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Wenn Mao das geahnt hätte. Zur Debatte stellt China die Rolle des Dollar als Leitwährung.
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Wenn Mao das geahnt hätte. Zur Debatte stellt China die Rolle des Dollar als Leitwährung.

G20-Gipfel

Alternative zum Dollar gesucht

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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China stellt sich den G20 Staaten bei einer Währungskonferenz im eigenen Land. Vor allem die französischen Diplomaten wollen dabei eine feste Bandbreite für die Wechselkurse. Ob die Chinesen dabei mitspielen, wird sich zeigen müssen.

Das Spektakuläre an diesem Treffen ist sein Ort: Lange Zeit lehnte es China grundsätzlich ab, im Kreis der G20 Staaten überhaupt über Währungsthemen zu sprechen. Die Volksrepublik, größter Devisenbesitzer der Welt, wollte so eine Debatte über Manipulationen der Wechselkurse vermeiden und Vorwürfen vor allem der USA entgehen.

An diesem Donnerstag aber findet mitten im Reich der Mitte, in Nanjing, eine hochrangige Konferenz zur Zukunft des Weltwährungssystems statt. „Das ist für Frankreich ein fast sensationeller diplomatischer Erfolg“, heißt es in deutschen Regierungskreisen. Paris leitet in diesem Jahr die G20, den Zusammenschluss der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer.

Für Peking nur ein Seminar

Staatspräsident Nicolas Sarkozy möchte die Gelegenheit nutzen, das Weltwährungssystem mit seinen starken Schwankungen, seiner Abhängigkeit vom Dollar und den starken Ungleichgewichten grundlegend zu reformieren. Deswegen wird er auch persönlich vor Ort für sein Anliegen werben. Andere ziehen es vor, die zweite Reihe zu schicken. So lässt sich das Gastgeberland von Vize-Premier Wang Qishan vertreten. All zu hoch möchte die kommunistische Partei das heikle Thema dann doch nicht hängen. China vermeidet daher auch in den Einladungen zu der Konferenz jeden Hinweis auf die G20 und spricht von einem „Hochrangigen Seminar zum Internationalen Währungssystem“.

Einer der Seminarteilnehmer wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sein. Trotz seiner engen Verbindung mit Frankreich aber steht er den großen Plänen Sarkozys skeptisch gegenüber. Zwar führt Deutschland gemeinsam mit Mexiko auf Wunsch der französischen Regierung eine Arbeitsgruppe der G20 zu dem Thema. Aber inhaltlich liegen Welten zwischen Paris und Berlin. So brachte die französische Finanzministerin Christine Lagarde ein „Bretton Woods II“ ins Gespräch – nach dem Vorbild der alten Weltwährungsordnung, die 1944 in Bretton Woods vereinbart wurde. Mit Bandbreiten für Wechselkurse wollen die Franzosen im 21. Jahrhundert das freie Spiel der Kräfte begrenzen. Und sie möchten Alternativen zum Dollar als Leitwährung entwickeln. Damit liegen sie auf einer Linie mit China, dessen Notenbankchef Zhou Xiaochuan dies schon 2009 in einer viel beachteten Rede gefordert hatte.

Xiaochouan führte die Weltfinanzkrise auf die Dominanz des Dollar zurück und verlangte eine stabilere Ordnung durch eine internationale Reservewährung, die unabhängig sein sollte von einem einzelnen Land. Schäuble lehnt all dies ab. Er will das freie Spiel der Kräfte erhalten – oder erst durchsetzen wie im Fall China, das seinen Yuan künstlich verbilligt, um die eigene Exportindustrie zu fördern. Mit einer wichtigen Einschränkung: Die lange verpönten Kapitalbeschränkungen könnten mit Billigung Deutschlands bald auf G20-Ebene rehabilitiert werden. Vor allem Schwellenländer wie Brasilien, Südkorea oder auch die Türkei klagen über die gewaltigen Geldströme, die mal abfließen oder wie derzeit massiv einströmen. Auch zu viel Kapital macht Schwierigkeiten, weil es den Wechselkurs zulasten der Exporte hoch treibt und die Inflationsgefahren verstärkt. Deutschland macht dafür die USA und deren Notenbank Fed mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik verantwortlich. Mehrfach hat Schäuble deren Entscheidung, die Märkte mit Liquidität zu fluten, kritisiert und auf die Risiken für die internationale Stabilität hingewiesen. Dies heißt aber auch, dass man Ländern wie Brasilien das Recht einräumen muss, solche Kapitalströme abzuwehren.

Die Deutschen wollen in ihrer Arbeitsgruppe Kriterien entwickeln, um gute von schlechten Kapitalverkehrskontrollen zu unterscheiden. Schlechte wären solche, die Länder vom freien Handel abschotten und dem Protektionismus dienen. Den großen Wurf wird Sarkozy also nicht hinbekommen. Aber immerhin beginnen die G20 die Debatte über eine moderne Währungsordnung, die besser den neuen Kräfteverhältnissen in der Weltwirtschaft entspricht.

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