Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Ressourcenverschwendung

Amazon im Fokus: Versandhändler vernichtet illegal nicht verkaufte Ware

  • VonDavid Suárez Caspar
    schließen

Der Amazon-Konzern zerstört im Logistikzentrum in Winsen jeden Monat mehrere LKW-Ladungen Neuware, obwohl ein Gesetz genau das verbietet.

Winsen - In einer riesigen Lagerhalle werden neue T-Shirts, Spielwaren, Bücher, Kalender und Elektro-Artikel systematisch für ihre Vernichtung vorbereitet. Dafür gibt es bei Amazon die „Destroy-Stationen“, eine Abteilung, die funktionstüchtige Ware von ihrer Verpackung trennt und nach Regeln der Mülltrennung sortiert. All diese Ware landet in der Mülltonne, obwohl gesetzliche Bestimmungen das verhindern sollten. Das ergeben Recherchen von Panorama, die Zeit und Greenpeace.

Greenpeace hatte im Vorfeld Hinweise bekommen, dass Amazon plane die gesetzliche Neuregelung zu umgehen. Daraufhin schleuste die Umweltorganisation einen Rechercheur in das Amazon-Logistikzentrum im niedersächsischen Winsen (Luhe) ein. Dieser arbeitete mehrere Wochen für das Unternehmen und machte heimliche Bildaufnahmen der „Destroy-Stationen“. Panorama und Zeit konnten diese Aufnahmen anhand eigener Quellen überprüfen.

Der Amazon-Konzern vernichtet in seinem Logistikzentrum in Winsen (Luhe) jeden Monat mehrere LKW-Ladungen gebrauchsfähiger Neuware, obwohl er das nicht darf. (Symbolbild)

Amazon entsorge allein an einem Standort jede Woche mindestens eine LKW-Ladung nicht verkaufter Ware, so Greenpeace in einer Presseklärung. Gegen diese Ressourcenverschwendung trat 2020 ein Gesetz in Kraft: Die sogenannte „Obhutspflicht“ soll verhindern, dass gebrauchsfähige Ware zerstört wird. Doch würde diese Obhutspflicht weder eingehalten noch von Behörden überwacht werden, erklärt Greenpeace. „Amazon setzt allein auf schnellen Umsatz und hält deshalb den Platz im Regal für wichtiger als das Produkt darin - eine klimaschädliche Ressourcenverschwendung!“, betont Greenpeace‘ Konsum-Expertin Viola Wohlgemuth.

Ressourcenverschwendung bei Amazon: Aus Neuware mach Putzlappen

Am Winsener Standort des Amazon-Logistikzentrums arbeiten acht Beschäftigte in einer fest integrierten Abteilung, die regelmäßig Neuware entsorgt. Allein am Standort Winsen werden mehrmals pro Monat LKW-Ladungen voller Neuware von einem Entsorgungsunternehmen verbrannt oder zu Putzlappen verarbeitet.

Betroffen sind am Standort Winsen vor allem nicht verkaufte Ware von Dritthändlern, die über Amazon ihre Produkte verkaufen. Wird die Ware innerhalb eines gewissen Zeitraums nicht verkauft, fallen hohe Langzeitlagergebühren an. Praktischerweise kümmert sich der US-amerikanische Online-Händler selber um die Entsorgung und das völlig kostenlos, wie Panorama und Zeit berichten.

Laut Greenpeace wolle Amazon künftig T-Shirts zerschneiden, bevor sie im Müll landen

2020 kam es im Bundestag zur Reform des Kreislaufwirtschaftsgesetzes mit neuen Regeln für Händler: Die Obhutspflicht schreibt vor „beim Vertrieb der Erzeugnisse, auch im Zusammenhang mit deren Rücknahme oder Rückgabe, dafür zu sorgen, dass die Gebrauchstauglichkeit der Erzeugnisse erhalten bleibt und diese nicht zu Abfall werden“. Greenpeace bemängelt, dass die fehlende Rechtsverordnung der Obhutspflicht und die damit ausbleibenden Strafen von Amazon ausgenutzt werden. Dazu bereite sich der Konzern bereits darauf vor, dass laut Gesetz Entsorgungsunternehmer nur noch kaputte Ware abholen dürfe. Laut Greenpeace wolle Amazon künftig T-Shirts zerschneiden, bevor sie im Müll landen.

„Amazon plante bereits, ein Gesetz zu unterlaufen, bevor das Umweltministerium es überhaupt schafft, es anzuwenden! Bundesumweltministerin Svenja Schulze muss handeln, denn Ressourcenschutz ist Klimaschutz!”, sagt Greenpeace Konsum-Expertin Wohlgemuth und fordert noch für diese Legislaturperiode eine Rechtsverordnung, die Vernichtung von Neuware strafbar macht.

Das Ausmaß der Vernichtung müsse jedoch vorher bekannt sein, so ein Sprecher des Bundesumweltministeriums. „Denn nur mit diesen Daten können wir Schlupflöcher vermeiden und sicherstellen, dass keiner den neuen Regeln ausweichen kann. Die Pflicht für Unternehmen zur Transparenz ist also der nächste logische Schritt“, erklärt der Sprecher gegenüber Panorama und der Zeit. Laut verschiedener Händlerverbände und dem Bundesumweltministerium sei eine Verabschiedung einer konkreten Verordnung für diese Legislaturperiode sehr unwahrscheinlich. (David Suárez Caspar)

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/imago-images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare