+
Rentner an der Elbe: Gut vorgesorgt fürs Alter? 

Rente

Die Alters-Wette

  • schließen

Sofortrente, Einmalkapital oder Entnahmeplan: Es gibt zahlreiche Modelle, für später zu sparen. Wir verraten, wie Sie die Auszahlung der privaten Altersvorsorge richtig planen.

Die Rente muss heute länger reichen als früher. Denn die Lebenserwartung steigt. Das bedeutet auch, dass die Finanzplanung im Alter wichtiger wird und die Entscheidung, was mit frei werdendem Kapital aus privaten Lebens- und Rentenversicherungen passieren soll.

Wer jahrzehntelang in einen solchen Vertrag eingezahlt hat, muss sich spätestens kurz vor Versicherungsende entscheiden: Soll das Kapital in eine lebenslange Rente umgewandelt oder ausgezahlt werden? Landet der Batzen auf dem Konto, muss die nächste Entscheidung getroffen werden: Der Betrag kann in einen Fondsauszahlplan gesteckt oder selbst gemanagt werden, theoretisch besteht auch die Möglichkeit einen Bankauszahlplan zu vereinbaren oder das Geld auf dem Girokonto ruhen zu lassen.

Wenig verwunderlich raten Finanzexperten von Letzterem einstimmig ab, da es auf dem Girokonto keine Zinsen gibt und mit Berücksichtigung der Inflation das Geldvermögen mit der Zeit sogar abnimmt. Beim Bankauszahlplan sieht es ähnlich aus: Zwar bekommen Kunden Zinsen dafür, dass sie das Geld bei ihrer Bank für einen festgelegten Zeitraum anlegen und nur monatlich eine festgesetzte Summe ausgezahlt bekommen. Doch die Zinsen sind so niedrig, dass der Vorteil dahin ist. Die allermeisten Geldinstitute haben den Bankauszahlplan in der Vergangenheit deshalb bereits abgeschafft.

Erschwerend kommt hinzu: „Viele Versicherungen und Ansparprodukte, die heute fällig werden, werfen nicht mehr so viel Rendite ab, wie Sparer bei Abschluss erwartet hatten“, sagt Rolf Tilmes, Finanzexperte und Vorsitzender des Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB). Mit dem Renteneintrittsalter kann mit dem Sparen also vielfach noch nicht Schluss sein.

Bleibt also noch die Wahl zwischen Sofortrente, Fondsauszahlplan und dem eigenständigen Managen des zur Verfügung stehenden Geldes. „Für jede Variante gibt es Vor- und Nachteile“, sagt Tilmes. Diese hingen ab von den individuellen Bedürfnissen und den persönlichen Lebensumständen.

Die sichererste Variante ist ohne Zweifel die Sofortrente. Hierbei überlässt der Ruheständler das gesamte Kapital einem Versicherer, der davon eine monatliche Rente auszahlt – garantiert bis zum Lebensende. Doch diese Garantie kostet, die Auszahlraten sind dementsprechend gering. Die Chance auf Überschüsse derzeit auch. Der Versicherte profitiert dennoch, wenn er lange lebt. Stirbt er hingegen früh, ist das Geld verloren. „Das ist Teil der Wette des Versicherers: Ein paar Versicherte leben bis 100 und ein paar nur bis 66 Jahren. So wird kalkuliert“, sagt Tilmes.

Auch Erben können im Falle des frühzeitigen Todes des Versicherten keinen Anspruch auf das Geld erheben – es sei denn im Vertrag ist eine Rentengarantiezeit vereinbart oder der Partner ist mit abgesichert. Aber zum einen kann die Garantiezeit in der Regel nur für etwa fünf Jahre abgeschlossen werden, zum anderen sinkt bei solch vereinbarten Bedingungen der Rentenanspruch. Denn die Versicherung kalkuliert die Mehrbelastung und, bei Mitversicherung des Partners, auch dessen Lebenserwartung mit ein.

„Eine Rentenversicherung macht trotzdem Sinn, wenn ansonsten kaum sichere Einnahmen zu erwarten sind“, sagt Tilmes. Denn sie garantiert Zahlungen bis zum Tod. Kann der Ruheständler hingegen mit kontinuierlichen Mieteinnahmen planen, könne man schon eher Abstand von einem teuren Versicherungsprodukt nehmen und über einen Entnahmeplan nachdenken.

Hierbei wird das Geld in Fonds angelegt und monatlich oder jährlich ein Anteil davon wieder entnommen. Die Vorteile: Das Geld ist vererbbar und der Sparer kann jederzeit Kapital entnehmen. Das Geld vermehrt sich außerdem im besten Fall – je nachdem wie sich die Kursentwicklung an der Börse verhält. Einer Berechnung des gemeinnützigen Verbraucherratgebers Finanztip nach hat eine Entnahme von 333 Euro im Monat, über 30 Jahre, beginnend ab 1973, immer gut geklappt. „Im schlimmsten Fall – Öl-, Asien- und Neue-Markt-Krise inbegriffen – hätte der Sparer nach 30 Jahren mehr als 130 000 Euro übrig, also mehr Kapital als zu Beginn“, sagt Finanztip-Redakteurin Sara Zinnecker. Vorausgesetzt wurde dabei eine Anlage von 100 000 Euro auf den Indexfonds MSCI World.

Die gleiche Rechnung hat Finanztip auch mit dem Szenario gemacht, die 100 000 Euro unverzinst auf dem Girokonto zu belassen. Werden monatlich 333 Euro abgehoben, ist das Geld bereits nach 25 Jahren bis auf den letzten Cent aufgebraucht.

Dafür ist das Risiko bei Fondsauszahlplänen höher. „Eine Garantie für die Höhe der Rente beziehungsweise dafür, wie lange das Restkapital reicht, gibt es bei Auszahlplänen nicht“, sagt Zinnecker. Bei einem längeren Börsenabschwung müssen Sparer außerdem in Kauf nehmen auch mal weniger Geld zu entnehmen.

Als Mittelweg empfiehlt Finanztip, nur einen Teil des Kapitals in einen Auszahlplan zu stecken und den anderen Teil in Festgeld mit unterschiedlichen Laufzeiten anzulegen. So werde ein sicherer Zinsertrag erzielt und jedes Jahr ein entsprechender Betrag fällig.

Aber auch dann muss das Geld lange genug gestreckt werden, um damit alt werden zu können. „Viele schätzen ihre Lebenserwartung zu kurz ein“, sagt Tilmes. Bei Renteneintritt haben viele aber noch 30 Jahre vor sich, das werde häufig vergessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare