+
Der krisengeschüttelte US-Autobauer Chrysler geht in die Insolvenz und schmiedet eine Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern.

Frage und Antwort

Alles zur "Blitz"-Insolvenz von Chrysler

Warum kann eine Insolvenz überhaupt die Rettung sein? Welche Rolle spielt Fiat? Was passiert, wenn eine Sanierung schiefgeht? Die Antworten auf alle Fragen zur "Blitz-Insolvenz" von Chrysler.

Ein Insolvenzverfahren im Schnelldurchgang soll Chrysler retten. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur "Blitz-Insolvenz" des drittgrößten US-Autobauers:

Warum kann eine Insolvenz überhaupt die Rettung sein?

In einem gerichtlichen Insolvenzverfahren können US-Unternehmen zunächst geschützt vor Gläubigern weiterarbeiten, Ballast abwerfen und sich so womöglich sanieren. Das Problem dieser Variante des US- Insolvenzrechts (Chapter 11): Sie kann sich über viele Monate oder gar Jahre hinziehen. Diese Zeit hat Chrysler nicht.

Was ist eine "Blitz-Insolvenz"?

Formell gibt es diesen Weg im US-Recht gar nicht. US-Präsident Barack Obama will bei Chrysler dennoch ein höchstens 30 bis 60 Tage dauerndes "chirurgisches Insolvenzverfahren" durchziehen - und später womöglich auch bei der ebenso existenzbedrohten Opel-Mutter General Motors. Für den Schnelldurchgang ("quick-rinse-bankruptcy") sollen Rahmenbedingungen der Sanierung für den Insolvenzrichter schon zuvor grob festgelegt sein, damit es dann ganz fix gehen kann.

Was ist der größte Knackpunkt?

Chryslers Gläubiger - eine Gruppe von mehr als 40 Banken, Hedge Fonds und anderen Investoren. Einige sind auf Kollisionskurs und lehnten einen Schulden-Kompromiss ab. Im Insolvenzverfahren kann der Druck auf sie massiv erhöht werden, eine Erfolgsgarantie gibt es nicht. Darauf spekulieren manche Gläubiger im Machtkampf: Sie wollen mehr herausholen und verweisen auf die Autogewerkschaft UAW, die für ihren Verzicht auf Milliardenforderungen sogar die Mehrheit an Chrysler bekommen könnte. Weiteres großes Problem: In der Insolvenz könnten noch weniger Kunden als ohnehin Chrysler-Autos kaufen.

Was ist für einen Erfolg nötig?

Viel Geld. Die US-Regierung müsste der wesentliche Kapitalgeber über Finanzspritzen und Garantien sein. Nötig wären weit mehr als die bisher von Chrysler erhaltenen vier Milliarden Dollar. Auch die zudem in Aussicht gestellten sechs Milliarden Dollar dürften nicht reichen. Nur wenn der Staat einspringt, können die Gläubiger zeitweise beiseitegeschoben werden. Das Risiko trägt also der US-Steuerzahler.

Welche Rolle spielt Fiat?

Die Hauptrolle. Ohne einen internationalen Partner ist Chrysler nicht nur nach Ansicht von Obama nicht überlebensfähig. Die Italiener sollen mit 20 und später bis zu 35 Prozent oder womöglich noch mehr einsteigen. Sie bringen spritsparende Technologie und Kleinwagen mit, wollen aber keinen einzigen Euro für frisches Kapital ausgeben.

Was passiert, wenn eine Sanierung schiefgeht?

Bei einem Scheitern droht ein Dominoeffekt - auch für deutsche Hersteller in den USA wie BMW und Daimler. Außer Chrysler stünden tausende Händler, Zulieferer und andere abhängige Firmen vor dem Aus. Und damit womöglich Millionen von Jobs in den USA und Europa. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare