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Wer Toyota als bemitleidenswerten Underdog sieht, unterschätzt das Unternehmen. Tatsächlich hat es die speziellen Spielregeln der US-Hauptstadt so gut verinnerlicht wie kaum ein anderer internationaler Autokonzern.

Toyota in den USA

Der amerikanische Weg

Händler verkaufen Autos nur zu Schleuderpreisen, der US-Kongress nimmt den Chef auseinander. Müssen wir Toyota bemitleiden? Nein, sagt FR-Autor Felix Wadewitz: Die Japaner spielen nach US-Regeln. Und wie.

New York. Da stehen sie: Corolla und Camry, Venza, Highlander und all die anderen preisgekrönten Modelle des weltweit führenden Autobauers - bestellt und nicht abgeholt. Zwischen West- und Ostküste werden die Toyota-Händler ihre fabrikneuen Automobile allenfalls zu Schleuderpreisen und mit Null-Zins-Ratenzahlung los.

Immerhin: Die Schnäppchenjäger sorgen dafür, dass Toyota auf seinem wichtigsten Markt so langsam wieder in Fahrt kommt, nachdem im Januar der US-Verkauf von Toyota um 16 Prozent eingebrochen war.

Während in den Werkstätten die Mechaniker noch Millionen von Wagen reparieren, kämpft Toyota in Washington gegen die politischen Folgen der Rückrufaktionen. Mehrere Ausschüsse des Kongresses untersuchen die Pannen. Sie ließen bereits Konzern-Chef Akio Toyoda medienwirksam antreten, um ihn vor der Weltöffentlichkeit auseinanderzunehmen.

Das Gehabe der Politiker steht vor allem deshalb in der Kritik, weil der US-Autobauer General Motors (GM) nach seiner Pleite nun zu 60 Prozent dem Staat gehört. "Government Motors" spotten die Kritiker deshalb. Die Gouverneure der US-Bundesstaaten, in denen Toyota produziert, beschwerten sich bereits beim Kongress über die Behandlung der Japaner und forderten zur Mäßigung auf. Schließlich hat Toyota 172.000 Arbeitsplätze in den USA geschaffen.

Doch wer Toyota als bemitleidenswerten Underdog sieht, der unterschätzt das Unternehmen. Tatsächlich hat es die speziellen Spielregeln der amerikanischen Hauptstadt so gut verinnerlicht wie kaum ein anderer internationaler Autokonzern. Das Management hat einflussreiche Verbündete.

Rund 25 Millionen Dollar investierte der japanische Konzern in den vergangenen fünf Jahren in die Arbeit seiner Lobbyisten. Mehr als 30 Politikstrategen machen im Weißen Haus, den Ministerien und dem Parlament Stimmung für Toyota - darunter ein ehemaliger Kongressabgeordneter und zahlreiche Ex-Beschäftigte von hochrangigen Politikern.

Wer die Liste der für die Toyota-Untersuchung zuständigen Ausschüsse mit dem Spendenregister vergleicht, findet schnell Freunde der Japaner. Das beginnt mit dem einfachen Abgeordneten Mark Souder aus Indiana, der in jedem Wahlkampf eine finanzielle Gabe von seinem lokalen Toyota-Händler bekommt, und endet bei politischen Schwergewichten wie Richard Shelby, der einst offen gegen die Rettung von GM und anderen Autobauern mit Staatsgeld kämpfte - in seinem Bundesstaat steht eine Toyota-Fabrik.

Auf der Payroll des asiatischen Autobauers landete vor kurzem auch Glover Park, eine Politik-Agentur aus Washington. Die beiden Gründer arbeiteten im Weißen Haus unter Bill Clinton und sollen ihre Verbindungen zur Demokratischen Partei von Präsident Obama spielen lassen.

Zusätzliche Hilfe kommt aus Kalifornien - von dem Beratungsunternehmen Exponent, das im Auftrag von krisengeschüttelten Konzernen technische Studien erstellt. Der Öl-Konzern Exxon etwa engagierte Exponent nach der Tanker-Katastrophe im Jahr 1989 ("Exxon Valdez").

Ein 56 Seiten starker Exponent-Bericht für Toyota stellt nun fest: Die Gaspedale funktionieren super, an der Elektronik kann es nicht liegen. Das Dokument wurde bereits dem Kongress vorgelegt.

Um den guten Ruf in der Öffentlichkeit wieder herzustellen, hat Toyota die Agentur des PR-Veterans Michael Sitrick engagiert: Zu dessen Kundenkreis gehören so unterschiedliche Klienten wie der taumelnde Versicherungsgigant AIG und die Berufsprominente Paris Hilton.

In diesen Tagen läuft zudem eine groß angelegte TV-Kampagne von Toyota an, die das Vertrauen der Käufer zurückgewinnen soll. In den Werbespots verspricht eine sonore Stimme: Wir lernen aus unseren Fehlern. Die mit kitschiger Musik unterlegten Schwarzweiß-Bilder aus der Anfangszeit von Toyota in den USA vor fünf Jahrzehnten präsentieren den japanischen Autobauer als durch und durch amerikanisches Unternehmen. Hollywood lässt grüßen.

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