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Kaum jemand weiß genau, mit welcher Summe er im Alter kalkulieren kann.

Altersvorsorge

Transparente Rente dauert

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Kaum jemand weiß genau, mit welcher Summe er im Alter kalkulieren kann. Das wollte der Finanzminister schnell ändern. Doch das Projekt geht nur schleppend voran.

Die Ankündigung klang vollmundig – und nach rascher Lösung. „Jeder Bürger soll auf einem Blatt Papier sehen können, was er aus der gesetzlichen Rente, aus einer Betriebsrente oder Pensionskassen und seiner privaten Vorsorge am Ende fürs Alter rausbekommt“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) in einem Interview zwei Monate nach dem Groko-Start im vergangenen Jahr. „Noch muss man sich all diese Werte mühsam zusammensuchen. Ich hoffe, dass wir eine solche komplette Renteninformation bald hinbekommen.“

Von „bald“ spricht inzwischen niemand mehr. Das Projekt „säulengreifende Renteninformationen“ liegt zwar nicht auf Eis, aber es geht nur schleppend voran. Ein bereits im Herbst 2017 noch von der alten Bundesregierung in Auftrag gegebene Untersuchung zu den konzeptionellen Grundlagen hat das Licht der Öffentlichkeit jedenfalls noch nicht erblickt.

„Der Abschlussbericht der Gutachter zu diesem Forschungsvorhaben wird voraussichtlich im ersten Quartal 2019 abgenommen werden“, so das Bundesarbeitsministerium jetzt in der Antwort auf eine FDP-Anfrage. Arbeitsministerium und Finanzministerium würden „die sich hieraus gegebenen Erkenntnisse auswerten und hierauf aufbauend die Schlussfolgerungen für die weiteren Schritte zur Einführung einer säulenübergreifenden Renteninformation ableiten“.

Die Information zu ihrer Altersvorsorge, die Arbeitnehmer ab 27 Jahren jährlich zugeschickt bekommen, wenn sie mindestens fünf Jahre eingezahlt haben, gibt bisher lediglich Auskunft über die Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung. 18 Millionen Arbeitnehmer – und damit mehr als jeder zweite sozialversicherungspflichtig Beschäftigte – haben Betriebsrentenansprüche. Hinzu kommen rund 16,5 Millionen Riester-Verträge.

Nur: Kaum jemand weiß genau, mit welcher Summe er im Alter kalkulieren kann. Oftmals sind Arbeitnehmer nicht im Bilde über ihre Betriebsrenten-Ansprüche, die sie bei früheren Arbeitgebern erworben haben. Ein weiteres Problem bei der Zusammenführung der Daten ist die Vielfalt der Vorsorgeformen, Anbieter und Träger. Mehr als 30 Pensionsfonds gibt es in Deutschland, gut 100 Pensionskassen, mehr als 80 Lebensversicherer – und dazu rund 50.000 Betriebe, die ihren Beschäftigten Direktzusagen machen. Standardisierung und Aufbereitung der Angaben gehören zu den größten Herausforderungen.

Experten rechnen damit, dass die neue Renteninformation nicht unbedingt in Papierform erhältlich sein wird, sondern wohl eher per Smartphone-App. FDP-Rentenexperte Johannes Vogel wirft der Bundesregierung Halbherzigkeit vor. „Geliefert wurde bislang nichts“, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Wenn es um mehr Transparenz in der Altersvorsorge geht, herrscht bei der Bundesregierung offenbar Bummelstreik.“ Transparenz bei der Altersvorsorge sei „kein Gimmick, sondern ein Gamechanger“. So könnten potenzielle Versorgungslücken aufdeckt werden: „Unsere dänischen und viele weiteren Nachbarn machen es uns seit Jahren erfolgreich vor, das brauchen wir auch in Deutschland.“

Die Deutsche Rentenversicherung verfolgt das Ziel, mehr Transparenz über bestehende Ansprüche zu schaffen, weiter. Die Vorsorgeinformation müsse möglichst vollständig, verständlich, verlässlich und vergleichbar Aufschluss über die individuelle Absicherung aus allen drei Säulen der Alterssicherung geben, sagte ein Sprecher. „Auch muss der Schutz und die Sicherheit personenbezogener Daten jederzeit gewährleistet sein. Die Rentenversicherung ist mit den anderen Anbietern von Altersvorsorgeprodukten im Gespräch und wird ihren Sachverstand in die Entwicklung dieses neuen Produktes einbringen.“ Doch der große Durchbruch lässt weiter auf sich warten.

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