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Grünes Geld

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Die Bundesregierung hat einen Beirat eingesetzt, um die Kapitalmärkte nachhaltiger zu gestalten. Ein hehres Ziel, dem hoffentlich Taten folgen.

Es gibt Grund zur Hoffnung: Die Bundesregierung will den hiesigen Finanzplatz zu einem führenden Standort für Sustainable Finance ausbauen und hierfür eine Strategie entwickeln. Darauf hatte sich der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung unter Leitung von Kanzleramtschef Helge Braun Ende Februar in Berlin verständigt. Erklärtes Ziel ist, dass künftig Nachhaltigkeitsaspekte von Finanzmarktakteuren bei Anlageentscheidungen berücksichtigt werden.

Damals beschloss das Gremium außerdem, einen Beirat für „Sustainable Finance“ einzusetzen, der die Bundesregierung bei der Ausarbeitung und Umsetzung einer entsprechenden Strategie beraten und den Dialog mit Finanzwirtschaft, Industrie, Zivilgesellschaft und Wissenschaft fördern soll. Am Donnerstag kam der Beirat zu seinem ersten Treffen zusammen. „Die Umsetzung der Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitsziele betrifft auch den Finanzsektor. Ein zukunftsgerichtetes, nachhaltig ausgerichtetes Finanzsystem ist eine tragende Säule für den Wohlstand unserer Volkswirtschaft und unserer Gesellschaft“, sagte Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth in einer gemeinsamen Erklärung von Umwelt- und Finanzministerium nach der konstituierenden Sitzung. Ökologische und soziale Aspekte müssten bei Investitionsentscheidungen viel mehr als bisher berücksichtigt werden.

Dieser Versuch, die Kapitalmärkte grüner zu machen, trifft den Nerv einer Zeit, in der der Weltüberlastungstag in Deutschland bereits Anfang Mai im Kalender steht, Schüler weltweit für den Erhalt des Planeten auf die Straßen gehen und die Europawahl zu einer Klimawahl geworden ist. Und man möchte sagen: endlich! Denn seit dem Paris-Abkommen, das Deutschland mit auf den Weg gebracht hat, ist hierzulande nicht viel Greifbares passiert. Nicht nur die Grünen seien für mehr Umweltschutz, tönt es zwar aus den Parteizentralen, doch konkrete politische Maßnahmen bleiben aus – zu groß scheint die Angst vor der Basis. Aktuelles Beispiel: das Gezerre um eine CO2-Bepreisung. Und nicht einmal dort, wo der Staat selbst als Anleger auftritt, legt er bislang Nachhaltigkeitskriterien zugrunde. Andere Länder wie etwa Norwegen sind da bereits viel weiter.

Nur wenig ausgeprägter ist das Umweltbewusstsein privater und institutioneller Investoren. Auch wenn der Markt für grüne Geldanlagen im vergangenen Jahr mit einem Volumen von knapp 220 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau erreicht hat, wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen kürzlich vermeldete, ist das im Vergleich zum konservativ investierten Vermögen hierzulande ein Tropfen auf den heißen Stein. 2018 belief sich das Geldvermögen der Deutschen auf sagenhafte 6,2 Billionen Euro. Und eine Umfrage des französischen Vermögensverwalters Natixis im Mai ergab, dass für 70 Prozent der deutschen Privatanleger Nachhaltigkeit kein Kriterium bei der Geldanlage ist - zumindest nicht auf Kosten der Rendite.

Wollen wir künftig innerhalb der planetaren Grenzen wirtschaften, müssen Kapitalflüsse umgelenkt werden. Das Finanzsystem ist der Transmissionsriemen, der die Realwirtschaft befähigen oder auch zwingen kann, den nötigen Wandel zu vollziehen. Deshalb kann man es nur begrüßen, dass jetzt an einer Strategie gearbeitet werden soll. Bleibt nur zu hoffen, dass die Bundesregierung dieser am Ende auch folgt – aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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