Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
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Deutsche Bank

Am Tropf der Investmentbank

  • Nina Luttmer
    vonNina Luttmer
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Das größte deutsche Geldhaus profitiert von regen Handelsaktivitäten – so die Quartalsabrechnungen der Deutschen Bank.

Was zählt ist letztendlich das, was unter dem Strich rauskommt. Und das war bei der Deutschen Bank im abgelaufenen dritten Quartal eindeutig besser als Fachleute es erwartet hatten. Der Gewinn lag bei 182 Millionen Euro - nach einem Verlust von 942 Millionen Euro im Vorjahr. Das goutierten auch die Anleger:innen - in einem ansonsten schwachen Marktumfeld legten die Deutsche-Bank-Aktien nach einem anfänglichen Verlust zumindest zwischenzeitlich zu.

Allerdings ist es natürlich auch nicht irrelevant, wie ein Ergebnis zustande kommt. Und da wurde am Mittwoch wieder einmal klar: Die Deutsche Bank hängt am Tropf des Investmentbankings. Und das ist nun einmal nicht stabil, sondern äußerst volatil. In der Corona-Pandemie profitiert der Geschäftsbereich von regen Handelsaktivitäten an den Märkten - die Unsicherheit ist groß, entsprechend hektisch werden Anlage-Portfolios gedreht und angepasst.

Während die Investmentbanker:innen des Geldhauses die Erträge im dritten Quartal um satte 43 Prozent steigerten - in den ersten neun Monaten um 35 Prozent zum Vorjahreszeitraum - stagnierte die Entwicklung in den anderen Geschäftssegmenten. Vor Steuern wies die Privatkundenbank sogar vor allem wegen der gestiegenen Risikovorsorge für notleidende Kredite einen Verlust aus, die Unternehmensbank einen niedrigeren Gewinn als im Vergleichszeitraum 2019. Das Vorsteuerergebnis der Investmentbank dagegen wurde von 64 Millionen Euro auf 957 Millionen Euro nach oben katapultiert.

Die Investmentleute profitieren allerdings auch davon, dass die Deutsche Bank im Sommer 2019 eine interne Abwicklungseinheit gegründet hat, in die sie ungewollte Wertpapiere vor allem aus der Investmentbank im Wert von 250 Milliarden Euro schob. Die Bank spricht von „Qualitätspapieren“, das ist allerdings umstritten. Diese Einheit sorgt nun Quartal für Quartal für Verluste – allerdings werden die nun nicht mehr den Investmentbankern zugeschrieben.

Für das Gesamtjahr 2020 ist sich Finanzvorstand James von Moltke ziemlich sicher, dass die Deutsche Bank zumindest vor Steuern einen Gewinn ausweisen wird. In den ersten neun Monaten habe die Bank fast 850 Millionen Euro vor Steuern verdient, das stelle die Bank auf starke Füße für das Ergebnis 2020 - Corona-Pandemie hin oder her, sagte er am Mittwoch.

Ob aber Ende des Jahres auch unter dem Strich positive Zahlen stehen könnten, darauf will sich die Bank bislang nicht festlegen. In den ersten neun Monaten lag der Gewinn bei 62 Millionen Euro, das Polster ist also dünn. Das letzte Mal warteten die Frankfurter 2014 mit einem Jahresgewinn auf, seitdem gab es nur Verluste - die größten im Jahr 2015 mit einem Minus von 6,8 Milliarden Euro und 2019 mit 5,7 Milliarden Euro. Die Bank befindet sich in einem Umbauprozess, bis Ende 2022 sollen 18 000 Vollzeitstellen wegfallen.

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