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Jeff Bezos gründet einen Fund für Klimaschutz und stattet ihn mit fast acht Prozent seines Vermögens aus. 

Analyse

Amazon-Chef will Milliarden für den Klimaschutz ausgeben

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Der Amazon-Chef will Milliarden in den Klimaschutz stecken. Dabei wäre ein Blick auf den eigenen Konzern mehr als angebracht.

  • Amazon-Chef Jeff Bezos will Milliarden für den Klimaschutz ausgeben. 
  • Er gründet den „Bezos Earth Fund“. 
  • Amazon stand in der Vergangenheit nicht gerade für umweltfreundliche Methoden. 

Die Reichen in den USA haben den Klimaschutz entdeckt – nicht erst seit heute. Filmstars wie Leonardo DiCaprio zum Beispiel, der seit langem auf Öko-Demos geht, eine Umweltstiftung gegründet hat und im vergangenen Jahr die Klimawandel-Doku „Ice on Fire“ drehen ließ. 

Amazon-Chef: Milliarden für den Klimaschutz 

Auch der Software-Milliardär Bill Gates ist aktiv, er gründete 2015 „Breakthrough Energy“, um Öko-Energien zu fördern. Ebenfalls unter den millionenschweren Spendern gegen den Klimawandel: der US-Medienunternehmer und Präsidentschaftskandidat Michael Bloomberg. In den Schatten gestellt werden sie alle jedoch von Amazon-Chef Jeff Bezos – zumindest, was die Summe angeht, die er laut seiner Ankündigung locker macht.

Bezos gründet den „Bezos Earth Fund“ für Klimaschutz und stattet ihn mit zehn Milliarden US-Dollar aus seinem Privatvermögen aus. Bezos gilt als reichster Mann der Welt, der über geschätzte 130 Milliarden Dollar verfügt – die Spende macht also immerhin fast acht Prozent davon aus. Die Stiftung soll Wissenschaftler, NGOs und Aktivisten finanzieren. „Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für unseren Planeten“, schrieb Bezos zur Begründung.

Amazon: „Bezos Earth Fund“ für das Klima 

Kann man etwas dagegen haben? Natürlich nicht. In Zeiten, in denen ein Präsident Trump die US-Klimapolitik bestimmt und Amerika mit fossilen Energien „great again“ machen will, ist es eine gute Nachricht, wenn in der Zivilgesellschaft gegengesteuert wird. Allerdings müssen die „Big Spender“ sich auch fragen lassen, wie sie selbst oder ihre Firmen sonst mit dem Thema Klimaschutz umgehen. DiCaprio wurde öffentlich heftig für seinen Jet-Set-Lebensstil kritisiert, vor allem seine vielen Flugreisen. Auch Bezos, Chef des weltgrößten Online-Händlers, hat offene Flanken.

Amazon: Nicht gerade grün 

Die Gruppe „Amazon-Mitarbeiter für Klimagerechtigkeit“ kritisiert, dass das Unternehmen lukrative Geschäfte mit der Öl- und Gasindustrie macht, in dem es der Branche seinen Cloud-Dienst AWS zur Verfügung stellt und die Umsätze zuletzt noch deutlich ausgeweitet hat. Voriges Jahr wurde zudem bekannt, dass Amazon eine Veranstaltung eines Klimaleugner-Thinktanks sponserte. Nicht gerade grün.

Noch diffiziler wird es, wenn man das Kerngeschäft des Konzerns betrachtet. Das Bestellen per Mausklick und die prompte Auslieferung von Waren bis zur Haustür (plus Rücksendung) ist durch Amazon erst so richtig populär geworden. Die Branche boomt – ebenso die CO2-Emissionen, die dadurch entstehen. Amazon hat zwar angekündigt, bis 2040 klimaneutral werden zu wollen, doch das ist, verglichen mit anderen Konzernen, die das 2030 und teils noch früher anpeilen, nicht sonderlich ambitioniert. Bezos als Boss hat auch im eigenen Unternehmen also noch viel tun, um die größte Bedrohung für unseren Planeten abzuwenden.

Amazon-Chef Jeff Bezos: „Her mit dem Geld“ 

Worum es geht, formuliert der Berliner Verkehrsprofessor Andreas Knie: „Wenn das Geld dafür ausgegeben werden könnte, den Warenverkehr nachhaltiger zu organisieren und vielleicht auch die Regulierung so zu verändern, dass nur an zentrale Stellen geliefert und dort abgeholt werden kann, eine Hauszustellung nur noch als Ausnahme möglich ist und Rücksendungen nicht mehr erlaubt sind – wenn also Amazon bereit wäre, wesentliche Folgen seines Geschäftsmodells zu überdenken, dann kann man nur sagen: Her mit dem Geld.“

Von Joachim Wille

Umweltexperte Rainer Grießhammer über Rollenkonflikte, effizienten Klimaschutz und die vielen Vorzüge eines Tempolimits.

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