Amazon expandiert

Amazon setzt auf Deliveroo

  • schließen

Der US-Onlineriese steigt als größer Investor beim Essenslieferdienst ein. 

Die Spekulationen haben sich bestätigt: Amazon steigt bei Deliveroo ein. Der britische Mahlzeiten-Lieferdienst teilte am Freitag mit, dass der Internetgigant an der Spitze einer Investorengruppe steht, die 575 Millionen Dollar locker macht. Mit dem Geld könnte das Geschäft mit Bringdiensten auch hierzulande umgekrempelt werden. Die Aktien von Rivalen verloren am Freitag deutlich an Wert.

Ende vorigen Jahres war bekannt geworden, dass sich sowohl Amazon als auch der Fahrdienstvermittler Uber für die in London beheimatete Firma interessieren. Es war schon von einer kompletten Übernahme durch einen der beiden Konzerne die Rede. Nun ist Amazon mit einer defensiveren Variante zum Zuge gekommen. Deliveroo hat mittlerweile insgesamt rund 1,5 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt, zu denen auch der US-Vermögensverwalter Fidelity gehört.

Gleichwohl ist der weltgrößte Online-Einzelhändler nun der wichtigste Investor des 2013 in London gegründeten Unternehmens. „Wir sind von Deliveroos Konzept beeindruckt und von der Fokussierung darauf, Kunden eine wachsende Auswahl von Restaurants und eine bequeme Belieferung zu bieten“, sagte Doug Gurr, Amazon-Chef für Großbritannien. Eine kompromisslose Orientierung an den Bedürfnissen der Nutzer ist eines der Erfolgsrezepte von Amazon. So betont denn auch Will Shu, Gründer und Chef von Deliveroo, dass das neue Investment nun ermögliche, eine größere Auswahl an Angeboten zu offerieren, die für die persönlichen Vorlieben der Kunden maßgeschneidert würden.

Das soll vor allem mit mehr künstlicher Intelligenz geschehen. Mit dem Geld von Amazon wird massiv in die IT investiert. Die Briten wollen künftig noch mehr Daten sammeln und analysieren, damit ein Algorithmus namens Frank noch präziser vorhersagen kann, wann und wo und auf welche Gerichte die Kunden hungrig sind. Auch das dürfte den Amazon-Managern schmecken, denn derartige Prognosen gehören zu den Spezialitäten des Konzern – etwa um die Bestände in den Auslieferungslagern weltweit zu steuern.

Deliveroo ist in einem stark wachsenden, aber zugleich schwierigen Geschäftsfeld unterwegs. Seit einigen Jahren erleben die Mahlzeiten-Dienste in den Großstädten einen heftigen Boom. Teilweise bietet bis zu ein halbes Dutzend Anbieter Essen auf Fahrrädern an. Geld ist damit bislang aber nur schwer zu verdienen. Die noch junge Branche hat eine erste Durststrecke schon hinter sich. Hierzulande lieferten sich Deliveroo und Foodora mit identischen Geschäftsmodellen im vorigen Jahr heftige Kämpfe – mit dem Ausfahren von Gerichten der etwas gehobenen Gastronomie. Dabei wurde viel Geld verbrannt.

Ende 2018 übernahm der niederländische Konkurrent Takeaway mit seiner Marke Lieferando für knapp eine Milliarde Euro die deutschen Dienste des Berliner Unternehmens Delivery Hero – zu dem neben Foodora auch Lieferheld und Pizza.de gehörten. Inzwischen ist nur noch Lieferando aktiv.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare