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Sattes Renten-Plus im Juli 2022: Wen der Staat jetzt dafür abkassiert

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Von: Wolfgang DePonte

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Durch das Rentenplus werden Tausende Rentner plötzlich zu Steuerzahlern
Durch das Rentenplus werden Tausende Rentner plötzlich zu Steuerzahlern. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Bald erhalten deutsche Rentnerinnen und Rentner eine üppige Rentenerhöhung: Doch zahlreiche Senioren werden mit einer Auswirkung konfrontiert: Sie zahlen mehr Steuern.

Frankfurt – Die Altersbezüge werden zum 1. Juli um 5,35 Prozent erhöht – in den neuen Bundesländern sogar um 6,12 Prozent. Angesicht der hohen Inflation (aktuell 7,3 Prozent) hält sich die Freude vieler Senioren aber in Grenzen. Und für Tausende gibt es noch einen weiteren Dämpfer. Bei ihnen sorgt das Renten-Plus dafür, dass sie künftig Steuern zahlen müssen. merkur.de erklärt die Details und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Rente in Deutschland: Warum zahlen immer mehr Senioren Steuern?

Das liegt am Alterseinkünftegesetz, das 2005 nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Kraft trat. Danach wächst die Besteuerung der Renten mit jedem Jahr. Wurden 2005 nur 50 Prozent der Rente besteuert, so sind es heuer bereits 82 Prozent. Im Gegenzug darf man dafür die gezahlten Beiträge für die Altersvorsorge, die sogeannten Vorsorgeaufwendungen, in immer größerem Umfang von der Steuer absetzen.

Ab welcher Rentenhöhe muss man Steuern zahlen?

Auch für Rentner gibt es Grundfreibeträge wie für alle anderen Steuerpflichtigen. 2020 lag dieser Freibetrag bei 9408 Euro (heuer bei 9984 Euro). Laut Bundesfinanzministerium musste ein alleinstehender Rentner, der keine weiteren Einkünfte hatte und 2020 in Ruhestand ging, damit ab einer Bruttorente von mehr als 1166 Euro Steuern zahlen (2010 lag diese Grenze noch bei 1357 Euro). Wichtig dabei ist: allein durch die Rentenerhöhung kann man über diese Grenze geraten und steuerpflichtig werden – und genau damit müssen nun laut Finanzministerium ab 1. Juli mindestens 103.000 Rentner rechnen.

Wichtig ist auch: Das Finanzamt bekommt zwar alle Rentenbezugsmitteilungen (auch die zu Betriebsrenten, Privatrenten und Versorgungs- und Pensionskassen) gemeldet, zieht die Steuer aber nicht – wie bei Gehaltsempfängern – von sich aus ab. Jeder Rentner muss sich also selbst um seine Steuer kümmern. Für die Einkommen-Steuererklärung 2021 bieten die Finanzämter dafür erstmals Rentnern das Online-Portal „einfach Elster“ an. Stichtag für die Abgabe ist der 31. Juli 2021.

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