Gastwirtschaft

Wie Altersarmut verhindert werden kann

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Die Anhebung des Mindestlohns und die Ausweitung der Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rentenversicherung sind entscheidende Faktoren bei der Verhinderung von Altersarmut.

Folgt man der Mehrheit der deutschen Ökonomen, dann ist die Agenda 2010 von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) eine Erfolgsgeschichte. Die von ihr initiierte Flexibilisierung des Arbeitsmarktes habe die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt und die Arbeitslosigkeit gesenkt. Auch die Reallöhne seien nach einer Durststrecke in den 2000er Jahren in den vergangenen Jahren gestiegen. Dabei blenden sie die schweren Kollateralschäden dieser Reformen aus, die zu einer wachsenden sozialen Ungleichheit geführt und das soziale Sicherungssystem nachhaltig beschädigt haben. 

Die Agenda 2010 hat Minijobs, Teilzeitarbeit. Leiharbeit und befristete Arbeitsverträge gefördert, mit der Behauptung, nur so könne man weniger Qualifizierte zu einem Job verhelfen und ihnen eine Chance für eine dauerhafte und besser bezahlte Beschäftigung geben.

Genau das aber ist nicht eingetreten. Die sinkende Arbeitslosigkeit wurde mit mehr prekären Arbeitsverhältnissen und geregelter Armut erkauft. Der Anteil der Niedriglohnempfänger an den Beschäftigten ist unverändert hoch. Ihre absolute Zahl ist seit 1998 sogar um 2,3 Millionen gestiegen, wie das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) zeigt. 22,6 Prozent der Beschäftigten haben gegenwärtig einen Stundenlohn von unter 10,22 Euro (zwei Drittel des Durchschnittslohns). In Ostdeutschland liegt die Quote sogar bei 36 Prozent (West: 19,7). Diese Anteile sind seit 2005 konstant.

Das wird zu wachsender Altersarmut führen, da sich die Rentenhöhe an Dauer und Höhe der Einzahlungen im Erwerbsleben orientiert. Niedriglöhner haben eine unter dem Existenzminimum liegende Rente zu erwarten. In einer weiteren Studie hat das IAQ errechnet, dass 22 Prozent der Beschäftigten trotz langjähriger Beitragszahlung mit einer Monatsrente von unter 766 Euro rechnen müssen. 87 Prozent dieser Gruppe sind Frauen, da sie die große Mehrheit der Niedriglohnempfänger stellen.

Wer auch immer behauptet, dieses Problem könne man mit mehr privater Vorsorge lösen, ist entweder dumm oder zynisch. Es gibt vor allem zwei Stellschrauben, um eine massenhafte Altersarmut zu verhindern: Anhebung des Mindestlohns und Ausweitung der Finanzierungsbasis der gesetzlichen Rentenversicherung. 

Der Autor ist Ökonom und Publizist. Er war Referatsleiter im brandenburgischen Gesundheitsministerium. 

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