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Ein Mann sammelt Plastik am Strand von Puntarenas, Costa Rica.

UN-Umweltprogramm

Allianz gegen Meeresplastik

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Tonnen an Plastikmüll landen alljährlich in den Weltmeeren. Nun wollen sich große Konzerne engagieren - doch verbindlich werden sie dabei nicht.

Jedes Jahr landen nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) in Nairobi rund acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Weltmeeren – sichtbar unter anderem in den riesigen Müllstrudeln, die sich dort gebildet haben. Aber vor allem in Entwicklungsstaaten ist nicht richtig entsorgter Kunststoffmüll auch in den Städten und auf dem Land ein großes Problem. Rund 30 multinationale Konzerne haben nun eine „Globale Allianz gegen Kunststoffabfall in der Umwelt“ gebildet, um das Problem mit anzugehen.

Ziel der neuen Organisation AEPW (Alliance to End Plastic Waste) ist es nach eigenen Angaben, „Lösungen und neue Technologien zu entwickeln, mit denen sich die unkontrollierte Entsorgung weltweit stoppen lässt“. In entsprechende Projekte für Sammlung, Recycling und Wiederverwertung von Kunststoff-Abfällen sowie Reinigungsaktionen zum Beispiel an Stränden und bessere Information der Bürger will die Allianz in den nächsten fünf Jahren 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) investieren. Die Schwerpunkte der Aktionen sollen in Asien, Afrika und dem pazifischen Raum liegen.

Kunststoff „viel zu wertvoll“, um als Umweltmüll zu enden

Mit im Boot sind große Chemiekonzerne, Kunststoffhersteller, Unternehmen der Konsumgüterindustrie, des Handels und der Abfallwirtschaft – also ein „großer Teil der Wertschöpfungskette Kunststoff“, wie es zur Gründung der Allianz am Mittwoch in London hieß. Darunter Big Player wie Dow, Exxon-Mobil, Procter & Gamble Shell und Veolia. Die AEPW kooperiert mit UNEP und dem Weltwirtschaftsrat für Nachhaltige Entwicklung (WBCSD).

Aus Deutschland sind die Kunststoffhersteller BASF und Covestro sowie der Konsumgüter-Produzent Henkel Mitglied. Kunststoffe seien „sehr leistungsfähige, vielseitig einsetzbare und ressourcenschonende Materialien, sie dürfen aber nicht als Abfall ins Meer oder in die Umwelt gelangen“, sagte der Henkel-Vorstandsvorsitzende Hans Van Bylen, der auch Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) ist. Die neue Allianz wolle hierfür „konkrete Lösungen“ entwickeln. Covestro-Chef Markus Steilemann kommentierte, Kunststoffe seinen „viel zu wertvoll um als Müll in der Umwelt zu enden“. Sämtlicher Abfall sollte als Ressource betrachtet werden.

Zehn Flüsse bringen 90 Prozent des Plastikmülls ins Meer

Die Konzentration auf Entwicklungs- und Schwellenländer im Süden macht aufgrund des Verursacherprinzips Sinn: Studien haben gezeigt, dass rund 90 Prozent des Plastikmülls in den Weltmeeren über nur zehn große Flüsse dorthin gelangen – davon acht in Asien und zwei in Afrika. Rund 60 Prozent des marinen Kunststoffmülls lassen sich nur fünf südostasiatischen Ländern zuordnen, darunter China. Indien und Vietnam. In den Hotspot-Regionen wolle man mit Regierungen, Verwaltungen und NGOs zusammenarbeiten, kündigte die Allianz an.

Umweltschützer begrüßten die Aktion grundsätzlich. „Es ist prinzipiell begrüßenswert, wenn sich auch globale Unternehmen als Mitverursacher gegen Plastikmüll engagieren“, hieß es auf Anfrage bei der Umweltstiftung WWF. Es sei notwendig, dass sich Unternehmen finanziell am Aufbau von Abfallmanagementsystemen etwa in Südostasien beteiligen und konkret für die Entsorgung der eigenen Produkte und Verpackungen einstehen.

In der Ankündigung fehlten aber bisher verbindliche Ziele sowie ein Bekenntnis, Veränderungen in eigenen Produktionsstätten und Lieferketten vorzunehmen. Die Plastikproduzenten müssten die Recyclingfähigkeit ihrer Materialien verbessern, die Konsumgüterhersteller unnötige Verpackungen vermeiden, sagte WWF-Expertin Caroline Kraas.

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