahl der Internetnutzer kaum oder nur noch langsam. Facebook hat denn auch angekündigt, massiv investieren zu müssen, um neuen Schwung zu erhalten. Das werde aber die Rendite auf 30 Prozent drücken.

Die großen Ausnahmen sind Apple und Amazon. Beiden ist gemeinsam, dass sie ihr Kerngeschäft mit anderen Produkten und Dienstleistungen verknüpft haben, was immer neue Rekorde bei Gewinn und Umsatz zeitigt. Bei Amazon kommt zum Onlinehandel das Geschäft mit Rechenzentren, Internetwerbung und stationärem Handel. Zudem greift ein Log-in-Effekt. Wer einmal Kunde bei Amazon ist, bleibt dem Unternehmen in der Regel treu.

Noch deutlicher schlägt dies bei Apple durch. Nur mit großen Mühen können Kunden mit all ihren Daten und Dateien zu Konkurrenten mit dem Betriebssystem Android von Google wechseln. So kommt es, dass Apple zwar die Zahl der verkauften iPhones zuletzt kaum noch gesteigert hat, dafür aber den Verkaufspreis pro Gerät erheblich erhöhen konnte, was die Einnahmen aus dem Handygeschäft für die Zeit zwischen April und Juni um 20 Prozent auf knapp 30 Milliarden Dollar deutlich nach oben schraubte. Nutzer tauschen millionenfach ihre alten Smartphones gegen das neue Flaggschiff iPhone X aus, das hierzulande mehr als 1100 Euro kostet und weltweit ein Statussymbol ist.

Zudem nutzen die Kunden immer intensiver die für die Geräte maßgeschneiderten Dienste wie den App Store, den Streamingdienst Apple Music oder die Bezahlplattform Apple Pay, die demnächst auch nach Deutschland kommen soll. Dieser Schwung hält an. Apple-Chef Tim Cok erwartet ein Umsatzplus von bis zu 18 Prozent für das Sommerquartal. Und im September kommt die nächste Generation der iPhones. Mutmaßlich mit gleich drei neuen Modellen für das Weihnachtsgeschäft. Spätestens dann könnte die Billion erreicht werden.

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