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Wenn’s gekracht hat, muss die Versicherung ran. Auf dem Markt für Kfz-Policen dürfte es im Herbst einen Preiskampf geben.

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Allianz greift online an

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Lange haben sich die Münchner im Netz schwergetan. Nun startet die Assekuranz pünktlich zur Wechselsaison in der Kfz-Versicherung eine neue Internettochter.

Im Oktober suchen Deutschlands Kfz-Halter traditionell nach einer günstigeren Versicherung. Zum allgemeinen Stichtag Ende November wechseln viele ihren Anbieter. Diesmal könnte der Branchenriese Allianz mit dem Start seines neuen Onlineversicherers Allianz Direct für Aufmerksamkeit sorgen. „Allianz Direct kommt zur richtigen Zeit für die Wechselsaison“, kündigte Konzernfinanzchef Giulio Terzariol jüngst an.

Starten soll das Schlüsselelement der Digitalisierungsstrategie des Konzerns in Deutschland und den Niederlanden im Segment Kfz-Versicherung. Aber auch ein rasches Ausrollen europaweit ist fest geplant. Und auch weitere Policen sollen hinzukommen.

Historisch gesehen hat die Allianz im Onlinegeschäft getrieben von internen Kannibalisierungsbefürchtungen einen Zickzackkurs gefahren. Erst wurde die Onlinetochter Allianz24 gegründet, um der Konkurrenz konzernfremder Direktversicherer etwas entgegensetzen zu können. 2009 wurde sie dann auf Druck der heute rund 8300 Allianz-Vertreter in Allsecur umbenannt.

Kfz-Policen gelten als Brot-und-Butter-Geschäft sowie Türöffner für andere und dann weit lukrativere Versicherungsverträge. Die Vertreterschaft fürchtete um ihr Geschäft, wenn im Internet unter dem Markennamen Allianz darum geworben wird. Insofern war für sie Allsecur die richtige Wahl. Der Erfolg damit blieb jedoch überschaubar, was wiederum für das Allianz-Management kein Ruhmesblatt war. Die Marktführerschaft in der Kfz-Versicherung ging in Deutschland an HUK Coburg und deren Internettochter HUK24 verloren. Dann wurde Oliver Bäte Allianz-Chef und Digitalisierung zur obersten Konzernstrategie ausgerufen, weshalb nun auch Allianz Direct startet.

Im Internet geworben wird demnächst wieder unverfälscht mit dem Allianz-Markennamen, egal wie die Allianz-Vertreter das finden. Dazu wird die Marke Allsecur schrittweise vom Markt verschwinden. Bestehende Allsecur-Verträge würden umgestellt und unverändert von Allianz Direct fortgeführt, erklärt die Allianz. Betroffen sind Allsecur-Verträge deutscher und niederländischer Kfz-Kunden. Nicht nur Allsecur verschwindet dabei unter dem Dach der neuen Onlinetochter. 2020 folgen auch die Allianz-Internetableger Genialloyd in Italien und Fenix Directo in Spanien. Wie es danach weitergeht, ist offiziell noch nicht bekannt.

„Durch die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene nutzen wir noch mehr Potenziale, um Innovationen schnell verfügbar zu machen“, erklärt Allianz-Direct-Chef Bart Schlatmann. Eine Police für alle Länder heißt das. Das galt in der Assekuranz lange als Ding der Unmöglichkeit. Die Versicherungsmärkte seien lokal zu unterschiedlich, um Skaleneffekte im großen Stil erzeugen zu können, hieß es bisher.

Das mag bei einigen komplizierten Policen immer noch gelten. Aber in weiten Teilen hat sich die Welt der Versicherer durch die Digitalisierung und kundenorientierte Start-ups stark verändert. Der Abschluss von Policen wurde radikal vereinfacht. Wer eine will, muss nicht mehr wie früher Dutzende Fragen beantworten sondern nur noch wenige. Das ist neben schnellerer und unkomplizierterer Schadensabwicklung per Smartphone binnen 24 Stunden sowie dem Preis auch ein Ansatz der Allianz Direct.

„Wir können unsere Preise wettbewerbsfähig halten und Kunden mit mehr Geschwindigkeit und Komfort, zum Beispiel in Schadensfällen, zur Seite stehen“, sagt Schlatmann. Neue Maßstäbe soll Allianz Direct dabei zumindest konzernintern bei den Kosten setzen. Die neue Tochter werde gemessen an den Prämieneinnahmen mit maximal zwölf Prozent Kostenquote auskommen, verrät Terzariol. Bei traditionellen Allianz-Policen ist es gut das Doppelte.

Zur Etablierung von Allianz Direct sei es in den ersten Jahren zudem nicht so wichtig, versicherungstechnische Gewinne zu erzielen, betont der Finanzchef des Mutterkonzerns ungewohnt freizügig. Mit anderen Worten: Allianz plant im Onlinegeschäft in diesem Herbst nicht nur eine Komfort- sondern auch eine Preisoffensive.

In den vergangenen Jahren war im saisonalen Kfz-Wechselgeschäft meistens HUK Coburg der Hauptgewinner, auch wenn die Allianz in den vergangenen Jahren selbst wieder vermehrt punkten konnte. Klar ist aber auch, dass Allianz Direct in Deutschland als direkter Angriff auf HUK24 gedacht ist. „Wir versuchen, ein neues Geschäftsmodell zu bauen“, sagte Terzariol. Kfz-Versicherte dürfte das dieses Jahr besonders freuen.

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