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Lebensversicherungen sind nicht mehr der Deutschen liebste Altersvorsorge.
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Lebensversicherungen sind nicht mehr der Deutschen liebste Altersvorsorge.

Lebensversicherung

Die Allianz fürs Leben bröckelt

  • Karl Doemens
    VonKarl Doemens
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Alten Lebensversicherungen drohen deutliche Abschläge - über die Höhe wird noch gestritten. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

Alten Lebensversicherungen drohen deutliche Abschläge - über die Höhe wird noch gestritten. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt.

Inhaber einer Lebensversicherung, die demnächst fällig wird, müssen weiter rätseln, wie viel ihnen am Ende der Vertragslaufzeit tatsächlich ausgezahlt wird. Im Streit über die von der Bundesregierung beschlossene Kürzung der Auszahlung konnte sich der Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat am Dienstagabend nicht einigen. Nun soll eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Finanzministerien des Bundes und des Landes Nordrhein-Westfalen bis zum 26. Februar nach einer Lösung suchen. Es geht um viel Geld: Das schwarz-gelbe Gesetz könnte ausscheidende Kunden leicht 10.000 Euro kosten. Umgekehrt sehen die Versicherungen ohne die Einschnitte ihre langfristigen Zinsgarantien und damit das gesamte Geschäftsmodell in Gefahr.

Worin besteht das grundsätzliche Problem? Die Lebensversicherer legen das Geld ihrer Kunden traditionell hauptsächlich in konservativen Rentenpapieren an. Deren Rendite ist in den vergangenen Jahren aber deutlich gefallen. Die schwarche wirtschaftliche Entwicklung hat das Zinsniveau gedrückt. Parallel hat die Bundesregierung den Garantiezins, der auf jeden Fall an die Kunden gezahlt werden muss, seit 1999 von vier auf jetzt noch 1,75 Prozent gesenkt. Die aktuelle Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt aber noch leicht unter diesem Wert. Um ihre Zusagen auch bei weiterhin mageren Zinsen einhalten zu können, wollen sich die Versicherer nun einen „Risikopuffer“ zulegen. Daraus sollen die absehbaren Schwierigkeiten in den kommenden Jahren in den Griff bekommen werden.

Was zahlt eine Lebensversicherung normalerweise aus? Die Ablaufleistung einer Police speist sich aus mehreren Quellen. Ihre Höhe und ihre Zusammensetzung sind für den Kunden schwer durchschaubar. Neben der garantierten Leistung gibt es eine Überschussbeteiligung und eine Beteiligung an den Bewertungsreserven. Diese „stillen Reserven“ wollen die Versicherungen nun für sich behalten.

Wie entstehen Bewertungsreserven und wem gehören sie? Um diese Frage dreht sich der Streit. Bewertungsreserven sind theoretische Gewinne, die sich ergeben, wenn der Wert einer Kapitalanlage der Versicherung steigt. Hat eine Gesellschaft beispielsweise ein Papier zu 100 Euro gekauft, dessen Kurswert auf 140?Euro steigt, dann ist eine stille Reserve von 40 Euro entstanden. Seit 2008 müssen die Assekuranzen die Hälfte dieser Buchgewinne für festverzinsliche Wertpapiere an ihre Kunden weitergeben. Sie befinden sich freilich in einem Dilemma: Wenn das Zinsniveau sinkt, sind die Bewertungsreserven besonders hoch. Um sie auszuschütten, müssen die Gesellschaften ausgerechnet renditestarke Alt-Papiere aus ihrem Bestand verkaufen. Das nagt an ihrer finanziellen Basis.

Was will die Bundesregierung? Nach offensichtlich erfolgreicher Lobbyarbeit der Versicherungswirtschaft hat die Koalition im vergangenen November im Eilverfahren beschlossen, die Gesellschaften in Zeiten niedriger Zinsen von der Pflicht zu entbinden, die Kunden bei Auslauf oder Kündigung des Vertrages an den Reserven zu beteiligen. Nach massiven Protesten schob Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Härtefallregelung nach: Die kollektive Ablaufleistung soll um maximal fünf Prozent gekürzt werden dürfen. Im Einzelfall kann das nach Angaben des Ministeriums gleichwohl für die Kunden Einbußen von 7,5 Prozent ihres Vertragsguthabens bedeuten.

Was sagen die Verbraucherschützer? Verbraucherzentralen und der Bund der Versicherten lehnen die Leistungskürzung ab. Sie argumentieren, die Versicherungen säßen auf 43 Milliarden Euro an nicht ausgeschütteten Gewinnen. Von einer Notlage der Branche könne also keine Rede sein. Probleme hätten höchstens einzelne Unternehmen. Es bestehe aber die Gefahr, dass nicht ausgeschüttete Rücklagen keineswegs künftigen Versichertengenerationen, sondern über Umwege den Aktionären zugutekommen.

Wie geht es weiter? Der Bundesrat hat das Gesetz an den Vermittlungsausschuss überwiesen, in dem SPD und Grüne die Mehrheit haben. Der tagt das nächste Mal am 26. Februar. Bis dahin soll eine Arbeitsgruppe einen Kompromiss vorschlagen. Ziel sei ein Ausgleich zwischen den Ansprüchen der Versicherten, deren Policen aktuell fällig werden und denjenigen, die ihre Ansprüche noch aufbauen, kündigte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann an.

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