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Einkauf der Zukunft: Im Internet die Waren bestellen und dann Mitarbeiter des Supermarkts für sich durch die Gänge huschen lassen.
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Einkauf der Zukunft: Im Internet die Waren bestellen und dann Mitarbeiter des Supermarkts für sich durch die Gänge huschen lassen.

Drive-In-Supermärkte im FR-Praxistest

Das andere Einkaufserlebnis

Sieht so der Einkauf der Zukunft aus? Online bestellen und direkt am Lager abholen. Das Anstehen an der Kasse fällt weg, aber wirklich zeitsparend ist das ganze auch nicht unbedingt.

Von Jutta Maier

Es erinnert an den Drive-In-Schalter bei Fast-Food-Ketten: Lebensmittel erst im Internet bestellen und dann mit dem Auto vorfahren – das Warten an der Supermarktkasse entfällt. Seit November geht das in Isernhagen bei Hannover bei Real, im „ersten Drive-In-Supermarkt Deutschlands“. Rewe testet bereits seit Ende 2009 in Köln ein ähnliches Angebot. Sieht so der Einkauf der Zukunft aus? Branchenexperten prophezeien dem Modell gute Erfolgschancen. In Frankreich und Großbritannien sind Supermarkt-Drive-Ins schon wesentlich weiter verbreitet als in Deutschland. Rewe will das ändern: Das bislang auf Köln beschränkte Abhol-Angebot („Express Drive“) wird künftig auch in Frankfurt getestet.

Bald auch in Frankfurt

Aus der Branche ist zu hören, dass der Service von März an in zwei bestehenden Frankfurter Märkten angeboten werden soll. Real will das Drive-In-Projekt ebenfalls an anderen Standorten umsetzen, wenn der Test bei Hannover erfolgreich läuft. Doch wie bequem ist der Einkauf in den Drive-In-Märkten wirklich? Wir haben sie getestet.

Auf den Homepages ist es nicht ganz einfach, die Einkaufsliste zügig abzuarbeiten. Besonders bei Real verwirrt die Menüführung. Wenig hilfreich ist etwa, dass Brot und Kuchen sowie Haltbares wie Kaffee oder Nudeln unter dem Reiter „Lebensmittel“ zusammengefasst sind. Den Käse muss man mühsam unter den „Molkereiprodukten“ heraussuchen, während Wurst eine eigene Kategorie ist. Am schnellsten geht die Auswahl über eine Suchmaske.

Bei Rewe ist die Menüführung logischer gegliedert, aber die Mengenauswahl etwas umständlich: Bevor man die Menge eingeben kann, muss man sich etwa bei Gemüse und Obst zwischen Stückzahl oder 100-Gramm-Schritten entscheiden.

Die Konkurrenten arbeiten mit zwei unterschiedlichen Modellen: Bei Rewe stellen Beschäftigte die georderte Ware in einem konventionellen Supermarkt zusammen, ähnlich wie beim Branchenprimus Tesco in Großbritannien. Der Real-Markt dagegen ist ein „echter“ Drive In, wo nur Beschäftigte arbeiten, die den Einkauf für den Kunden erledigen.

Das hat zur Folge, dass die Auswahl an frischen Produkten begrenzt ist. So gibt es zum Beispiel kein Geflügel. Statt der geplanten Putenbrust müssen es deshalb Minutensteaks vom Schwein tun. Bei Rewe dagegen kann man aus einer großen Auswahl an frischem Brot, Fleisch, Wurst und Käse auch aus der Supermarkt-Bedientheke wählen. Der Nachteil: Es gibt hier meist keine Fotos; man kauft „blind“ ein.

Klingeln. Einpacken. Bezahlen.

Nach etwa einer halben Stunde liegen alle Produkte von der Einkaufsliste im virtuellen Warenkorb. Bei Real beträgt die Gesamtsumme 31,35 Euro, bei Rewe 37,48 Euro. Irritierend: Rewe berechnet neben der Servicegebühr von 2,50 Euro weitere fünf Euro für eine Klappbox. Beide Anbieter verschicken kurz nach der Bestellung eine Eingangsbestätigung mit Abholnummer per E-Mail. Bei Real ist Ausdrucken Pflicht, weil die Nummer oder der Barcode am Drive-In-Schalter gebraucht werden.

Für die Internet-Kunden von Rewe sind am Supermarkt im Kölner Stadtteil Klettenberg vier Parkplätze eingerichtet. „Hier: Klingeln. Einpacken. Bezahlen“, heißt es auf einem Schild neben einer schweren Metalltür. Beim zweiten Klingeln öffnet ein junger Mann in weißem Kittel. Er verschwindet kurz und kommt mit einem Einkaufswagen und der Ware in einer Plastikbox zurück.

Eine Angestellte erzählt, dass täglich im Schnitt zehn bis 15 Bestellungen eingehen. Doch da sind auch Irrläufer aus ganz Deutschland dabei. Viele Kunden denken offenbar, dass sie ihre Bestellung beim nächsten Rewe um die Ecke abholen können. Es gebe aber auch weiter entfernt wohnende Kunden, die den Express-Drive nutzten, um regelmäßig große Wochenendeinkäufe zu erledigen, erzählt die Frau.

Beim Real Drive in Isernhagen-Altwarmbüchen ist die Szenerie leicht surreal: ein für Großbetriebe ausgelegtes Areal in einem Gewerbegebiet, darauf mehrere Abhol-Terminals, ein mit Werbetafeln behängter Flachbau und drei Drive-In-Schalter. Weit und breit ist kein einziger Kunde zu sehen. Zunächst geht es mit dem Auto zu einem der Schalter. Nach dem Eintippen der Abholnummer wird man aufgefordert, zu einem der Terminals vorzufahren. Sie sind völlig verwaist. Ein, zwei Minuten passiert gar nichts. Dann öffnet sich eine Schiebetür und ein junger Mann nähert sich lächelnd mit einem Einkaufswagen. „Am Wochenende ist hier alles voll“, sagt er. Bei Real ist offiziell von durchschnittlich 85 Kunden pro Tag die Rede – eine Zahl, mit der man sehr zufrieden sei.

Die Ware ist schon in Plastiktüten eingepackt, der Beschäftigte räumt sie auf Wunsch ins Auto. Fischstäbchen und Tiefkühlpizza sind – wie bei Rewe – nicht in Kühltaschen gepackt, auf Nachfrage sind diese jedoch zu haben. Bezahlen mit Kreditkarte ist kein Problem. Die Qualität der Waren ist bei beiden Bestellungen fast einwandfrei. Verfallsdaten sind noch lange nicht abgelaufen. Die Schnitzel sind frisch. Das gleiche gilt für das Brot, den Salat und die Äpfel. Nur die Bananen sind ein Mal zu reif, das andere Mal zu grün.

Fazit: Drive-In-Einkaufen ist bequem. Über die Zeitersparnis lässt sich jedoch streiten. Ins Auto steigen muss man so oder so, und die Auswahl der Ware im Internet braucht ihre Zeit. Eine wesentliche Ersparnis tritt dann ein, wenn man immer Ähnliches kauft: Einkaufslisten lassen sich speichern und schnell wieder aufrufen.

Der größte Nachteil des Drive In: Man kann nicht prüfen, ob die Avocado reif ist oder welche Bananen am appetitlichsten aussehen, sondern ist auf die Auswahl des Markt-Personals angewiesen. Der Plausch an der Wursttheke ist ausgeschlossen, und auch Spontankäufe dürften selten vorkommen. Das wiederum ist gut fürs Portemonnaie.

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