+
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor Abschottung und einer Abkehr vom Multilateralismus gewarnt.

Weltwirtschaftsforum

Angela Merkel warnt vor Nationalismus

Die Kanzlerin will gegen "nationale Egoismen" und "Rechtspopulismus" kämpfen.

Vor Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft aus aller Welt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Davos vor einem Rückfall in Nationalismus und Protektionismus gewarnt. Es müsse verhindert werden, „dass sich die Fehler des 20. Jahrhundert wiederholen“, sagte die Kanzlerin am Mittwoch bei ihrer Rede vor dem Weltwirtschaftsforum in dem schweizerischen Skiort. Nachdrücklich wandte sich Merkel gegen „nationale Egoismen“ sowie „Populismus“ und rief dazu auf, sich für multilaterale Lösungen und eine enge Zusammenarbeit in Europa und der Welt einzusetzen.

Die Kanzlerin bezog sich in ihrer Rede nicht explizit auf einzelne europäische Länder oder US-Präsident Donald Trump, der mit seiner Strategie des „America first“ einer der führenden Vertreter nationalstaatlichen Denkens ist. Vielmehr machte Merkel deutlich, dass Deutschland und Europa vor allem die eigenen Herausforderungen meistern müssten, um als starke Partner international agieren zu können: „Wir glauben, dass Abschottung uns nicht weiterführt, dass Protektionismus nicht die richtige Antwort ist“, sagte sie.

Merkel nannte die Eurokrise als eine zentrale Herausforderung für Europa, die aber weitestgehend gemeistert sei. Anders sei es bei der Migration. Wenn der Eindruck bei vielen Menschen entstehe, dass ihnen etwas weggenommen werde, dann sei dies das „Einfallstor für Rechtspopulismus“.

Merkel mahnte zugleich: „Reine Abschottung hilft nicht, um Grenzen zu schützen.“ Nötig seien Zusammenarbeit und Verträge mit den Nachbarstaaten sowie eine Unterstützung bei der Entwicklung in den Herkunftsländern, vor allem in Afrika.

Als größte Herausforderung für Deutschland bezeichnete Merkel die Digitalisierung und das Thema Verteilung. Dem Land gehe es zwar gut, doch dürfe es künftig bei der Digitalisierung nicht von anderen überrollt werden. Dabei räumte sie ein, dass die Bereitschaft zur Veränderung in einer alternden Gesellschaft wie Deutschland nicht so ausgeprägt sei wie in anderen Ländern, etwa China.

„Wir dürfen niemanden zurücklassen“, sagte sie. In diesem Zusammenhang appellierte sie auch an die Wirtschaftsführer, ihren Teil dazu beizutragen. (afp)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare