Protest in der Kölner INnenstadt. dpa
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Protest in der Kölner INnenstadt. 

Karstadt Kaufhof

Anfang vom Ende

  • Frank-Thomas Wenzel
    vonFrank-Thomas Wenzel
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Kahlschlag bei Galeria Karstadt Kaufhof: Der Konzern schließt mehr als ein Drittel der Filialen.

Galeria Karstadt Kaufhof macht 62 von 172 Warenhäusern dicht. Die unternehmerische Entscheidung zur Schließung der Filialen treffe „die rund 6000 Beschäftigten und ihre Familien hart“, teilte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Freitagmittag mit.

Zuvor hatten die Arbeitnehmervertreter mit der Unternehmensführung vier Tage lang verhandelt. Das zentrale Ergebnis: Die Frauen und Männer, die ihren Job verlieren, sollen für mindestens sechs Monate in eine Transfergesellschaft zwecks Beschäftigung und Qualifizierung wechseln können. Für Abfindungen bei Entlassungen würden die von Betriebsräten ausgehandelten Sozialpläne Anwendung finden. Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Vorstand gab sich kämpferisch: „Wir werden mit aller Kraft für den Erhalt der Standorte und die Zukunft der Beschäftigten kämpfen. Da ist das letzte Wort noch nicht besprochen.“ Die Zahl der Stellen liegt insgesamt bei 28 000.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) forderte auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten: „Ich erwarte, dass von pauschalen Kürzungsplänen auf dem Rücken der Beschäftigten Abstand genommen wird.“ Die Verantwortlichen seien in der Pflicht, keine „radikalen Abbaupläne“ zu verfolgen. Katja Mast, Fraktionsvize der SPD im Bundestag, sagte, vor allem Frauen, oft auch in Teilzeit, seien von den Stellenstreichungen betroffen. Die Besitzer und Gläubiger der Warenhauskette müssten jetzt alles dafür tun, dass so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben. Und es brauche neue Konzepte für den Erhalt von Filialen. Verdi betonte, es sei in den Verhandlungen immerhin gelungen, einen noch stärkeren Personalabbau zu verhindern – eigentlich sei geplant gewesen, in den weiter bestehenden Filialen die Belegschaft um zehn Prozent zu verkleinern.

Am Freitag wurden zunächst die Führungskräfte und danach die Belegschaften der Warenhäuser über die Zukunft des Unternehmens informiert. Karstadt Kaufhof war Anfang April durch die behördlich angeordneten Schließungen wegen der Corona-Pandemie in schwere Schieflage geraten. Die Geschäftsführung beantragte ein Schutzschirmverfahren – die mildestes Form eines Insolvenzverfahrens. Für dieses Jahr werden Umsatzeinbußen von bis zu 1,4 Milliarden Euro erwartet. Kürzlich sickerte durch, dass der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz und der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus die Schließung von bis zu 80 Filialen planen. In den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern wurde deren Zahl auf zunächst 62 reduziert. Dieser Schritt sei ohne Alternative, so Geiwitz. Denn die Filialen gefährdeten den Gesamtbestand des Konzerns.

Die Warenhäuser sind seit Jahren in einer schwierigen Lage. Auch ohne die Pandemie hätte das Unternehmen in diesem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit rote Zahlen geschrieben. Über Jahre wurden Modernisierungen versäumt. Experten sehen aber auch strukturelle Probleme.

Das Warenhaus wird von mehreren Seiten bedroht: vom Onlinehandel, von Spezialanbietern für wichtige Sortimente wie Bekleidung. Hinzu kommt ein verändertes Käuferverhalten. Immer weniger Verbraucher kommen zum gezielten Kauf bestimmter Produkte in die Innenstädte und immer weniger Kunden finden den Weg in die Warenhäuser. „Dieser Strukturwandel lässt sich nicht stoppen“, sagte Christian Schulz-Wulkow von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Verdi hat es bei den Verhandlungen immerhin geschafft, die immer wieder geforderte Beteiligung der Beschäftigten an der Zukunftsgestaltung der Warenhäuser und bei Maßnahmen für gute Arbeitsbedingungen in einem Tarifvertrag zu verankern. Unter anderem soll es um die Gestaltung der Sortimente, die Fremdvermietung von Verkaufsflächen und die Einführung von Omnichannel-Prozessen gehen – also die Verknüpfung von Online und stationärem Verkauf. „Endlich werden die Beschäftigten an der Entwicklung des Warenhauses für die Zukunft beteiligt“, sagte Gewerkschafterin Nutzenberger.

Hier die Liste der Standortschließungen.

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