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Schäden am Auto können online gemeldet werden.

Versicherung

Allianz auf Policenjagd

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Der Versicherer will im Inland stärker als der Markt wachsen und mehr Jobs schaffen. Zudem HUK Coburg den Spitzenplatz bei Kfz-Versicherungen streitig machen, mit Hilfe des ADAC.

Die Digitalisierung von Versicherungskonzernen bringt für Kunden viele Erleichterungen. Policen können online mit wenigen Klicks abgeschlossen, Schäden per Smartphone fotografiert und gemeldet werden. Das Personal dagegen kommt unter Druck, wenn Software und Technik die Arbeit übernimmt. Insofern ist es bemerkenswert, wenn die Allianz Deutschland als größte und bedeutendste Tochter des Versicherungsriesen neue Stellen schafft. „Wir müssen mehr in Service investieren, das bringt Beschäftigung“, kündigte Allianz Deutschland-Chef Klaus-Peter Röhler in München an. 2019 würden hier zu Lande 400 Jobs aufgebaut. Wie es darüber hinaus weitergeht, ist offen.

Voriges Jahr hat sich der Personalstand noch um 167 auf knapp 26 700 Stellen verringert und das trotz eines für die heimische Branche untypischen Umsatzwachstums um 5,5 Prozent auf 36,4 Milliarden Euro. „Wenn das Wachstums so anhält, brauchen wir uns nicht über Stellenabbau unterhalten“, sagt Röhler. Das gelte auch für die 8 300 Beschäftigten bei unabhängigen Allianz-Agenturen.

Die Allianz werde in Deutschland ab sofort anhaltend stärker als der Markt wachsen, verspricht Röhler. Sie will dabei künftig nicht nur verstärkt Größenvorteile ausspielen. Strategisch und spartenübergreifend fungiert sie auch immer mehr als Produktschmiede für Allianz-Töchter jenseits deutscher Grenzen von Sach- bis zu Lebenspolicen.

Treiber des Policen-Exports ist zum einen die Stuttgarter Lebensversicherungstochter. Ihre hierzulande erfolgreichen Policen mit reduzierten Garantien werden 2019 auch in Italien und damit erstmals im Ausland verkauft. „Das soll kein Einzelfall sein“, verspricht Allianz Leben-Chef Markus Faulhaber. Spanien und Portugal sollen folgen. Der Umstand, dass die Allianz jüngst ihren Gewinnabführungsvertrag mit der Allianz Leben hat auslaufen lassen, habe deshalb auch nichts mit Misstrauen gegenüber ihrer Stuttgarter Tochter zu tun. Ohne einen solchen Vertrag erhält die Mutter keine Ausschüttungen von ihrer Tochter mehr, muss im Krisenfall aber auch nicht für eventuelle Verluste aufkommen.

Auslaufen lassen habe man den Vertrag nur vorsorglich, wegen einer Gesetzesänderung, deren Inhalte noch unbekannt sind, betonte Röhler. Sobald Klarheit herrsche, werde man neu nachdenken und den Vertrag mit der Allianz Leben gegebenenfalls wieder aufleben lassen. Bei Lebenspolicen ist die Allianz mit einem 2018 von 23,3 auf 24,5 Prozent gestiegenen Marktanteil die klar dominierende Nummer eins im deutschen Markt.

Neuerdings wieder rund läuft es auch mit Sachversicherungen, betonte der dafür verantwortliche Vorstand Joachim Müller. Dort seien Kfz-Policen maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Allianz 2018 erstmals seit Jahren wieder stärker als der Markt gewachsen ist. 174 000 Kfz-Verträge haben die Münchner inklusive Wechselgeschäft am Jahresende 2018 dazugewonnen und kommen nun auf 8,7 Millionen Policen.

Konkurrent Huk Coburg war aber noch erfolgreicher. Der deutsche Marktführer im Geschäft mit Kfz-Policen hat 400 000 Kunden gewonnen und nun rund zwölf Millionen Kfz-Policen im Bestand. Müller bleibt dennoch beim Ziel, Huk die Marktführerschaft abzunehmen. Wann das so weit ist, sagt er nicht. 2019 kommt schon mal ein großer Schluck aus der Pulle dazu.

Denn die Allianz hat Konkurrent Zurich beim ADAC ausgestochen und dessen 650 000 Kfz-Versicherungsverträge mit ADAC-Mitgliedern übernommen. Das enorme Kundenpotential von 21 Millionen ADAC-Mitgliedern will Müller nun für die Allianz auch über Kfz-Policen hinaus nutzen.

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