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Allianz-Chef Oliver Bäte ist zufrieden mit der Bilanz.

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„Wir sind sehr stolz“

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Allianz-Chef Oliver Bäte präsentiert die Jahresbilanz des Konzerns.

Für große Kapitalanleger im Allgemeinen und die Assekuranz im Speziellen sind die Zeiten derzeit schwierig. Europas größten Versicherer Allianz ficht das nicht an. „Wir sind sehr stolz“, bekannte Konzernchef Oliver Bäte in München zur Bilanzvorlage. Das ist nachvollziehbar. Mit einem Zehntel mehr Jahresüberschuss auf 7,5 Milliarden Euro haben die Münchner 2018 den höchsten Profit seit einem Jahrzehnt erzielt. Gestiegen sind auch die Umsätze und zwar um dreieinhalb Prozent auf knapp 131 Milliarden Euro. Während Aktionären die gestiegene Profitabilität zugutekommt, muss das Personal auf weiteres Umsatzwachstum und steigende Marktanteile hoffen. Denn der Konzern forciert seinen digitalen Umbau, was ohne Wachstum Druck auf Stellen entfacht.

Eine Prognose für die Personalentwicklung lehnte Bäte angesichts dieser Unsicherheit ab. Im Zentrum der Digitalisierungsstrategie, die Policen für Kunden vereinfachen und das Geschäft zunehmend auf Onlinekanäle umlenken soll, steht derzeit vor allem der Bereich Schaden und Unfall, also die tragende Säule der Allianz. Dortiges Umsatzwachstum sei entscheidend für die Personalentwicklung, betonte der Konzernchef. „Wir wollen so viele Arbeitsplätze wie möglich halten“, meinte er.

2018 ist das weitgehend gelungen. Die rund 2000 Stellen, die hierzulande von den Lohnzetteln verschwunden sind, gehen ausschließlich auf das Konto des Verkaufs der Oldenburgischen Landesbank. Damit beschäftigt die Allianz in Deutschland noch rund 26 000 Leute. Global sind es 142 000 Mitarbeiter und damit 2000 Beschäftigte mehr als vor Jahresfrist. Doch der Aufbau eines neuen, erst einmal europaweit agierenden Direktversicherers könnte die Beschäftigungszahlen schrumpfen lassen. Der soll unter der Marke Allianz Direkt Ende des Jahres in Deutschland, Italien, Spanien und den Niederlanden mit Kfz-Policen starten, aber zügig auf andere Länder und Versicherungssparten ausgeweitet werden.

In elf Fragen zur Police

Für Kunden bringt das Vereinfachungen. Früher beispielsweise mussten deutsche Kfz-Versicherte 26 Fragen beantworten, um zu einer Police zu kommen. Heute müssen deutsche Allianz-Kunden nur noch elf Antworten geben. In Italien kommt der Versicherer gar mit zwei Fragen aus. Dafür braucht es dann auch kaum noch Beratung. Abgeschlossen und verwaltet werden solche Policen online vom Kunden weitgehend im Alleingang, was Personal überflüssig macht.

Auf der anderen Seite steigert das die Profite. Aktionäre können sich deshalb für 2018 über eine von acht auf neun Euro je Aktie erhöhte Dividende freuen. Zudem haben die Münchner für 2019 erneuten Aktienrückkauf im Umfang von 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Schon in den beiden Vorjahren wurden auf diese Weise Allianz-Papiere im Wert von sechs Milliarden Euro eingezogen. Für größere Zukäufe von Konkurrenten kann sich das Management dagegen weiterhin nicht erwärmen und vertraut dagegen eher auf weitere operative Verbesserungen.

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